Blutfettmessung: Ab 35 Jahren zahlt die Kasse alle drei Jahre den Check-up
Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 17:48 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie bloße Einnahme von lipidsenkenden Präparaten garantiert noch keinen verlässlichen Schutz vor kardiovaskulären Ereignissen. Wie kardiologische Experten betonen, reicht die medikamentöse Behandlung ohne eine konsequente Überwachung der Blutwerte durch ein Labor nicht aus.
In der Praxis nehmen manche Patienten Cholesterinsenker über Jahre hinweg ein, ohne ihre Werte überprüfen zu lassen, da fälschlicherweise angenommen wird, die reine Tabletteneinnahme genüge bereits.
Ein Medikament dient jedoch lediglich als Mittel zur Erreichung des individuellen Therapieziels sowie zur Senkung des Schlaganfallrisikos. Das tatsächliche Erreichen des angestrebten LDL-Werts ist daher ebenso entscheidend wie der Beginn der Therapie selbst.
Große Lücken bei der Zielwerterreichung
Ein Übersichtsartikel des Verlags Elsevier Masson verdeutlicht den therapeutischen Nutzen einer strikten Einstellung: Die Senkung des LDL-Cholesterins ist demnach direkt, proportional und linear ohne Schwellenwert mit einem Rückgang kardiovaskulärer Ereignisse verbunden.
Dennoch erreichen chronische Koronarpatienten sowie Personen nach einem akuten Koronarsyndrom die Leitlinienziele lediglich in einem von vier Fällen, was rund 25 Prozent entspricht.
Die Therapieadhärenz liegt je nach Studie und Region bei etwa 60 Prozent. Als Ursachen werden therapeutische Trägheit auf Ebene von Patienten, Ärzten und Gesundheitssystemen beschrieben; gezielte Aufklärung und eine verlässliche therapeutische Allianz gelten als zentral.
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Auch spezialisierte Kardiologen weisen auf diese Defizite hin. Laut Prof. Jurgita Plisiene von den Kauno klinikos liegt der Zielwert für das LDL-Cholesterin bei Hochrisikopatienten nach einem Infarkt, Stent oder Bypass bei unter 1,4 mmol/l, wird jedoch nur von 14 bis 15 Prozent der Betroffenen erreicht.
Differenzierte Zielwerte und medikamentöse Optionen
Die Anforderungen an die Cholesterinwerte richten sich maßgeblich nach dem individuellen Gesamtrisiko. Prof. Christiane Tiefenbacher von der Deutschen Herzstiftung und dem Marien-Hospital Wesel erläutert, dass für gesunde Personen ohne Risikofaktoren Werte von 120 bis 130 mg/dl akzeptabel seien.
Bei mehreren Risiken wie Bluthochdruck, Diabetes oder Rauchen liege der Richtwert bei rund 70 mg/dl, während nach einem Herzinfarkt ein Wert von 55 mg/dl angestrebt werde.
Dr. Juliane Willecke vom Herz- und Diabeteszentrum NRW in Bad Oeynhausen ergänzt, dass für Gesunde oft Werte unter 116 mg/dl angepeilt werden, während ein LDL-Wert von über 190 mg/dl mit einem deutlich erhöhten Risiko für atherosklerotische Erkrankungen einhergehe.
Da der Körper 80 bis 90 Prozent des Cholesterins selbst in der Leber herstellt, lassen sich die Werte über die Ernährung nur begrenzt beeinflussen. Laut Prof. Christiane Tiefenbacher senkt eine Ernährungsumstellung das Cholesterin maximal um etwa 10 Prozent, während Haferflocken beziehungsweise Beta-Glucan laut Dr. Juliane Willecke eine Reduktion um etwa 5 bis 7 Prozent bewirken können.
Statine gelten als hochwirksam, wobei der Mythos häufiger Muskelschmerzen widerlegt sei, da Placebogruppen ähnlich oft betroffen waren. Für schwer einstellbare Fälle existieren moderne PCSK9-Hemmer. Diese senken laut Prof. Jurgita Plisiene in Kombination mit einem Statin und einem weiteren Medikament das Cholesterin um 85 Prozent vom Ausgangswert, ohne Statin um rund 60 Prozent. Allerdings fallen hierfür Therapiekosten von etwa 1000 Euro pro Monat an, wie Prof. Christiane Tiefenbacher anmerkt.
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Risiken von Heimtests und Wege zu besserer Therapietreue
Zur Kontrolle der Lipidwerte mahnen Mediziner zur Vorsicht bei Schnelltests. Prof. Julie Schanz von der Universitätsmedizin Göttingen warnt vor Cholesterin-Heimtests aus Drogerien oder Apotheken, da präanalytische Fehler wie Fingerquetschen, Feuchtigkeit, Gewebereste oder ungenaue Blutmengen die Ergebnisse verfälschen können.
Zudem erfassen viele Heimtests lediglich das Gesamtcholesterin, lassen jedoch entscheidende Faktoren wie LDL, HDL, Triglyzeride oder Vorerkrankungen unberücksichtigt und erfüllen nicht die Richtlinien der Bundesärztekammer. Gesetzlich Versicherte in Deutschland haben ab dem 35. Lebensjahr alle drei Jahre Anspruch auf eine standardisierte Blutfettmessung im Rahmen eines Check-ups.
Dass eine gezielte Visualisierung des Gefäßzustands die Therapietreue steigern kann, belegen zwei Studien unter Beteiligung des Forschers Nove Kalia: Patienten, die computertomografische Aufnahmen ihres Herzens mit dem koronaren Kalziumscore sahen, nahmen ihre Statine 2,5-mal häufiger wie verordnet ein.
