Beruflicher, Dauerstress

Beruflicher Dauerstress: 33 Prozent der Führungskräfte denken ans Aufhören

Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 21:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine Befragung zeigt hohe Belastungen bei Führungskräften; Fachleute verweisen auf Folgen für Partnerschaften und biologische Alterungsprozesse.
Ein minimalistisches, leeres Wohnzimmer in der Abenddämmerung, das eine Atmosphäre von Stille und emotionaler Distanz vermittelt. Illustration mit AI erstellt.

Hohe berufliche Anforderungen und die Erwartung permanenter Erreichbarkeit belasten zunehmend das Privatleben von Berufstätigen. Berichte zeigen, dass beruflicher Druck und Erschöpfung nicht am Arbeitsplatz enden, sondern Beziehungsdynamiken nachhaltig verändern und gesundheitliche Folgewirkungen für Leistungsträger nach sich ziehen können.

Druck auf Paare und familiäre Strukturen

Berufliche Erschöpfung überträgt sich häufig direkt in den häuslichen Alltag. Während der belastete Partner sich oft emotional zurückzieht oder gereizt reagiert, empfindet der andere Partner nicht selten Gefühle von Einsamkeit und Verärgerung.

Kurzfristige Phasen hoher Belastung, etwa durch einen Positionswechsel oder zeitlich begrenzte Projekte, lassen sich bei klarer Absprache meist bewältigen. Zum ernsten Problem wird die Situation, wenn Ausnahmezustände zur dauerhaften Routine werden.

Insbesondere bei Paaren, bei denen beide Partner Vollzeit arbeiten, entstehen zusätzliche Reibungspunkte. Der Anteil solcher Partnerschaften wächst in westlichen Ländern laut Erhebungen der Harvard Business Review.

Untersuchungen im Journal of Marriage and Family weisen zudem darauf hin, dass eine ungleiche Verteilung von Aufgaben im Haushalt zu den häufigsten Streitpunkten bei Vollzeit-Paaren zählt.

Bestimmte Berufsfelder mit Schichtdiensten, unregelmäßigen Arbeitszeiten oder hoher Bereitschaft – darunter das Gesundheitswesen, Journalismus, Sicherheitsdienste, Gastgewerbe sowie Luftfahrt und Schifffahrt – stellen das Familienleben vor besondere Herausforderungen.

Risiken für Führungskräfte und biologische Folgen

Die gesundheitlichen Belastungen im Berufsalltag spiegeln sich in konkreten Daten wider. Im HanseMerkur Longevity Leadership Report, für den das Institut Ipsos zwischen dem 13. und 24. August 2026 insgesamt 500 Führungskräfte in Deutschland befragte, gaben 33 Prozent der Befragten an, bereits über die Aufgabe ihrer Leitungsposition nachgedacht zu haben.

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Als größte Belastungsfaktoren nannten 42 Prozent Personalmangel, 33 Prozent ständige Erreichbarkeit und 30 Prozent das hohe Arbeitsaufkommen. Zudem räumten 53 Prozent ein, regelmäßig trotz Beschwerden zu arbeiten, während 48 Prozent gesundheitliche Nachteile für die Karriere in Kauf nahmen.

Schlafdefizite betrafen 49 Prozent der Befragten, wobei der Anteil bei den unter 50-Jährigen mit 52 Prozent höher lag als bei älteren Führungskräften mit 37 Prozent.

Dauerstress hinterlässt auch auf zellulärer Ebene Spuren. Ein Forschungsmodell der Universität zu Köln und der ungarischen Semmelweis-Universität im Fachjournal GeroScience weist darauf hin, dass chronischer Stress biologische Alterungsprozesse beschleunigen kann.

Verantwortlich hierfür seien Mechanismen wie eine veränderte Stresshormonregulation, Entzündungen, oxidativer Stress, DNA-Methylierung sowie Telomerverkürzungen. Fehlende Handlungsspielräume und mangelnde soziale Unterstützung am Arbeitsplatz begünstigen diese chronischen Belastungen.

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Strategien zur Entlastung

Fachleute weisen darauf hin, dass beruflicher Erfolg nicht automatisch mit emotionaler Kompetenz in einer Beziehung einhergeht. Häufig scheitere die Verständigung daran, dass auf emotionale Botschaften lediglich mit pragmatischen Lösungsvorschlägen reagiert werde.

Psychotherapeutische Experten empfehlen daher klare Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben, wie etwa das rechtzeitige Abschalten dienstlicher Telefone, sowie feste Übergangsrituale nach Dienstschluss. Auch regelmäßige gemeinsame Zeiträume ohne elektronische Geräte und eine flexible Aufteilung der Aufgaben können dazu beitragen, den negativen Folgen beruflicher Überlastung entgegenzuwirken.

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