Betelnuss: ArchÀologen finden 25.000 Jahre alten Drogenkonsum
Veröffentlicht am: 15.09.2026 um 03:42 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Konsum von BetelnĂŒssen blickt auf eine weitaus lĂ€ngere Geschichte zurĂŒck als bisher in der Wissenschaft angenommen. Eine Untersuchung in der Fachzeitschrift Science Advances belegt, dass Menschen auf der indonesischen Insel Sulawesi bereits vor bis zu 25.000 Jahren ArekanĂŒsse konsumierten. Bislang ging die Forschung davon aus, dass sich dieser Brauch erst vor rund 3.500 Jahren im Neolithikum beziehungsweise in der Bronzezeit etablierte.
Die neuen Analysen eines Forschungsteams der Griffith University unter der Leitung von Adam Brumm vom Forschungszentrum ARCHE in Zusammenarbeit mit der University of Hasanuddin und der indonesischen Forschungsagentur BRIN verschieben diesen Zeithorizont nun um mehr als 20.000 Jahre in die Vergangenheit.
Funde an prÀhistorischen ZÀhnen auf Sulawesi
Die archĂ€ologischen Belege stammen von zwei Steinzeit-Skeletten prĂ€historischer JĂ€ger und Sammler, die auf Sulawesi entdeckt wurden. Eines der Skelette, das den Ăberresten eines 40 bis 50 Jahre alten Mannes zugeordnet wurde, weist ein Alter von 25.000 bis 16.000 Jahren auf. Das zweite untersuchte Skelett wird auf ein Alter von 7.600 bis 6.300 Jahren datiert. An den ZĂ€hnen beider Individuen fielen den Forschenden tiefe Zahnfurchen und Rillen auf.
Bei laboranalytischen Untersuchungen der Zahnsubstanz konnte das Alkaloid Arecolin nachgewiesen werden. Dieser chemische Befund liefert den konkreten Nachweis fĂŒr den Konsum der Arekanuss.
Fachleute werten die Spuren an den ZĂ€hnen dieser prĂ€historischen JĂ€ger und Sammler aus Sulawesi als den Ă€ltesten bekannten Beweis fĂŒr einen habituellen Drogenkonsum in der Menschheitsgeschichte. Bislang galt ein Fund aus Thailand, der auf etwa 3.500 Jahre datiert wurde, als der frĂŒheste archĂ€ologische Beleg fĂŒr diese Praxis.
Konsumform und Freisetzung von Wirkstoffen
Die neue Studie in Science Advances zeigt: Menschen auf Sulawesi lutschten bereits vor bis zu 25.000 Jahren ganze BetelnĂŒsse â und setzten dabei Arecolin in wirksamer Menge frei, ganz ohne Zugabe von Kalk. Die Internationale Agentur fĂŒr Krebsforschung stuft die Arekanuss heute als krebserregend ein. Unser kostenloser Guide ordnet ein, was das fĂŒr den Konsum bedeutet und wo die Nuss im Spektrum psychoaktiver Substanzen steht. Kostenlosen AufklĂ€rungsguide zu Betelnuss-Risiken anfordern
Die charakteristischen tiefen Rillen im Gebiss der untersuchten Skelette geben zugleich Aufschluss ĂŒber die damalige Konsumweise. Den Forschenden zufolge rĂŒhren die Abnutzungen vom Lutschen und Saugen ganzer BetelnĂŒsse her.
In modernen Konsumpraktiken wird die Nuss hĂ€ufig zerkleinert und traditionell in Kombination mit gelöschtem Kalk eingenommen, um die Aufnahme der Alkaloide zu verstĂ€rken. Die Untersuchungen verdeutlichen jedoch, dass bereits das bloĂe Lutschen ganzer BetelnĂŒsse auch ohne die Zugabe von Kalk Arecolin in einer wirksamen Menge freisetzt.
Verbreitung und gesundheitliche Einordnung
Die Arekanuss nimmt im Spektrum psychoaktiver Substanzen eine bedeutende Rolle ein. Teamleiter Adam Brumm von der Griffith University verweist darauf, dass die Betelnuss weltweit die vierthÀufigste psychoaktive Substanz nach Alkohol, Koffein und Nikotin darstellt. Die stimulierende Wirkung wird seit Jahrtausenden von Gemeinschaften im asiatisch-pazifischen Raum genutzt.
Alkohol, Koffein, Nikotin â und dann die Betelnuss: Sie ist laut Forschungsteam die vierthĂ€ufigste psychoaktive Substanz weltweit, doch ĂŒber ihr Risikoprofil ist wenig bekannt. Der neue Befund aus Sulawesi verschiebt den Beginn des Konsums um mehr als 20.000 Jahre nach hinten und macht deutlich, wie lange dieser Stoff genutzt wird, ohne dass die gesundheitlichen Folgen breit bekannt sind. Unsere Checkliste krebserregender Substanzen schlieĂt diese LĂŒcke. Checkliste krebserregende Substanzen jetzt anfordern
Gleichzeitig heben wissenschaftliche Institutionen die gravierenden gesundheitlichen Risiken hervor. Die Internationale Agentur fĂŒr Krebsforschung stuft die Arekanuss offiziell als krebserregend ein.
Die prĂ€historischen Funde zeigen damit nicht nur die erstaunliche historische Tiefe menschlicher Rauschmittelnutzung, sondern rĂŒcken zugleich einen Stoff in den Fokus, dessen gesundheitsschĂ€dliche Eigenschaften bis in die Gegenwart von hoher Relevanz sind.
