Bestattungskosten ohne Erbschein: Wann Banken direkt vom Konto zahlen
Veröffentlicht am: 11.10.2026 um 21:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Eintritt von Pflegebedürftigkeit und der spätere Todesfall stellen Familien nicht nur vor emotionale, sondern auch vor komplexe finanzielle und bürokratische Aufgaben.
Aktuelle Ratgeber thematisieren vor diesem Hintergrund die geltenden Schonvermögensgrenzen bei einer Heimunterbringung sowie die praktische Handhabung von Bestattungskosten, bevor ein Erbschein erteilt wurde. Die rechtlichen Vorgaben bestimmen genau, welches Vermögen geschützt bleibt und wie Banken nach dem Ableben verfahren.
Schonvermögensgrenzen und Freibeträge bei Heimunterbringung
Reichen die eigenen Renten- und Pflegeversicherungsleistungen für einen Heimplatz nicht aus, greift grundsätzlich die Sozialhilfe mit der sogenannten Hilfe zur Pflege nach dem Zwölften Buch Sozialgesetzbuch (SGB XII). Diese Leistung ist gesetzlich nachrangig geregelt: Betroffene müssen zunächst ihr eigenes Einkommen und verwertbares Vermögen einsetzen, bevor öffentliche Mittel bewilligt werden.
Bestimmte Beträge bleiben jedoch durch gesetzliche Freibeträge unangetastet. Nach Paragraf 90 SGB XII liegt die Grenze für das Schonvermögen im Jahr 2026 für Alleinstehende bei 10.000 Euro. Ehepaare verfügen gemeinsam über einen Freibetrag von 20.000 Euro, was rechnerisch 10.000 Euro pro Partner entspricht.
Für jede Person, die überwiegend unterhalten wird, erhöht sich dieser Betrag um weitere 500 Euro. Zudem steht Heimbewohnern ein monatlicher persönlicher Barbetrag, das sogenannte Taschengeld, in Höhe von 152,01 Euro zur Verfügung.
Immobilien und frühere Schenkungen
Ein selbstgenutztes Hausgrundstück von angemessener Größe ist nach Paragraf 90 Absatz 2 Nummer 8 SGB XII geschützt. Als Richtwert für eine angemessene Wohnfläche gelten beispielsweise 120 Quadratmeter bei einem Vier-Personen-Haushalt. Zieht eine pflegebedürftige Person dauerhaft in ein Heim um, entfällt dieser Schutz in der Regel dann, wenn kein Ehe- oder Lebenspartner mehr in der Immobilie verbleibt.
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Das Sozialamt tritt in solchen Konstellationen nicht selbst als Verkäufer auf, kann jedoch die Verwertung oder Beleihung des Objekts fordern. Nach Paragraf 91 SGB XII besteht hierbei die Option, Sozialhilfeleistungen als Darlehen zu gewähren, welches über eine Grundschuld abgesichert wird.
Wurde Wohneigentum zuvor an Angehörige übertragen, greift bei einer späteren Verarmung die gesetzliche Rückforderung nach Paragraf 528 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB). Hierbei ist eine Zehnjahresfrist maßgeblich. Sind Nießbrauch oder ein Wohnrecht vereinbart, kann diese Frist bereits mit dem Vollzug der Eigentumsübertragung zu laufen beginnen.
Nachlassabwicklung und Bestattungskosten vor Erteilung des Erbscheins
Mit dem Versterben fällt das bestehende Kontoguthaben nach Paragraf 1922 BGB unmittelbar in den Nachlass. Für bestehende Nachlassverbindlichkeiten haften nach Paragraf 1967 BGB die Erben. Gesetzlich ist in Paragraf 1968 BGB geregelt, dass der Erbe auch die Kosten der Beerdigung zu tragen hat.
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Häufig liegt kurz nach dem Todesfall jedoch noch kein Erbschein vor. Eine vorgelegte Sterbeurkunde und die Bestattungsrechnung allein weisen gegenüber Kreditinstituten die Verfügungsbefugnis nicht formal nach, weshalb Banken entsprechende Zahlungsvorgänge prüfen dürfen.
In der Praxis überweisen viele Institute einen nachvollziehbaren Rechnungsbetrag direkt vom Erblasserkonto an das Bestattungsunternehmen, sofern eine ausreichende Kontodeckung vorhanden ist.
Hinterlässt der Erblasser mehrere Erben, verlangen die Banken für solche Anweisungen in der Regel eine gemeinsame Weisung beziehungsweise Zustimmung der Erbengemeinschaft. Angehörige müssen dabei beachten, dass die Frist für eine mögliche Erbausschlagung im Regelfall sechs Wochen beträgt.

