Bluthochdruck: Kombinationspräparate reduzieren Therapieabbrüche um 39%
Veröffentlicht am: 26.07.2026 um 22:19 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Patienten mit Bluthochdruck brechen ihre Behandlung seltener ab, wenn sie Kombinationspräparate einnehmen. Das belegt eine aktuelle Metaanalyse im Fachblatt JAMA. Ausgewertet wurden über 700 Studien mit mehr als 159.000 Probanden.
Sartane und Fixkombinationen punkten
Die Wahl der Medikation beeinflusst das Risiko eines Therapieabbruchs erheblich. Sartane senken dieses Risiko im Vergleich zu anderen Wirkstoffklassen um 27 Prozent. Noch besser schneiden Fixkombinationen ab: Die Verbindung eines Sartans mit einem Kalziumkanalblocker reduziert das Abbruchrisiko um 39 Prozent.
Bestimmte Monotherapien zeigen dagegen gegenteilige Effekte. Eine alleinige Therapie mit Kalziumkanalblockern erhöht das Abbruchrisiko um 43 Prozent. Bei der Kombination von ACE-Hemmern mit Kalziumkanalblockern steigt es um 46 Prozent. Die Verbindung von Betablockern mit Thiaziddiuretika weist sogar eine Steigerung um 58 Prozent auf.
Fallberichte deuten zudem darauf hin, dass dreifache Fixkombinationen subklinische Organschäden bei Patienten mit zuvor schlechter Therapietreue verbessern können.
Markt wächst – regulatorische Hürden bleiben
Der Markt für Antihypertonika entwickelt sich dynamisch. Für Losartan verzeichnete die Branche 2025 ein Volumen von 1,49 Milliarden US-Dollar. Prognosen sagen einen Anstieg auf 1,83 Milliarden US-Dollar bis 2030 voraus. Ein Treiber: Die FDA ließ im Frühjahr 2025 eine flüssige Losartan-Variante zu.
Auf europäischer Ebene sprach der CHMP am 24. Juli 2026 positive Empfehlungen aus – unter anderem für Präparate von Accord Healthcare gegen Bluthochdruck und neue Verfahren gegen Hypercholesterinämie.
Eine aktuelle Metaanalyse im Fachblatt JAMA zeigt: Wer auf die richtige Kombination setzt, senkt sein Risiko für einen Therapieabbruch um bis zu 39%. Erfahren Sie in unserem kostenlosen Leitfaden, welche Fixkombinationen am besten abschneiden und wie Sie Lieferengpässe umgehen. Jetzt kostenlosen Leitfaden anfordern
Gleichzeitig greifen Qualitätssicherungsmaßnahmen. Das BfArM verlängerte das Ruhen der Zulassungen für bestimmte Irbesartan-Präparate bis August 2028. Im Juli 2026 wurden Rückrufe für Ramipril-Chargen (089Pharm) wegen mangelnder Bruchfestigkeit bekannt. Auch über 11.000 Flaschen Chlorthalidon mussten zurückgerufen werden.
Lieferengpässe belasten die Versorgung
Die Verfügbarkeit kritischer Medikamente bleibt angespannt. Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) stufte Mitte Juli einen Lieferengpass für Digitoxin und Digoxin als kritisch ein. Das Präparat Digitoxin AWD 0,07 von Teva ist seit dem 1. Juli nicht verfügbar. Eine Behebung wird erst für Januar 2027 erwartet.
Die Apothekeninfrastruktur gerät zusätzlich unter Druck. Im Kammerbezirk Nordrhein zählte man zum 1. Juli 1.886 Apotheken. Seit Jahresbeginn gab es 14 Schließungen bei nur vier Neueröffnungen. Zur Stabilisierung stieg das Apothekenhonorar am 1. Juli auf 9,00 Euro. Eine weitere Erhöhung auf 9,50 Euro ist für Januar 2027 geplant. Gleichzeitig soll der Zwangsrabatt 2027 um 0,30 Euro auf 2,07 Euro steigen.
Neue Verfahren und präventive Ansätze
Neben Medikamenten rücken interventionelle Techniken in den Fokus. Die Radiance-II-Studie belegte im Juli: Eine renale Denervation senkt den Blutdruck über mindestens zwei Monate. In der Diagnostik zeigen PPG-Sensoren in Smartwatches Potenzial: Über 41 Prozent der zuvor nicht diagnostizierten Hypertoniker erhielten durch die Geräte Warnhinweise.
Lieferengpässe bei Blutdrucksenkern belasten die Versorgung – etwa Digitoxin AWD 0,07 ist seit Juli nicht verfügbar. Unser Leitfaden zeigt Ihnen, welche Alternativen es gibt und wie Sie mit Ihrem Arzt die Therapie anpassen können. Alternativen bei Engpässen jetzt sichern
Die Forschung zu Finerenon (FIND-CKD) zeigt, dass der Wirkstoff den Abfall der Nierenfunktion auch bei Patienten ohne Diabetes verlangsamen kann. In Kombination mit Empagliflozin (CONFIDENCE-Studie) wurde eine stärkere Senkung des systolischen Blutdrucks beobachtet.
Präventiv weisen Forscher im European Heart Journal auf Risiken hochverarbeiteter Lebensmittel hin. Bestimmte Konservierungsstoffe können das Hypertonierisiko um bis zu 29 Prozent steigern. Moderate Bewegung von 150 bis 300 Minuten pro Woche senkt den systolischen Blutdruck um 5 bis 9 mmHg. Eine Gewichtsreduktion von vier Kilogramm bewirkt eine Senkung um etwa 4 mmHg.
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