Bewegungspausen, WHO

Bewegungspausen: WHO rÀt, langes Sitzen alle 30 bis 60 Minuten zu unterbrechen

Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 10:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Studien verbinden ausgedehnte Sitzzeiten mit höherer Gewichtszunahme; kurze Bewegungspausen können gesundheitliche Risiken mindern.
Ein leerer, höhenverstellbarer Stehschreibtisch in einem hellen, modern eingerichteten BĂŒro mit Tageslichteinfall. Illustration mit AI erstellt.

Wer sich in der Freizeit intensiv sportlich betĂ€tigt, wiegt sich oft in falscher Sicherheit: Nach EinschĂ€tzung von Medizinern gleicht selbst tĂ€gliches Training die gesundheitlichen Folgen von stundenlangem Sitzen nicht vollstĂ€ndig aus. Fachleute betonen daher die Notwendigkeit regelmĂ€ĂŸiger Bewegungspausen im Alltag, um stoffwechselbedingte Risiken wirksam zu senken.

Stoffwechselprobleme trotz Trainingseinheiten

Der Internist Dr. Niraj Kumar bezeichnet langes Sitzen als einen unterschĂ€tzten Faktor fĂŒr die Stoffwechselgesundheit. Die Muskulatur nutze Glukose als primĂ€re Energiequelle. Wenn die körperliche Bewegung ĂŒber viele Stunden hinweg drastisch reduziert sei, könne sich eine Insulinresistenz entwickeln.

Der Gastroenterologe Chien Cheng-hung vom Chang-Gung-Spital Keelung beschreibt dieses PhÀnomen als sogenannte Sport-Couchpotatos: Personen, die zwar ihr empfohlenes Sportpensum pro Woche absolvieren, ansonsten jedoch dauerhaft sitzen, könnten dennoch an Gewicht zulegen und eine Fettleber ausbilden.

Der Grund liege darin, dass beim Sitzen die großen Muskelpartien an Beinen und GesĂ€ĂŸ kaum beansprucht werden. Dies beeintrĂ€chtige die Glukoseverwertung sowie den Fettstoffwechsel nachhaltig.

Studienergebnisse belegen Risiken der InaktivitÀt

Eine Untersuchung der UniversitĂ€t Helsinki, die zwischen 2017 und 2022 an 2.606 stĂ€dtischen Angestellten im Alter von 19 bis 39 Jahren durchgefĂŒhrt wurde, untermauert diese Mechanismen.

Über einen Zeitraum von fĂŒnf Jahren nahmen 24,2 Prozent der Frauen und 11,6 Prozent der MĂ€nner mindestens 10 Prozent an Gewicht zu, was bei einem Ausgangsgewicht von 60 Kilogramm einem Anstieg auf ĂŒber 66 Kilogramm entspricht.

Die Auswertung nach Bewegungsniveau und Sitzzeit außerhalb der Arbeitszeit an Werktagen – wobei langes Sitzen als mehr als drei Stunden definiert war – zeigte deutliche Unterschiede bei einer Gewichtszunahme von ĂŒber 10 Prozent:
- Viel Bewegung und wenig Sitzen: 14,9 Prozent
- Viel Bewegung und viel Sitzen: 19,4 Prozent
- Wenig Bewegung und wenig Sitzen: 21,2 Prozent
- Wenig Bewegung und viel Sitzen: 24,4 Prozent

Nach Bereinigung um Faktoren wie Alter, Geschlecht, Ausgangs-BMI, Bildung, Schlaf sowie Rauch- und Trinkgewohnheiten wies die Gruppe mit wenig Bewegung und viel Sitzzeit eine rund 1,6-mal höhere Wahrscheinlichkeit fĂŒr eine entsprechende Gewichtszunahme auf als die aktivste Vergleichsgruppe.

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Folgen fĂŒr Herz, GefĂ€ĂŸe und Krebsrisiko

Gevin Bradley, Direktor der Organisation Active Working, verweist darauf, dass sich der Stoffwechsel bereits nach 30 Minuten ununterbrochenen Sitzens um bis zu 90 Prozent verlangsamen kann. Nach zwei Stunden könne zudem der HDL-Cholesterinspiegel absinken.

Eine im European Heart Journal im Jahr 2023 veröffentlichte Untersuchung mit ĂŒber 15.000 Teilnehmenden aus sechs Studien ergab eine durchschnittliche tĂ€gliche Sitzdauer von 10,4 Stunden. WĂŒrden tĂ€glich 30 Minuten dieser Sitzzeit durch AktivitĂ€t ersetzt, könnte der BMI rechnerisch um rund 0,63 Punkte sinken.

Forschungsergebnisse eines großen Krebszentrums legen zudem dar, dass der Ersatz von 30 Minuten Sitzen durch Bewegung mit einem um 31 Prozent verringerten Risiko fĂŒr Krebstod einhergeht. Bereits rund 30 Minuten Sitzen am StĂŒck können mit einem erhöhten Krebsrisiko verbunden sein. Harvard-Forscher vermuten die MuskelaktivitĂ€t als zentralen Schutzmechanismus.

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Empfehlungen fĂŒr den Arbeitsalltag

BĂŒroangestellte verbringen heute etwa 10 Stunden tĂ€glich im Sitzen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt Erwachsenen generell 150 bis 300 Minuten moderate oder 75 bis 150 Minuten hochintensive AktivitĂ€t pro Woche sowie muskelkrĂ€ftigende Übungen an mindestens zwei Tagen. Im Jahr 2022 erreichten weltweit etwa 31 Prozent der Erwachsenen – rund 1,8 Milliarden Menschen – dieses Niveau nicht.

Zur Reduktion von Sitzrisiken rĂ€t die WHO, die Sitzzeit alle 30 bis 60 Minuten zu unterbrechen. Chien Cheng-hung empfiehlt konkreter, alle 20 bis 30 Minuten fĂŒr zwei bis fĂŒnf Minuten aufzustehen oder im Sitzen zumindest die Fersen zu heben.

Die Kardiologin Dr. Anca TĂąu rĂ€t zudem zu Treppensteigen, kurzen SpaziergĂ€ngen in der Mittagspause und einer ausgewogenen ErnĂ€hrung. Gleichzeitig betont sie, dass betriebliche Rahmenbedingungen und Arbeitsorganisation fĂŒr eine erfolgreiche PrĂ€vention entscheidend seien.

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