Bluthochdruck: 20 bis 30 Millionen Menschen in Deutschland betroffen
Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 10:24 Uhr | Redaktion boerse-global.deBluthochdruck gilt in der medizinischen Forschung als einer der maßgeblichen Risikofaktoren für kognitiven Abbau und Demenzerkrankungen. Wie Markus van der Giet von der Deutschen Hochdruckliga und der Berliner Charité darlegt, kann es mehr als 20 Jahre dauern, bis die durch einen dauerhaft erhöhten Blutdruck verursachten Schäden im Körper sichtbar werden.
Die Erkrankung verläuft oft schleichend: Nach Angaben von van der Giet bleibt Bluthochdruck in rund 30 Prozent der Fälle unentdeckt. Neben Organschäden wie Arteriosklerose, koronarer Herzkrankheit, Netzhaut- und Nierenschäden, peripherer arterieller Verschlusskrankheit sowie Herzinfarkt, Schlaganfall und Herzinsuffizienz rücken die neurodegenerativen Spätfolgen verstärkt in den Fokus.
Hohe Verbreitung und Gefäßrisiken
In Deutschland sind nach Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) rund 20 bis 30 Millionen Menschen von erhöhtem Blutdruck betroffen. Weltweit hat sich die Zahl der Betroffenen seit 1990 verdoppelt.
Laut der GEDA-Studie des RKI weisen hierzulande 30,9 Prozent der Frauen und 32,8 Prozent der Männer Bluthochdruck auf. Die American Heart Association verweist darauf, dass unbehandelter Bluthochdruck in 20 untersuchten Ländern zu jährlich über einer halben Million Todesfällen beiträgt.
Dr. Keyoor Patel vom UHS Wilson Medical Center in Johnson City betont, dass neue Leitlinien eine deutliche Korrelation zwischen erhöhtem Blutdruck und Demenz sowie allgemeinem kognitiven Abbau dokumentieren.
Eine Untersuchung von Dr. Ruth Frikke-Schmidt vom Copenhagen University Hospital, veröffentlicht im Journal of Clinical Endocrinology and Metabolism, identifiziert einen höheren Body-Mass-Index (BMI) und Bluthochdruck als direkte Ursachen vaskulärer Demenz.
Pro Anstieg des BMI um 4,5 Punkte steige das Risiko für vaskuläre Demenz über alle Gewichtsklassen hinweg, wobei erhöhter Blutdruck diese Gefährdung zusätzlich verstärke. Die Analyse stützt sich auf Datensätze aus Kopenhagen und Großbritannien unter Anwendung einer Methode analog zu einer randomisierten kontrollierten Studie.
Die US-Gesundheitsbehörde CDC stuft einen BMI von 18,5 bis 24 als gesund ein, während Werte ab 25 bis 29 als Übergewicht und ab 30 als Adipositas gelten. Die American Heart Association definiert normalen Blutdruck als Werte unter 120/80 mmHg.
Langzeitdaten und chronische Begleiterkrankungen
Die weitreichenden Folgen belegen Langzeitbeobachtungen der ARIC-Studie an 12.400 Teilnehmenden über einen Zeitraum von bis zu 26,3 Jahren. Personen mit Bluthochdruck (definiert als Werte über 140/90 mmHg), Diabetes und Tabakkonsum wiesen im Schnitt lediglich 17,5 demenzfreie Lebensjahre auf.
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Bei Personen ohne diese Risikofaktoren lag dieser Wert hingegen bei 30,1 Jahren. Die Risiken traten insbesondere im mittleren Lebensalter zutage. Eine Expertenkommission der Fachzeitschrift The Lancet kam zu dem Ergebnis, dass grundsätzlich jeder zweite Demenzfall vermeidbar wäre, wenn 14 wesentliche Risikofaktoren minimiert würden.
Eine Querschnittsstudie aus dem chinesischen Nantong, publiziert in BMC Geriatrics, analysierte 2.458 Erwachsene ab 60 Jahren, von denen 559 Personen (22,7 Prozent) Anzeichen für eine Demenz zeigten.
In dieser Gruppe litten 38,8 Prozent an zwei oder mehr chronischen Erkrankungen (gegenüber 31,6 Prozent bei Personen ohne Demenzverdacht) und 15,6 Prozent an drei oder mehr chronischen Beschwerden (im Vergleich zu 9,7 Prozent). Die Kombination aus Hypertonie und einer Ohrerkrankung wies ein Odds Ratio von 1,83 (95-Prozent-Konfidenzintervall 1,09 bis 3,10) auf.
Screening und internationale Erfahrungen
Um Gefäßschäden rechtzeitig abzuwenden, empfiehlt die Europäische Gesellschaft für Kardiologie (ESC) Blutdruckmessungen ab 18 Jahren, anschließend bis zum 40. Lebensjahr im Dreijahresrhythmus und danach mindestens einmal jährlich.
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Die ESC gibt Zielwerte von 120/70 bis 129/79 mmHg vor; Hypertonie beginnt definitionsgemäß ab Werten über 140/90 mmHg. Eine britische Studie an 1,4 Millionen Erwachsenen ergab, dass Hypertonie bei über einem Drittel der Erwachsenen und bei einem von sieben 18- bis 39-Jährigen vorliegt.
In Irland zeigen Tilda-Daten aus dem Jahr 2026, wie Janis Morrissey von der Irish Heart Foundation darlegt, dass 71 Prozent der über 50-Jährigen unter Hypertonie leiden, von denen jedoch nur 56 Prozent über ihren Zustand informiert sind.
Dem Irish National Audit of Stroke zufolge treten in Irland jährlich 7.500 Schlaganfälle auf; im Jahr 2024 betrafen 33 Prozent davon Menschen unter 65 Jahren. Ein Lancet-Bericht aus dem Jahr 2019 über zwölf Staaten bescheinigte Irland zuvor die höchsten Hypertonie-Raten bei gleichzeitig niedrigsten Diagnose-, Behandlungs- und Kontrollraten.
Dass konsequente Gegenmaßnahmen greifen, belegen Entwicklungen in Kanada: Dort kletterte der Anteil der Erwachsenen mit erfolgreich reguliertem Blutdruck von 13 Prozent in den frühen 1990er-Jahren auf 68 Prozent im Jahr 2010. Eine effektive Blutdrucksenkung mindert laut den von Patel hervorgehobenen Daten auch die Wahrscheinlichkeit von Herzinsuffizienz und Vorhofflimmern.
Mediziner betonen in diesem Zusammenhang, dass neben Risikofaktoren wie Stress, Alkohol und hohem Salzkonsum auch gezielte Entspannung sowie eine höhere Kaliumaufnahme zur Blutdruckkontrolle beitragen können.
