BetterCare-Studie: Gestufte Hilfen verbessern PTBS-Symptome junger Geflüchteter
Veröffentlicht am: 02.11.2026 um 03:00 Uhr | Redaktion boerse-global.deUnbegleitete junge Geflüchtete sind in hohem Maße durch Gewalt, Flucht und existentielle Unsicherheit belastet. Die an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt durchgeführte BetterCare-Studie liefert nun empirische Belege dafür, wie ein mehrstufiges Versorgungsmodell die psychische Gesundheit dieser Zielgruppe gezielt stärken kann.
Das Projekt, das im Zeitraum von 2019 bis 2025 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wurde, untersuchte die Wirksamkeit strukturierter Diagnostik und gestufter Hilfen im Vergleich zur herkömmlichen Regelversorgung. Die Resultate der wissenschaftlichen Untersuchung erschienen im Fachjournal The Lancet Global Health in Band 14, Ausgabe 6 (2026).
Hohe Belastung durch traumatische Erlebnisse
Für die BetterCare-Studie wurden Daten von 627 unbegleiteten jungen Geflüchteten aus 58 Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe in sieben Bundesländern erhoben. Die Teilnehmenden waren im Durchschnitt 16 bis 17 Jahre alt und stammten aus 40 unterschiedlichen Herkunftsländern. Die Ausgangserhebungen spiegeln ein enormes Ausmaß an Belastung wider: Die Jugendlichen berichteten im Mittel von sechs potenziell traumatischen Erlebnissen.
Die standardisierte Diagnostik verdeutlichte gravierende psychische Folgen dieser Erfahrungen. Demnach wiesen 43 Prozent der Teilnehmenden klinisch auffällige Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung auf. Zudem zeigten 41 Prozent auffällige Depressionssymptome und 24 Prozent litten unter ausgeprägten Angstsymptomen.
Gestufter Versorgungsansatz verbessert psychische Symptomatik
Um dem unterschiedlichen Bedarf gerecht zu werden, implementierte die BetterCare-Studie ein gestuftes Vorgehen. Nach einem vorgeschalteten Screening folgte bei milden oder moderaten Beschwerden das Gruppenprogramm „Mein Weg“. Für Jugendliche mit klinisch auffälligen Belastungssymptomen war hingegen eine traumafokussierte Kognitive Verhaltenstherapie vorgesehen.
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Im Rahmen der Nachbeobachtung zeigte sich ein deutlicher Vorteil gegenüber den Standardangeboten der Jugendhilfe. Nach 12 Monaten verzeichnete die Gruppe im BetterCare-Modell eine signifikant stärkere Verbesserung der Symptome von posttraumatischen Belastungsstörungen als jene in der Regelversorgung. Zugleich reduzierten sich bei den untersuchten Jugendlichen auch die Symptome von Depression und Angst spürbar.
Evidenz zur Wirksamkeit traumafokussierter Methoden
Die positiven Effekte kognitiv-verhaltenstherapeutischer Methoden decken sich mit Erkenntnissen der internationalen Traumaforschung. Eine im Fachjournal Psychotherapy and Psychosomatics veröffentlichte Netzwerk-Metaanalyse der Zang-Gruppe an der Universität Peking wertete dazu 48 randomisierte kontrollierte Studien mit 6.017 Kindern und Jugendlichen aus.
Die Forscher kamen zu dem Schluss, dass Psychotherapie die Symptome von posttraumatischer Belastungsstörung, Depression und Angst bei komplexer Traumatisierung signifikant senkt. Speziell traumafokussierte Kognitive Verhaltenstherapie, stufenweise Ansätze, EMDR und Formen mit Elternbeteiligung erzielten signifikante Rückgänge der Belastungssymptome.
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Allerdings zeigte die Metaanalyse der Universität Peking keinen klaren Zusatznutzen eines stufenweisen Modells gegenüber einer direkten traumafokussierten Therapie. Bei der Betrachtung der Einzelkomponenten erwies sich die therapeutische Konfrontation mit dem Trauma, die sogenannte Exposition, als die einzige Einzelkomponente mit einer signifikanten Verbesserung der Belastungssymptome.
Zudem erwiesen sich die Emotionsregulation in Verbindung mit einer gemeinsamen therapeutischen Basis sowie bei depressiven Symptomen die Kombination aus Exposition und Elternbeteiligung als besonders vorteilhaft. Die Ergebnisse verdeutlichen insgesamt das Potenzial frühzeitiger, zielgerichteter Interventionskonzepte in der Jugendhilfe.
