Blutdruck-Leitlinien, ISH

Blutdruck-Leitlinien: ISH empfiehlt für viele Patienten unter 130/ 80 mmHg

Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 08:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die neuen ISH-Empfehlungen setzen auf frühere Medikamente, Heimblutdruckmessungen und einen Zielwert unter 130/80 mmHg.
Ein minimalistischer, heller Behandlungsraum in einer modernen medizinischen Einrichtung mit neutraler Atmosphäre. Illustration mit AI erstellt.

Die International Society of Hypertension (ISH) hat am 24. Oktober 2026 in Dubai ihre neuen globalen Leitlinien zur Behandlung des Bluthochdrucks vorgestellt. Das im Fachjournal Journal of Hypertension publizierte Regelwerk wurde von 13 Autoren und 24 Experten aus 23 Ländern erarbeitet.

Die Richtlinie markiert einen strategischen Wandel in der kardiovaskulären Versorgung: Im Mittelpunkt stehen ein früherer Beginn medikamentöser Therapien, niedrigere Zielblutdruckwerte und der verstärkte Einsatz standardisierter Heimblutdruckmessungen als primäre Methode im Rahmen einer optimalen Versorgung.

Neudefinition der Grenzwerte und raschere Intervention

Eine zentrale Neuerung der ISH-Leitlinien 2026 betrifft die Nomenklatur im Übergangsbereich. Die bisherige Kategorie des hochnormalen Blutdrucks von 130–139/85–89 mmHg wird durch die Einstufung als erhöhter Blutdruck im Bereich von 130–139/80–89 mmHg abgelöst. Die formale Diagnoseschwelle für eine manifeste Hypertonie verbleibt hingegen bei 140/90 mmHg.

Gleichzeitig fordern die Richtlinien ein zügigeres therapeutisches Handeln. Bei optimalen Versorgungsbedingungen wird für die Mehrheit der betroffenen Patienten eine medikamentöse Therapie empfohlen, sofern nach einer dreimonatigen Lebensstiländerung keine ausreichende Senkung erreicht wird.

Als Zielwert gilt künftig breiter als bisher ein Blutdruck von unter 130/80 mmHg. Dieser Zielbereich wird ausdrücklich auch für viele ältere Betroffene auf individualisierter Basis angeraten.

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Erweiterte Therapieoptionen und Implementierung

Erstmals nehmen die ISH-Leitlinien neue Behandlungsansätze wie Aldosteronsynthase-Inhibitoren und die renale Denervation auf. Hintergrund dieser Ergänzungen ist unter anderem die Rolle des Hormons Aldosteron, das über den MR- und den GPER-Signalweg Schäden an Herz, Gefäßen und Nieren verursachen kann. Aldosteronsynthase-Inhibitoren setzen an diesem Mechanismus an, indem sie das Enzym CYP11B2 upstream hemmen.

Um die neuen Vorgaben weltweit in die klinische Praxis zu übertragen, kündigte die Fachgesellschaft begleitende Maßnahmen an. Dazu zählen die Anwendung ISH OnTheGo sowie ein globales Implementierungsprogramm, deren Einführung für November 2026 vorgesehen ist.

Parallele Initiativen und Herausforderungen in der Versorgung

Die Ausrichtung der ISH deckt sich mit internationalen Trends. So betonen auch die Leitlinien der Taiwan Hypertension Society (THS) für ältere Erwachsene ein Ziel von unter 130/80 mmHg für Personen zwischen 65 und 79 Jahren als starke Empfehlung sowie individualisiert ab 80 Jahren.

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Dort stützt man sich unter anderem auf die chinesische STEP-Studie, in der eine Senkung des systolischen Drucks auf unter 130 mmHg im Vergleich zu unter 150 mmHg bei Personen im Alter von 60 bis 80 Jahren die Rate schwerer kardiovaskulärer Ereignisse um 26 Prozent reduzierte.

Zudem setzt die THS auf strukturierte Protokolle wie die Heimmessung nach dem „722"-Schema und Messungen nach 15 Sekunden sowie nach einer und drei Minuten bei orthostatischer Hypotonie.

Dass Handlungsbedarf besteht, unterstreichen weltweite Daten: Einem WHO-Bericht zufolge leben rund 1,4 Milliarden Menschen mit Bluthochdruck, von denen etwa 630 Millionen behandelt werden. Davon weisen 310 Millionen unkontrollierte Werte auf; bei rund einem Viertel der Unkontrollierten liegt ein erhöhter Aldosteronspiegel vor.

Auch regionale Initiativen wie das mexikanische PRONAM-Protokoll oder die globale HEARTS-Strategie drängen daher auf standardisierte Messungen, frühe Fixkombinationen und strukturierte Risikobewertungen in der Primärversorgung, um Spätfolgen wie Herzinfarkte, Schlaganfälle oder Nierenschäden rechtzeitig abzuwenden.

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de | wissenschaft | 70418207 |