Phytoplankton-Menge in den Ozeanen nimmt ab
17.10.2025 - 20:00:07Die Menge von Phytoplankton - winzigen grĂŒnen Algen - in den Ozeanen geht zurĂŒck. Eine Studie findet fĂŒr den Zeitraum von 2001 bis 2023 in einigen Meeresregionen zwar auch eine Zunahme, doch global betrachtet ist der Trend rĂŒcklĂ€ufig. Das pflanzliche Plankton - dazu zĂ€hlen neben GrĂŒnalgen und Kieselalgen unter anderem auch Cyanobakterien - ist eine Grundlage der Nahrungskette im Meer, wie das Team um Hongwei Fang von der Tsinghua UniversitĂ€t in Peking in der Fachzeitschrift «Science Advances» berichtet.Â
Marines Phytoplankton trage stark zur ProduktivitĂ€t der BiosphĂ€re bei und spiele eine entscheidende Rolle im Kohlenstoffkreislauf der Meere und im Klimasystem der Erde, schreiben die Studienautoren. Doch beim Erfassen des Phytoplanktons gebe es groĂe LĂŒcken. So fehlten in vielen Satellitendaten Farbdaten der Ozeane, etwa wegen Wolkenbedeckung und Sonnenreflexion. Fang und Kollegen ergĂ€nzten die vorhandenen Daten deshalb um Messdaten direkt aus den Meeren und verwendeten auch kĂŒnstliche Intelligenz (KI).
Daraus erstellten sie ein Modell zur Masse des Phytoplanktons mit tĂ€glichen Daten fĂŒr den Zeitraum von 2001 bis 2023 und mit einer hohen rĂ€umlichen Auflösung zwischen den 45. Breitengraden der Nord- und SĂŒdhalbkugel. Das entspricht im Norden etwa der Höhe von Bordeaux, im SĂŒden etwa dem sĂŒdlichen Zipfel von Tasmanien. Nord- und Ostsee liegen jenseits dieses Bereichs, auch das Mittelmeer blieb in der Studie auĂen vor.
AlgenblĂŒten meist in Verbindung mit menschlichen AktivitĂ€ten
Erfasst wurde dabei die Menge an Chlorophyll A, dem wichtigsten Stoff fĂŒr die Photosynthese von Phytoplankton. Die Berechnungen ergaben, dass im Untersuchungszeitraum die Konzentration dieses Stoffes im weltweiten Durchschnitt um 0,00035 Milligramm pro Kubikmeter und Jahr zurĂŒckging. In KĂŒstenbereichen, vor allem an FlussmĂŒndungen, waren es sogar 0,00073 Milligramm - also mehr als doppelt so viel. Die Rate der Ereignisse mit hoher Chlorophyll-A-Konzentration - also AlgenblĂŒten - sank um knapp 1,8 Prozent.
Die Entwicklung war allerdings uneinheitlich. So haben AlgenblĂŒten etwa um die Kanarischen Inseln sowie an der nordbrasilianischen und der nordostaustralischen KĂŒste von 2001 bis 2023 zugenommen. Die Wissenschaftler schreiben jedoch, dass diese AlgenblĂŒten meist mit menschlichen AktivitĂ€ten in Verbindung standen, etwa mit Entwaldung und WaldbrĂ€nden im Amazonasgebiet, die zu verstĂ€rktem NĂ€hrstoffeintrag gefĂŒhrt haben.Â
Ursache ist zunehmende WĂ€rme
Anhand verschiedener Meeresregionen machen die Forscher deutlich, dass die Konzentrationen von Chlorophyll A umso niedriger sind, je höher die Wassertemperaturen an den MeeresoberflĂ€chen waren. Vor allem deshalb fĂŒhren sie die festgestellte Entwicklung auf den Klimawandel zurĂŒck. «Diese Trends werden hauptsĂ€chlich durch steigende MeeresoberflĂ€chentemperaturen verursacht, die die Ozeanschichtung verstĂ€rken, den NĂ€hrstoffauftrieb unterdrĂŒcken und das Wachstum des Phytoplanktons begrenzen», schreiben sie.
Denn weil sich die Meere an der OberflÀche schneller erwÀrmen als in tieferen Lagen, bilden sich verstÀrkt starre Schichten, die den Aufstieg von kaltem, nÀhrstoffreichem Wasser be- oder verhindern. Dies beeintrÀchtige die NÀhrstoffversorgung des Phytoplanktons.
Prochlorococcus-Bestand könnte sich bis 2100 halbieren
Die Studienergebnisse passen zu einer Untersuchung, die Anfang September veröffentlicht wurde. Demnach könnte sich der Bestand des wichtigsten Organismus des Phytoplanktons, Prochlorococcus, bis zum Jahr 2100 in tropischen Ozeanen um die HÀlfte verringern.
Wie das Team um François Ribalet von der University of Washington in Seattle im Fachjournal «Nature Microbiology» schrieb, steigt die Vermehrung von Prochlorococcus bis zu einer Wassertemperatur von 28 Grad Celsius an, fĂ€llt bei höheren Temperaturen jedoch steil ab. In tropischen Meeresregionen könnten solche höheren Wassertemperaturen bei mĂ€Ăigem bis hohem TreibhausgasausstoĂ in den kommenden Jahrzehnten immer hĂ€ufiger erreicht werden.


