Bluthochdruck: Kräutertees können die Wirkung von Medikamenten verändern
Veröffentlicht am: 11.10.2026 um 13:11 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die eigenständige Einnahme von pflanzlichen Zubereitungen gilt vielen Verbrauchern als unbedenklich. Fachleute mahnen jedoch zur Vorsicht: Gerade Personen mit chronischen Erkrankungen wie Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen sollten Kräutertees und phytotherapeutische Produkte nicht unkritisch konsumieren.
Bestimmte Inhaltsstoffe können den Blutdruck direkt beeinträchtigen oder die Wirkung verordneter Arzneimittel verändern. Nach Angaben der Deutschen Hochdruckliga sind in Deutschland bis zu 30 Millionen Menschen von Bluthochdruck betroffen. Da die Erkrankung häufig lange ohne Symptome verläuft, können unbedachte Wechselwirkungen erhebliche Gefahren für Herz und Gefäße mit sich bringen.
Datenlage zu Schwarzkümmelöl und Curcumin
Häufig als Ergänzung beworbene Naturmittel weisen in wissenschaftlichen Untersuchungen ein uneinheitliches Bild auf. Für Schwarzkümmelöl existiert in der Europäischen Union keine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe. Zudem fehlen bislang eine Monographie der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA), amtlich festgelegte Tageshöchstmengen sowie geprüfte Empfehlungen zur Einnahmedauer.
Zwar zeigte eine Auswertung von 82 Studien mit rund 5.000 Teilnehmenden aus dem Jahr 2025 bei Tagesdosen zwischen 200 und 4.600 Milligramm über einen Zeitraum von einer bis 48 Wochen im Mittel etwas günstigere Werte bei Blutfetten, Blutdruck und Blutzucker.
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Eine weitere Analyse von 30 Studien aus dem Jahr 2024 wies zudem niedrigere Nüchtern- und HbA1c-Werte aus, allerdings bei stark streuenden Einzelergebnissen.
Gleichzeitig sind Risiken dokumentiert: Neben allergischen Hautreaktionen beschrieb ein Fallbericht aus dem Jahr 2026 das Auftreten eines großen Blutergusses bei zeitgleicher Einnahme von Schwarzkümmelöl, zwei Blutplättchenhemmern und einer Chemotherapie, wenngleich der Anteil des Öls daran unsicher blieb. Wechselwirkungen mit Medikamenten sind möglich, deren klinische Bedeutung ist jedoch teils noch unklar.
Auch bei Curcumin mahnen Aufsichtsbehörden zur Zurückhaltung. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) leitete im Jahr 2021 auf Grundlage einer Bewertung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) eine akzeptable tägliche Aufnahmemenge (ADI) von 3 Milligramm Curcumin pro Kilogramm Körpergewicht ab, was bei einem Körpergewicht von 70 Kilogramm etwa 210 Milligramm pro Tag entspricht.
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Untersuchungen des BfR an zwei Nahrungsergänzungsmitteln zeigten Tagesdosen von 583 Milligramm beziehungsweise mindestens 428 Milligramm Curcumin, die jeweils in Kombination mit Piperin verabreicht wurden und den ADI-Wert überschritten.
Piperin kann zudem den Abbau von Arzneimitteln im Körper beeinflussen. Eine italienische Analyse von 28 Verdachtsfällen akuter Hepatitis ergab, dass die Aufnahme in rund zwei Dritteln der Fälle beim 1,6- bis 7-Fachen des ADI lag, auch wenn ein ursächlicher Zusammenhang nicht durchgehend gesichert ist.
Toxikologische Risiken und ungesicherte Heilpflanzen
Gefahren drohen zudem durch Inhaltsstoffe, die traditionell genutzt werden, aber toxikologisch bedenklich sind. Im Wasserdost (Eupatorium cannabinum) wiesen Analysen in ober- und unterirdischen Pflanzenteilen Pyrrolizidinalkaloide nach.
Bestimmte ungesättigte Vertreter dieser Stoffgruppe können toxische Stoffwechselprodukte bilden; diskutiert werden Lebertoxizität sowie genotoxische und kanzerogene Risiken. Eine anerkannte EMA-Monographie existiert für Wasserdost nicht, weshalb Fachleute von einer eigenständigen innerlichen Anwendung abraten.
Auch für andere populäre Hausmittel wie Weißdorn fehlt nach derzeitigem Kenntnisstand eine belastbare Evidenz bei Bluthochdruck. Rote Bete und Knoblauch wiederum zeigen meist nur kleine, kurzfristige Effekte.
Bekannte Trigger für plötzliche Blutdruckanstiege
Nach Angaben der Deutschen Herzstiftung zählen neben ausgelassenen oder eigenmächtig abgesetzten Medikamenten auch Interaktionen mit Schmerzmitteln wie Ibuprofen oder Diclofenac, Stress, Alkoholkonsum und Lakritze zu den typischen Auslösern plötzlicher Blutdruckspitzen.
Patienten mit chronischen Herz-Kreislauf- oder Stoffwechselerkrankungen sollten daher pflanzliche Tees und Nahrungsergänzungsmittel nicht ohne vorherige ärztliche Rücksprache mit ihrer regulären Medikation kombinieren.

