Blei, Demenz

Blei und Demenz: Experten sorgen sich um langfristige Folgen der Belastung

Veröffentlicht am: 12.10.2026 um 04:34 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die EU-Kommission kann die REACH-Änderung erlassen; Bleischrot für die Flintenjagd wird nach sieben Jahren Übergangszeit verboten.

EU-Parlament ebnet Weg für Bleischrotverbot ab 2033
Ein weitläufiges, verlassenes Hafengelände mit rostigen Industriegebäuden und Containern in der Abenddämmerung. Illustration mit AI erstellt.

Experten äußern zunehmend Sorge vor einem Anstieg von Demenzerkrankungen, die mit einer anhaltenden Belastung durch Blei in Verbindung gebracht werden. Das Schwermetall gilt in der Wissenschaft seit langem als neurotoxisch, doch die langfristigen Risiken für den kognitiven Abbau und die Entwicklung neurodegenerativer Erkrankungen rücken angesichts anhaltender Expositionen wieder verstärkt in den Fokus.

Schwere gesundheitliche und ökonomische Folgen

Die Auswirkungen der Schadstoffbelastung reichen weit über individuelle Krankheitsverläufe hinaus und stellen weltweite Gesundheitssysteme vor enorme Herausforderungen. Nach Feststellungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) verursachte eine Bleibelastung im Jahr 2023 mehr als 3,5 Millionen Todesfälle weltweit.

Neben den gesundheitlichen Schäden belasten die Folgen auch die globale Ökonomie erheblich. Laut einer Studie der Weltbank betragen die wirtschaftlichen Folgekosten der Bleibelastung 6,9 Prozent der gesamten Weltwirtschaftsleistung. Die neurotoxischen Schäden und Folgeerkrankungen stellen damit einen gewichtigen Faktor in den weltweiten volkswirtschaftlichen Verlusten dar.

Industrielle Nutzung und Überschüsse am Rohstoffmarkt

Trotz der bekannten Risiken für die menschliche Gesundheit und der Warnungen vor Demenzerkrankungen ist der industrielle Einsatz des Metalls nach wie vor hoch. Rund 86 Prozent des weltweit verwendeten Bleis fließen in Bleiakkus. In der Europäischen Union existiert für 12-Volt-Autobatterien eine entsprechende Ausnahme, die den Einsatz des Stoffes weiterhin gestattet.

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Auf den internationalen Rohstoffmärkten zeichnet sich derweil ein deutliches Überangebot ab. Die International Lead and Zinc Study Group (ILZSG) erwartet für das Jahr 2026 einen Bleiüberschuss von 109.000 Tonnen. Passend zu diesem Überhang erreichten die Lagerbestände an der London Metal Exchange (LME) im Juli den höchsten Stand seit mindestens 2008.

Gesetzliche Weichenstellungen und Vorgaben in der EU

Um den Eintrag des Schwermetalls in Natur und Nahrungskette einzudämmen, greifen nun politische Regulierungen. Das EU-Parlament erhob am 8. Oktober 2026 keinen Einwand gegen ein weitreichendes Bleischrotverbot, das eine Übergangsfrist von sieben Jahren beinhaltet. Zudem lehnte das Parlament einen Veto-Antrag gegen die REACH-Änderung ab. Dadurch kann die Europäische Kommission die Verordnung in der vorliegenden Fassung erlassen.

Die Neuregelung legt fest, dass ab dem Jahr 2033 nach Ablauf der siebenjährigen Übergangsfrist ein Bleischrotverbot für die gesamte Flintenjagd greift. Kugelgeschosse bleiben von diesem Verbot ausgenommen und dürfen weiter genutzt werden.

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Für Schießstätten sieht der Beschluss differenzierte Regeln vor: Auf Freiluft-Schießständen darf Bleischrot mit einem Durchmesser von 1,9 bis 2,6 Millimetern unter Auflagen weiter verwendet werden. Indoor-Schießstände sind von diesen Ausnahmeregelungen hingegen ausgenommen.

Vor Ort zieht die Umstellung Anpassungsbedarf nach sich. Der Deutsche Jagdverband (DJV) fordert in diesem Kontext finanzielle Unterstützung für den Umbau bestehender Anlagen sowie deutlich schnellere behördliche Genehmigungsverfahren, um die geforderten Schutzstandards fristgerecht umsetzen zu können.

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