Binance verliert 6,3 Milliarden Dollar durch Hackerangriff
Veröffentlicht am: 30.10.2026 um 11:12 Uhr | dpa, AD HOC NEWSMilliardenwerte und Ermittlungen bei Binance
- Binance setzte Ein- und Auszahlungen nach dem Angriff vorübergehend aus.
- Partner froren Digitalwerte im Umfang von rund drei Milliarden Dollar ein.
- TRM Labs ordnet die mutmaßlichen Täter der nordkoreanischen Gruppe TraderTraitor zu.
Binance verliert Milliarden durch Hackerangriff
Die Kryptobörse Binance ist Ziel eines Hackerangriffs mit einer geschätzten Schadenssumme von 6,3 Milliarden Dollar geworden. Das Unternehmen setzte Ein- und Auszahlungen vorübergehend aus, versicherte die Sicherheit der Kundenguthaben und kündigte den vollständigen Ausgleich von Verlusten an.
Stablecoins und Kryptowährungen betroffen
Nach Angaben der Börse und von Analysefirmen wurden neben Bitcoin und Ethereum vor allem Stablecoins wie Tether und USD Coin entwendet. Rund drei Milliarden Dollar an betroffenen Einheiten konnten mit Hilfe von Partnern und Herausgebern eingefroren werden.
Nach Analysen von TRM Labs verfügten die Angreifer weiterhin über Kryptowährungen im Wert von etwa 2,4 Milliarden Dollar. Über die verbleibende Summe lagen zunächst keine Angaben vor.
Mutmaßlicher Zugriff über Ingenieurs-Laptop
Erste interne Untersuchungen von Binance deuten auf einen kompromittierten Laptop eines Ingenieurs aus der Entwicklungsabteilung hin. Von dort könnten die Angreifer Zugriff auf einen Service-Rechner erlangt und unautorisierte Auszahlungstransaktionen ausgelöst haben.
Binance erklärte, es gebe bislang keine Hinweise auf ein Leck bei privaten Wallet-Schlüsseln. Untersucht werde vielmehr, wie die Signierinfrastruktur manipuliert werden konnte; technische Einzelheiten sollen nach Abschluss der forensischen Analysen veröffentlicht werden.
Nordkoreanische Gruppe im Verdacht
TRM Labs schreibt den Angriff der nordkoreanischen Hackergruppe TraderTraitor zu. Die Angreifer sollen einen Großteil der Summe innerhalb von 20 Minuten bewegt haben, um behördlichen Sperren zuvorzukommen.
Dieselbe Gruppe wurde Anfang 2025 für den Angriff auf die Börse Bybit verantwortlich gemacht, bei dem rund 1,5 Milliarden Dollar erbeutet worden waren. Mit 6,3 Milliarden Dollar wäre der Binance-Angriff der größte Hackerangriff auf eine Kryptobörse.
Kurse fallen nach dem Angriff
Die Nachricht löste deutliche Kursverluste aus. Bitcoin fiel zeitweise unter 77.000 US-Dollar und damit auf den tiefsten Stand seit rund sechs Wochen; auch andere große Digitalwährungen und der Binance-Token BNB gaben nach.
Der Kurssturz führte zudem zu millionenschweren Liquidierungen gehebelter Positionen an den Derivatemärkten. Binance steht zugleich wegen seiner intransparenten Firmenstruktur und fehlender MiCA-Lizenz in Europa in der Kritik.
Changpeng Zhao bleibt zentrale Figur
Binance-Gründer Changpeng Zhao zog sich nach früheren US-Regulierungsskandalen und einem Schuldbekenntnis formal vom operativen Chefposten zurück. Als Haupteigner und prägende Symbolfigur des Unternehmens trat er nach dem Angriff auf der Plattform X auf, um Nutzer zu beruhigen und den Ausgleich der Verluste zu versprechen.
Der Angriff trifft Binance als zentrale Infrastruktur des weltweiten Kryptohandels. Auf großen Börsen werden nicht nur Kundenguthaben verwaltet, sondern auch Stablecoins und andere digitale Vermögenswerte über mehrere Blockchains bewegt. Ein erfolgreicher Zugriff auf interne Signier- oder Auszahlungsprozesse kann deshalb eine weit größere Wirkung entfalten als der Diebstahl einzelner Wallets.
Besonders relevant ist die Geschwindigkeit des Angriffs. Wenn große Beträge innerhalb weniger Minuten über verschiedene Netzwerke verschoben werden, müssen Börsen, Blockchain-Analysefirmen, Strafverfolger und Herausgeber digitaler Währungen parallel reagieren. Das Einfrieren von Stablecoins kann Teile der Beute unbrauchbar machen, ersetzt aber keine vollständige Rückholung. Für Nutzer bedeutet die Zusicherung von Binance, Verluste auszugleichen, zunächst vor allem eine Aussage über die Verantwortung der Plattform; entscheidend bleiben die technische Aufklärung und die tatsächliche Abwicklung.
Folgen für Börsen und Anleger
Der Fall erhöht den Druck auf Kryptobörsen, Entwicklungsgeräte, Service-Systeme und mehrstufige Freigaben abzusichern. Er zeigt zugleich, dass Sicherheitsrisiken nicht nur bei privaten Schlüsseln liegen müssen, sondern auch in der Infrastruktur rund um Transaktionen entstehen können. Die Kursverluste und Liquidierungen verdeutlichen, dass ein Sicherheitsvorfall bei einer großen Handelsplattform unmittelbar auf Marktpreise und gehebelte Positionen ausstrahlen kann.
Für Anleger bleibt die Verwahrung auf einer Börse damit mit einem Infrastruktur- und Gegenparteirisiko verbunden. Die angekündigte technische Analyse dürfte klären müssen, wie der Zugriff gelang, welche Transaktionen autorisiert wirkten und welche Vermögenswerte noch bewegt werden können. Auch die mutmaßliche Zuordnung zu TraderTraitor steht im größeren Zusammenhang wiederholter Angriffe auf Kryptounternehmen, bei denen nordkoreanische Hackergruppen verdächtigt werden.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Euronews: „Kryptobörse Binance meldet großen Hack, lässt über 2,5 Mrd. Dollar einfrieren“ (30.10.2026)
Der Beitrag hebt die zunächst eingefrorenen Vermögenswerte und die Erklärung von Binance hervor, Nutzer seien abgesichert und Verluste würden übernommen. Zusätzlich beschreibt er die vorübergehende Aussetzung von Ein- und Auszahlungen sowie die ersten Kursreaktionen.
BR24: „Kryptobörse Binance: Hackerangriff mit Milliardenschaden“ (30.10.2026)
Der Beitrag ordnet den möglichen Schaden als größten Krypto-Diebstahl ein und stellt die vermutete Beteiligung der Gruppe TraderTraitor heraus. Anders als Euronews legt er einen stärkeren Schwerpunkt auf die mutmaßliche Herkunft der Angreifer und die Rolle des kompromittierten Ingenieurs-Laptops.
Beide Beiträge bestätigen die Größenordnung des Angriffs, die eingefrorenen Vermögenswerte und die vorübergehenden Einschränkungen bei Binance. Offen bleiben die vollständige technische Ursache, die endgültige Schadenssumme und der Verbleib der nicht eingefrorenen Digitalwerte.
