Bluthochdruck: Sartane mit Blockern senken Abbruchrisiko um 39%
Veröffentlicht am: 24.07.2026 um 09:40 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Behandlung von Bluthochdruck und der Umgang mit Nikotinkonsum stehen im Fokus aktueller Analysen. Während die Pharmaforschung Fortschritte bei der Therapietreue erzielt, werfen neue Nikotinprodukte regulatorische Fragen auf.
Nikotinbeutel: Höhere Dosis, neue Gefahren
Moderne rauchfreie Alternativen enthalten deutlich mehr Nikotin als herkömmliche Zigaretten. Nikotinlutschtabletten, die Snus-ähnlich verwendet werden, bringen es auf bis zu 50 mg pro Packung. Zum Vergleich: Eine normale Zigarettenpackung liegt bei 10 bis 12 mg. In über der Hälfte der untersuchten Proben fanden Tester zudem krebserregende Tabaknitrosamine.
Der Markt wird von den Tabakkonzernen PMI und BAT dominiert – sie halten jeweils etwa ein Drittel der Anteile.
In Deutschland warnt der Suchtbeauftragte Hendrik Streeck vor einer Legalisierung von Nikotinbeuteln. Er berichtet von massivem Druck durch die Tabaklobby, den er mit Stalking vergleicht. Die Bundesregierung plant derweil eine schrittweise Erhöhung der Tabaksteuer: Eine Packung mit 20 Zigaretten soll 2026 rund 9,10 Euro kosten, bis 2030 steigt der Preis auf 11,78 Euro. Die Koalition erwartet Mehreinnahmen von 700 bis 800 Millionen Euro.
Hypertonie-Therapie: Sartane überzeugen, Ramipril wird zurückgerufen
Die Therapietreue bleibt ein entscheidender Faktor bei der Bluthochdruck-Behandlung. Eine Metaanalyse im Fachmagazin JAMA wertete Daten von über 159.000 Probanden aus mehr als 700 Studien aus. Ergebnis: Sartane senken das Risiko eines Therapieabbruchs im Vergleich zu Placebo um 27 Prozent. In Kombination mit Kalziumkanalblockern steigt der Wert auf 39 Prozent.
Kalziumkanalblocker allein erhöhen das Abbruchrisiko dagegen um 43 Prozent.
Die neue JAMA-Studie zeigt: Sartane senken das Abbruchrisiko um 27%, in Kombination mit Kalziumkanalblockern sogar um 39%. Erfahren Sie in unserem kostenlosen Ratgeber, wie Sie Ihre Therapie optimieren und bei Rückrufen die richtige Alternative wählen. Jetzt Ratgeber anfordern
Der Markt für Blutdrucksenker wie Losartan wächst. Nach 1,49 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025 prognostizieren Experten für 2030 ein Volumen von 1,83 Milliarden. Die FDA-Zulassung von flüssigem Losartan im Jahr 2025 erweitert die Darreichungsformen.
Doch regulatorische Hürden bleiben. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat das Ruhen der Zulassungen für bestimmte Irbesartan-Präparate bis zum 1. August 2028 verlängert. Grund: formelle Mängel in Bioäquivalenzstudien eines indischen Dienstleisters. Zudem rief der Hersteller 089Pharm Ramipril-Tabletten zurück – wegen unzureichender Bruchfestigkeit bei Chargen, die bis Juni 2027 haltbar sind.
Neue Forschung: CB1-Rezeptor im Fokus
In der Grundlagenforschung rückt der Cannabinoid-Rezeptor CB1 als potenzieller Angriffspunkt gegen Arteriosklerose in den Blick. Eine Studie des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) deutet darauf hin, dass die Hemmung dieses Rezeptors auf Endothelzellen den Transport von LDL-Cholesterin in die Gefäßwand reduzieren kann. Das könnte neue Wege eröffnen, Gefäßverkalkungen zu behandeln – ohne zentrale Nebenwirkungen.
Auch die Ernährung spielt eine Rolle. Eine Untersuchung im European Heart Journal mit über 112.000 Teilnehmern über knapp acht Jahre zeigt: Bestimmte Konservierungsstoffe in hochverarbeiteten Lebensmitteln erhöhen das Hypertonierisiko um bis zu 29 Prozent.
Projekt „NiTab“: Rauchstopp in Hausarztpraxen
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Um die Raucherquote zu senken, fördert der Innovationsausschuss des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) das Projekt „NiTab“ mit rund 2,5 Millionen Euro über drei Jahre. Die Studie der HHU Düsseldorf und des Universitätsklinikums Düsseldorf untersucht die Wirksamkeit einer intensivierten Rauchstopp-Beratung in 60 Hausarztpraxen in Nordrhein-Westfalen. Ziel: Nikotinabstinenz nach 12 Wochen.
Während Länder wie Spanien bereits Rauchverbote in Außenbereichen planen, setzt NRW bislang auf die Einbeziehung von E-Zigaretten und Cannabisprodukten in bestehende Verbote.
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