Biomarker bei Entzündungen: Weniger als 40 Prozent werden regelmäßig überwacht
Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 06:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie präzise Steuerung von Therapien bei entzündlichen Erkrankungen hängt zunehmend von verlässlichen Laborwerten ab. Eine in der Fachzeitschrift von Dove Medical Press erschienene Übersichtsarbeit analysiert das Potenzial und die Grenzen inflammatorischer Serum-Biomarker bei eosinophilen Erkrankungen.
Die Autoren betonen, dass gegenwärtig kein einzelner Serum-Biomarker in der Lage ist, die Krankheitsaktivität im Gewebe verlässlich abzubilden. Für eine fundierte klinische Entscheidung seien daher Verlaufsbeobachtungen über die Zeit sowie eine exakte Phänotypisierung der Patienten erforderlich.
Differenzierter Nutzen im klinischen Alltag
Nach den Ergebnissen der Übersichtsarbeit weist die Blut-Eosinophilenzahl den eindeutigsten klinischen Nutzen auf, insbesondere bei der Versorgung von schwerem eosinophilem Asthma sowie bei chronischer Rhinosinusitis mit Nasenpolypen. Andere Parameter liefern vor allem kontextabhängige, unterstützende oder investigative Informationen.
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Dazu zählen Tryptase, antineutrophile zytoplasmatische Antikörper (ANCA), das C-reaktive Protein (CRP), Immunglobulin G4 (IgG4), D-Dimer und Fibrinogen sowie das eosinophile Kationenprotein (ECP) und das von Eosinophilen abgeleitete Neurotoxin (EDN).
Diese Marker gewinnen vor allem bei systemischen Manifestationen sowie bei eosinophilen gastrointestinalen Erkrankungen an Bedeutung, reichen isoliert betrachtet jedoch nicht für eine vollständige Beurteilung der Gewebeaktivität aus.
Gezielte Therapiewahl und ergänzende Diagnostik
Die Identifikation spezifischer Marker gewinnt insbesondere bei der Auswahl moderner Biologika an Relevanz. Zielgerichtete Therapien gegen Interleukin-5 (IL-5), Interleukin-4 und Interleukin-13 (IL-4/IL-13) sowie gegen epitheliale Alarmine ermöglichen eine biomarker-gesteuerte Selektion der infrage kommenden Patienten.
Dass der diagnostische Wert eng an den jeweiligen klinischen Kontext gebunden ist, spiegelt sich auch in der Atemwegsdiagnostik wider. Eine in Fachjournalen aufgearbeitete systematische Übersichtsarbeit aus 30 Studien mit rund 7.100 Erwachsenen, die unter Asthmaverdacht bei normaler Spirometrie standen, untersuchte den Stellenwert des fraktionierten exhalierten Stickstoffmonoxids (FeNO) und der Blut-Eosinophilen.
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Ergänzt durch eine prospektive Validierungskohorte von rund 120 Erwachsenen an einem Zentrum zeigte sich, dass sich FeNO für das Ein- und Ausschließen von Asthma bei Erwachsenen hinreichend gut eignet, der konkrete diagnostische Nutzen jedoch maßgeblich vom Kontext abhängt.
Lücken bei der kontinuierlichen Überwachung
Trotz des diagnostischen Fortschritts bleibt die regelmäßige Anwendung von Biomarkern in der Versorgungspraxis lückenhaft. In einem redaktionellen Beitrag im Rahmen einer Sonderpublikation von MDPI zu pathologischen Biomarkern in der Präzisionsmedizin wird auf eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2026 verwiesen. Dieser zufolge erhalten weniger als 40 Prozent der geeigneten Patienten eine Biomarker-Überwachung in den empfohlenen zeitlichen Intervallen.
Die Autoren der Übersicht zu eosinophilen Erkrankungen heben hervor, dass erst die Kombination aus standardisierten Längsschnittprofilen und klinischer Phänotypisierung das volle Potenzial der Präzisionsmedizin ausschöpfen kann.
