Bluetooth, HDT

Bluetooth HDT: Neue Funktion steigert LE-Datenrate auf bis zu 7,5 Mbps

Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 21:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Bluetooth SIG hat HDT in Core 7.0 aufgenommen; neue Funkchips sind nötig, erste Geräte werden frühestens 2027 erwartet.
Nahaufnahme einer modernen Leiterplatte mit komplexen Kupferbahnen und Goldkontakten in industrieller Beleuchtung. Illustration mit AI erstellt.

Die Bluetooth Special Interest Group (SIG) hat am 4. November 2026 die Erweiterung Bluetooth High Data Throughput (HDT) als optionale Funktion in die Spezifikation Bluetooth Core 7.0 aufgenommen. Damit steigt die maximale Bitrate bei Bluetooth Low Energy (LE) von bisher 2 Mbps auf bis zu 7,5 Mbps an, was nahezu einer Vervierfachung der bisherigen Übertragungsgeschwindigkeit entspricht.

Neue Modulationsverfahren und abgestufte Datenraten

Die HDT-Technologie setzt auf einer neu entwickelten Bitübertragungsschicht (PHY) auf, die mit effizienteren und robusteren Modulationsverfahren arbeitet. Nach Angaben der Standardisierungsorganisation verbessern sich dadurch neben der spektralen Effizienz auch die Verbindungszuverlässigkeit sowie die Energieeffizienz der Funkschnittstelle.

Innerhalb der Spezifikation sind fünf Geschwindigkeitsstufen vorgesehen: 2, 3, 4, 6 und 7,5 Mbps. Um eine HDT-Zertifizierung zu erhalten, müssen Geräte Datenraten von bis zu 4 Mbps verpflichtend unterstützen, während die beiden oberen Stufen mit 6 und 7,5 Mbps optional bleiben.

Bei dem Spitzenwert von 7,5 Mbps handelt es sich um das physikalische Maximum und nicht um ein garantiertes Datenvolumen für Audioübertragungen. In frühen Demonstrationen verkürzte sich die Übertragungszeit für eine Datei von einigen Megabyte bereits von rund 16 auf etwa 4 Sekunden.

Hardwarewechsel erforderlich und funktionale Grenzen

Eine nachträgliche Aktivierung der Technik auf bestehenden Smartphones oder Kopfhörern per Software-Update ist ausgeschlossen. Für HDT werden auf beiden Seiten der Funkverbindung neue Funkchips benötigt, sodass bestehende Geräte weder HDT- noch verlustfrei audiofähig werden.

Anzeige

Wer sich mit der Technik moderner Smartphones befasst, stößt oft auf kompliziertes Fachchinesisch. Dieses Gratis-Lexikon erklärt die 53 wichtigsten Begriffe rund um mobile Geräte in einfachen Worten – inklusive praktischer Aussprachehilfen. Die 53 wichtigsten Begriffe jetzt kostenlos sichern

Ältere Bluetooth-Geräte bleiben jedoch weiterhin kompatibel. Da HDT ein optionales Leistungsmerkmal darstellt, muss die Funktion künftig explizit im Datenblatt aufgeführt sein.

Einschränkungen gibt es zunächst beim Funktionsumfang: Die erste Version von HDT unterstützt kein sogenanntes Advertising. Sensoren, die etwa über das BTHome-Protokoll in Smart-Home-Systeme wie Home Assistant eingebunden werden, profitieren daher vorerst nicht von den Neuerungen.

Einsatzfelder und Ausblick auf den Marktstart

Als primäre Vorzeigeanwendung gilt standardisiertes drahtloses Premium-Audio, darunter verlustfreie und hochauflösende Musikwiedergabe, Mehrkanal-Surround-Sound sowie raumbezogenes Audio (Spatial Audio). Das offizielle Format für verlustfreie Audioübertragung befindet sich allerdings noch in der Entwicklung.

Anzeige

In nur 10 Minuten die Sprache der modernen Technikwelt verstehen – perfekt für alle, die bei neuen Funktionen den Durchblick behalten wollen. Das kostenlose PDF liefert Ihnen 53 Begriffe klar erklärt direkt in Ihr Postfach. In 10 Minuten zum Technik-Verständnis

Über den Audiobereich hinaus sieht die Bluetooth SIG Einsatzmöglichkeiten in der industriellen Automatisierung, bei Fitness-Wearables, KI-Geräten, im Bereich von XR und Spatial Computing sowie bei beschleunigten Firmware-Updates für Smartwatches und smarte Brillen.

Branchenvertreter begrüßten den Schritt. Neville Meijers, Vorstandsvorsitzender der Bluetooth SIG, sprach von einem neuen Leistungsniveau und einer Basis für künftige drahtlose Innovationen. Haipeng Jin vom Halbleiterhersteller Telink bewertete die Spezifikation als bedeutenden Meilenstein.

Amir Segev von Intel hob die neuen Möglichkeiten für Edge-Systeme, PCs und das Internet der Dinge hervor. Joonsuk Kim von Samsung erklärte, dass HDT die Bluetooth-Technologie weit über einfache Datentransfers hinaus voranbringe; die chipsparte des Unternehmens unterstützt den Standard bereits.

Eine Bestätigung für die Unterstützung in künftigen Smartphones durch Samsung, Google oder Apple steht hingegen noch aus. Qualcomm kündigte bereits an, künftige Smartphone-Chips mit HDT auszustatten, wobei der Chip FastConnect 8800 die Technik nutzen soll. Øyvind Strøm von Nordic Semiconductor verwies zudem auf die Vorteile für die Datenübertragung bei Computeruhren.

Erste Endgeräte mit HDT werden frühestens für das Jahr 2027 erwartet, möglicherweise anlässlich der Technologiemesse CES im Januar 2027 in Las Vegas, wofür es seitens der SIG jedoch keine Zusage gibt. Konkrete Produkte, Marktstarttermine oder Preise für die DACH-Region sind bisher nicht bekannt, allerdings wird für die ersten Gerätegenerationen mit einem höheren Preisniveau gerechnet.

Eine flächendeckende Verbreitung der Technologie im Markt der Bluetooth SIG, die mehr als 43.000 Mitgliedsunternehmen umfasst und jährlich über 5 Milliarden Produkte hervorbringt, dürfte mehrere Jahre in Anspruch nehmen.

Disclaimer...
de | wissenschaft | 70466361 |