Betrugswelle, Falsche

Betrugswelle: Falsche Polizisten und Smishing treffen Senioren

27.05.2026 - 10:22:25 | boerse-global.de

Aktuelle FĂ€lle zeigen eine Zunahme von Betrugsmaschen an HaustĂŒren und via Smartphone. Die Polizei warnt vor falschen Amtspersonen und manipulierten SMS.

Betrugswelle: Falsche Polizisten und Smishing treffen Senioren - Bild: ĂŒber boerse-global.de
Betrugswelle: Falsche Polizisten und Smishing treffen Senioren - Bild: ĂŒber boerse-global.de

In mehreren BundeslĂ€ndern dokumentierten Polizeibehörden zuletzt eine HĂ€ufung von Betrugsversuchen – mit teils dreisten Methoden.

Konfrontation an der HaustĂŒr

In Mainz-Finthen eskalierte ein versuchter Betrug am spĂ€ten Nachmittag des 26. Mai. Zwei falsche Spendensammler sprachen einen 67-jĂ€hrigen Anwohner in der Gonsenheimer Straße an. Sie trugen eigenmĂ€chtig einen hohen Betrag in ein Formular ein – als der Senior den Betrug bemerkte und Widerstand leistete, kam es zum Gerangel. Die TĂ€ter flohen ohne Beute.

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Die Kriminalpolizei fahndet nach zwei MĂ€nnern. Einer wird als 30 bis 35 Jahre alt, 1,80 Meter groß und schlank mit sĂŒdlĂ€ndischem Erscheinungsbild beschrieben. Er trug ein schwarzes T-Shirt und eine beige Hose. Sein Begleiter ist krĂ€ftig, trug ebenfalls ein schwarzes T-Shirt und hat einen Vollbart.

Ähnliche Muster zeigten sich im Kreis Steinfurt. In Greven entwendete ein Paar einer 86-jĂ€hrigen Frau unter dem Vorwand eines Geschenks eine goldene Halskette. Nur drei Tage zuvor war eine 79-JĂ€hrige in Rheine-Dutum Opfer einer vergleichbaren Masche geworden.

Digitale Einfallstore: Smishing und Fernzugriff

Parallel zu den HaustĂŒr-Maschen professionalisieren sich die TĂ€ter im digitalen Bereich. In Hamm wurde eine 66-JĂ€hrige am 22. Mai Opfer einer Smishing-Attacke. Eine manipulierte SMS verleitete sie dazu, Überweisungen per photoTAN zu bestĂ€tigen. Der Schaden liegt im mittleren fĂŒnfstelligen Bereich.

Noch perfider ging ein TĂ€ter in Malmsheim vor. Er gab sich am 25. Mai als Mitarbeiter einer Sperrhotline aus und erlangte so Fernzugriff auf den Computer und das Online-Banking eines 67-JĂ€hrigen. Mindestens zehn unberechtigte Überweisungen folgten. Die echte Sperrhotline ist ausschließlich unter 116 116 erreichbar – und fordert niemals von sich aus Fernzugriffe an.

In Wiesbaden-Nordost erbeutete ein falscher Bankmitarbeiter am 23. Mai bei einer 91-JĂ€hrigen 800 Euro Bargeld und ihre EC-Karte. Der TĂ€ter, der sich als „Petro“ vorstellte, behauptete, das Bargeld auf Falschgeld prĂŒfen zu mĂŒssen.

Psychologischer Druck durch falsche Amtspersonen

Ein zentrales Element fast aller FĂ€lle: Die TĂ€ter erzeugen massiven psychologischen Druck. Besonders verbreitet ist die Masche der „falschen Polizeibeamten“. In MĂŒnster ĂŒbergab eine 85-JĂ€hrige am 21. Mai Bargeld und Schmuck an einen angeblichen Polizisten. Er hatte ihr vorgegaukelt, ihre WertgegenstĂ€nde vor EinbrĂŒchen schĂŒtzen zu mĂŒssen.

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Aus Karlsruhe wurde ein Fall gemeldet, bei dem eine 93-JÀhrige nach einem Schockanruf 10.000 Euro verlor. Die TÀter suggerierten ihr, eine Angehörige habe einen schweren Unfall verursacht.

Zivilcourage – und ein Fall mit langer Vorgeschichte

Am 26. Mai ehrte PolizeiprĂ€sident Reiner Hamm in Mainz einen 45-jĂ€hrigen Mann fĂŒr seine Zivilcourage. Der Zeuge hatte im Februar in einem GetrĂ€nkemarkt einen 86-jĂ€hrigen Senior beobachtet, der eine Paysafe-Karte kaufen wollte. Der Rentner stand via WhatsApp mit vermeintlichen Interpol-Ermittlern in Kontakt.

Obwohl der Zeuge rechtzeitig die Polizei alarmierte, hatte das Opfer zu diesem Zeitpunkt bereits zwischen 40.000 und 50.000 Euro verloren. Die TĂ€ter hatten den Senior ĂŒber mehr als ein Jahr getĂ€uscht – teils gaben sie sich auch als Europol-Beamte aus.

PrÀvention: Beratung und Wachsamkeit

Angesichts der anhaltenden Welle verstÀrken Behörden ihre Beratungsangebote. Das PolizeiprÀsidium Freiburg meldete eine HÀufung von Anrufen falscher Polizeibeamter im Landkreis Lörrach und in Rheinfelden. Die Polizei rÀt: Sofort auflegen und die 110 wÀhlen.

In Wiesbaden bietet der Seniorenbeirat am 1. Juni eine Telefonsprechstunde an. Von 09:30 bis 12:00 Uhr können sich BĂŒrger unter 0611/31-2591 bei der Sicherheitsberaterin Marion Beste informieren.

Ausblick: Die Welle reißt nicht ab

Experten erwarten, dass die Betrugsversuche in den kommenden Wochen hoch bleiben. Besonders die Nutzung von Messengerdiensten zur Anbahnung von Straftaten stellt die Ermittler vor Herausforderungen. Die Polizei setzt verstĂ€rkt auf Kooperation mit GeschĂ€ften und Banken, um verdĂ€chtige Transaktionen frĂŒhzeitig zu erkennen.

Die Behörden appellieren an die Bevölkerung: Bei verdĂ€chtigen Anrufen oder Begegnungen sofort die Polizei verstĂ€ndigen – und im persönlichen Umfeld ĂŒber die Gefahren aufklĂ€ren.

de | wissenschaft | 69424459 |