Blutdruck-Überraschung, Niedriger

Blutdruck-Überraschung: Niedriger Druck verdreifacht Alzheimer-Risiko

13.06.2026 - 11:24:12 | boerse-global.de

Studien zeigen einen Wandel in der Alzheimer-Forschung: Fokus verschiebt sich von Amyloid hin zu Entzündungen und digitaler Früherkennung.

Alzheimer-Forschung 2026: Neue Wege bei Diagnose und Therapie
Blutdruck-Überraschung - Abstrakte Darstellung von Gehirnströmen oder neuronalen Netzwerken, die komplexe Denkprozesse und Verbindungen symbolisiert. 13.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Weg von Amyloid, hin zu Entzündungsprozessen und Repurposing. Gleichzeitig bringen digitale Apps frischen Wind in die Früherkennung – und ein unterschätzter Risikofaktor sorgt für Überraschung.

Weniger Amyloid, mehr Neurotransmitter

Ein aktueller Pipeline-Report zeigt: Von 158 untersuchten Wirkstoffen in 192 Studien zielen nur noch 20 Prozent auf die Reduktion von Amyloid-Ablagerungen ab. Vor zehn Jahren war es noch ein Drittel.

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Der Fokus hat sich verschoben: 24 Prozent der Studien konzentrieren sich auf Neurotransmitter, 20 Prozent auf das Tau-Protein und 18 Prozent auf Entzündungsprozesse im Gehirn.

Besonders spannend: Rund 35 Prozent der Substanzen sind bereits für andere Krankheiten zugelassen – etwa das Antidiabetikum Metformin. 59 Prozent der Forschung finanziert die Industrie, 36 Wirkstoffe haben bereits Phase 3 erreicht.

Die App, die besser erkennt als der Arzt

Das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) hat eine Smartphone-App zur Früherkennung getestet. 202 Erwachsene zwischen 52 und 85 Jahren nahmen teil.

Das Ergebnis: Regelmäßige Gedächtnisaufgaben per App erkennen subtile Verschlechterungen präziser als jährliche Kliniktests. Nach 30 Wochen waren noch 73 Prozent der Probanden aktiv – eine hohe Langzeitmotivation.

Niedriger Blutdruck als Risikofaktor

Eine Studie im Journal of the American Heart Association vom 10. Juni wertete 800.000 Datensätze aus. Die Überraschung: Chronische Hypotonie verdreifacht das Alzheimer-Risiko. Bluthochdruck steigert es lediglich um das 1,6-Fache.

Prävention: 170.000 Fälle vermeidbar

Die Leopoldina und weitere Wissenschaftsakademien fordern eine systematischere Datennutzung für die Demenzprävention. Schätzungen zufolge ließen sich 36 Prozent der Demenzfälle in Deutschland durch die Beeinflussung von zwölf Risikofaktoren vermeiden.

Eine Senkung der Inzidenz um 15 Prozent würde bis 2050 rund 170.000 Neuerkrankungen verhindern.

Das unterschätzte Delir

Jährlich werden in Deutschland etwa eine Million Menschen über 80 Jahre operiert. Jeder zehnte leidet danach an einem postoperativen Delir – einer akuten geistigen Verwirrung.

Trotz der klinischen Relevanz setzen nur rund 20 Prozent der Kliniken die entsprechenden Leitlinien vollständig um. Die Folge: Ein unerkanntes Delir kann die Behandlungskosten pro Fall verzehnfachen.

Donanemab: Vergütung ja, Zusatznutzen nein

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung und der GKV-Spitzenverband einigten sich auf die Vergütung des Antikörpers Donanemab ab dem 1. Juli. Fachärzte können die Infusion über eine neue EBM-Ziffer mit 18,73 Euro abrechnen. Die Behandlung ist auf maximal 18 Monate begrenzt.

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hatte zuvor festgestellt: Für Donanemab ist kein Zusatznutzen gegenüber der Standardtherapie belegt.

Off-Label-Use bei Long-COVID

Der G-BA hat am 11. Juni den Weg für den Off-Label-Use von vier Wirkstoffen bei Long- und Post-COVID geebnet: Ivabradin, Metformin, Agomelatin und Vortioxetin. Letzteres wird bei kognitiven Beeinträchtigungen und depressiven Symptomen im Rahmen von Post-COVID eingesetzt.

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Kognitive Defizite bei Schizophrenie und MS

Die Hälfte aller Menschen mit Schizophrenie leidet unter kognitiven Einschränkungen – besonders bei Gedächtnis und sozialer Wahrnehmung. Bei Multipler Sklerose gelten kognitive Störungen oft als unsichtbare Symptome, die die Erwerbsfähigkeit massiv beeinflussen können.

Langzeitdaten aus den Jahren 2024 und 2025 deuten darauf hin, dass moderne Therapien den Erhalt der Gehirnsubstanz und damit die kognitive Leistungsfähigkeit länger sichern können als frühere Ansätze.

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