Bluthochdruck in der Notaufnahme: VR senkt den Druck nach 15 Minuten stärker
Veröffentlicht am: 26.09.2026 um 05:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine türkische Studie liefert neue Erkenntnisse darüber, wie sich der Einsatz von VR-Brillen bei Patienten mit stark erhöhtem Blutdruck auf den Behandlungsverlauf auswirkt. Die Ergebnisse wurden beim Europäischen Kongress für Notfallmedizin in Paris vorgestellt und deuten darauf hin, dass die Kombination aus virtueller Naturlandschaft und klassischer Musik den Blutdruck schneller senken kann als die medikamentöse Standardbehandlung allein.
Der Studienaufbau
An der randomisierten Untersuchung nahmen 130 Erwachsene mit hypertensiver Dringlichkeit teil – also einem stark erhöhten Blutdruck ohne bereits eingetretene Organschäden.
Alle Teilnehmer erhielten die übliche blutdrucksenkende Standardmedikation. 65 von ihnen setzten zusätzlich eine VR-Brille auf, die eine Flusslandschaft zeigte, während gleichzeitig klassische Musik über Kopfhörer lief. Die übrigen 65 Patienten bildeten die Kontrollgruppe und erhielten ausschließlich die Standardtherapie.
Messbare Unterschiede nach 15 Minuten
Der zentrale Befund betrifft den mittleren arteriellen Druck (MAP), gemessen 15 Minuten nach Behandlungsbeginn. In der VR-Gruppe sank der Wert von einem Ausgangsniveau von 132 mmHg auf 116 mmHg. In der Kontrollgruppe fiel der Druck von 138 mmHg auf 126 mmHg.
Rechnerisch entspricht das einer Senkung von 12 Prozent in der VR-Gruppe gegenüber 8 Prozent in der Kontrollgruppe – ein Unterschied von etwa 4 bis 5 mmHg, der den Studienautoren zufolge statistisch signifikant war.
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Wie sich der Effekt im weiteren Verlauf entwickelte
Nach 30 Minuten hatte sich der Abstand zwischen den Gruppen bereits verringert: Der MAP lag in der VR-Gruppe bei 112 mmHg (Senkung 15 Prozent), in der Kontrollgruppe bei 119 mmHg (Senkung 14 Prozent).
Ab der 60-Minuten-Marke war zwischen beiden Gruppen kein signifikanter Unterschied mehr feststellbar – die Blutdruckwerte glichen sich im weiteren Beobachtungszeitraum an. Der Effekt der VR-Intervention scheint sich demnach vor allem in der frühen Behandlungsphase zu zeigen.
Neben dem Blutdruck erfassten die Forschenden auch die Angstwerte der Teilnehmer über einen zweistündigen Beobachtungszeitraum. Hier sanken die Werte in der VR-Gruppe im Schnitt um 8 Punkte, in der Kontrollgruppe lediglich um 4 Punkte.
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Einschränkungen der Studie
Die Autoren selbst weisen auf mehrere Limitationen hin. Es handelt sich um eine Einzelzentrum-Studie mit vergleichsweise kurzer, nur zweistündiger Nachbeobachtungszeit. Zudem wurden VR-Brille und klassische Musik gemeinsam eingesetzt, nicht getrennt untersucht – welcher Anteil des beobachteten Effekts auf die visuelle Naturlandschaft und welcher auf die Musik zurückgeht, lässt sich aus den Daten nicht ableiten.
Einordnung für die Notfallmedizin
Für die Praxis in Notaufnahmen könnte der frühe, wenn auch zeitlich begrenzte Effekt dennoch relevant sein: Gerade in der ersten Phase der Behandlung, wenn schnelle Reaktionen auf akut erhöhte Blutdruckwerte gefragt sind, könnte eine zusätzliche, nicht-medikamentöse Maßnahme wie VR-Ablenkung eine ergänzende Rolle spielen.
Ob sich der beobachtete Effekt in größeren, mehrzentrischen Studien mit längerer Nachbeobachtung bestätigt und welcher Anteil auf Bild oder Musik entfällt, bleibt jedoch offen.
Mehr zum Thema bei n-tv: „Effekt nach 15 Minuten messbar: Wieso Patienten in der Notaufnahme VR-Brillen tragen sollten - n“
