Berliner Behörden gehackt: Ransomware-Angriff kostet 2 Millionen
Veröffentlicht am: 08.09.2026 um 13:05 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In den ersten Septembertagen des Jahres 2026 beobachten Verbraucherschützer und Behörden eine massive Zunahme koordinierter Betrugsversuche im digitalen Raum. Im Zentrum aktueller Warnungen steht dabei insbesondere eine neue Phishing-Welle, die auf Nutzer des Online-Bezahldienstes PayPal abzielt. Die Täter nutzen dabei verfeinerte Methoden, um die Glaubwürdigkeit ihrer Nachrichten zu erhöhen.
Personalisierte Täuschung bei PayPal und WhatsApp
Die Verbraucherzentrale warnt aktuell vor E-Mails, in denen den Empfängern die Schließung ihres PayPal-Kontos innerhalb von 90 Tagen angekündigt wird. Ein besonderes Merkmal dieser Kampagne ist die Verwendung einer persönlichen Anrede, was die betrügerischen Nachrichten von herkömmlichem Massen-Spam abhebt.
Zeitgleich warnt die Bundesnetzagentur vor automatisierten Anrufen mit Bandansagen, die fälschlicherweise behaupten, eine Zahlung sei ausgelöst worden, um die Angerufenen zu unüberlegten Handlungen zu bewegen.
Auch auf Messenger-Plattformen nehmen die Angriffe zu. Der Verbraucherrat berichtet von betrügerischen WhatsApp-Nachrichten, die zur Teilnahme an einem angeblichen Voting für Spotify oder Google aufrufen.
Die verlinkten Phishing-Seiten sind technisch so präpariert, dass sie Live-Meldungen simulieren, während der angezeigte Stimmenstand von 312 von 450 Stimmen statisch im Programmcode hinterlegt ist. Ziel ist der Diebstahl von Zugangsdaten für Instagram-Konten oder E-Mail-Postfächer.
Gezielte Angriffe auf Verwaltungen und Medien
Neben Privatpersonen geraten auch öffentliche Institutionen und Berufsfelder in das Visier von Cyberkriminellen. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) warnt vor sogenannten Fake-Captchas.
Bei dieser als „TerminalFix“ oder „ClickFix“ bekannten Methode werden Nutzer dazu verleitet, Tastenkombinationen für das Windows-Terminal oder die PowerShell auszuführen. Ein solcher Angriff führte laut Berichten vom September 2026 bereits zu einer Infektion der IT-Systeme der Berliner Senatsverwaltungen für Bauen und Verkehr.
Hinter dem Angriff auf die Berliner Verwaltung soll die Gruppierung Rhysida stehen. Die Täter fordern eine Lösegeldzahlung von 30 Bitcoin, was einem Gegenwert von etwa 2 Millionen Euro entspricht. Berichten zufolge wurden bereits 1,44 Millionen Dateien veröffentlicht.
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In der Medienbranche nutzen Betrüger zudem die bevorstehende Frankfurter Buchmesse aus. Die ARD warnt vor gefälschten Presseanfragen. Kriminelle geben sich als Kulturredakteure des Senders aus und laden zu Interviews ein.
Im Nachgang fordern sie für ein angebliches „Medienpaket“ Beträge zwischen 200 und 500 Euro. Der MDR bestätigte zudem den Missbrauch der Identität einer Literaturredakteurin in mindestens zehn bekannten Fällen und erstattete Anzeige.
Technologische Aufrüstung bei Phishing-Kampagnen
Analysen von Microsoft zeigen die technische Dimension der Bedrohung. Zwischen Februar und Mai 2026 deckte das Unternehmen eine Kampagne auf, die an Spitzentagen über 2 Millionen E-Mails versendete.
Die Täter nutzten dabei „ASCII-Smuggling“ – den Einsatz unsichtbarer Unicode-Zeichen –, um Schlagwörter aus dem Finanzbereich vor Sicherheitsfiltern zu verbergen. Insgesamt wurden 150 Absenderdomains identifiziert, die sich als Kreditangebote tarnten. Microsoft gab an, dass der hauseigene Schutzdienst über 99 Prozent dieser Nachrichten abfangen konnte.
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Klassische Betrugsmaschen am Telefon halten an
Trotz der technologischen Entwicklung bleiben herkömmliche Betrugsformen am Telefon präsent. Die Polizei in Regionen wie Nienburg, Landstuhl und dem Kreis Soest warnt fortlaufend vor falschen Polizeibeamten und Schockanrufen.
Ein Vorfall in Gauangelloch verdeutlicht die Gefahr: Am 27. August 2026 erbeuteten Täter, die sich als Ermittler gegen eine Einbrecherbande ausgaben, einen fünfstelligen Bargeldbetrag von einem 87-jährigen Mann. Erst bei einer erneuten Kontaktaufnahme schöpfte der Betroffene Verdacht.
International melden Behörden ähnliche Muster. Die Polizeidirektion Montenegro warnt vor Spam-Mails mit gefälschten Europol-Logos, in denen unter Angabe einer Registrierungsnummer Erklärungen zu erfundenen Strafverfahren gefordert werden. Auch in Frankreich warnt die Caisse des Dépôts vor vermeintlichen Beratern, die unter Bezugnahme auf ein Gesetz von 2014 Rückzahlungen alter Anlagen versprechen, um Vorabgebühren zu erschleichen.
