Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Risiko

Bluthochdruck: Schon 5 mm Hg weniger senken das Herz-Kreislauf-Risiko

Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 08:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Fachübersichten beschreiben abgestufte Medikamentenkombinationen; bei therapieresistentem Bluthochdruck werden Ursachen geprüft und weitere Optionen erwogen.
Ein heller, steriler Behandlungsraum in einer Arztpraxis mit einer Untersuchungsliege und neutralem medizinischem Ambiente. Illustration mit AI erstellt.

Medizinische Fachquellen beschreiben mehrstufige Behandlungsschemata für Bluthochdruck, die von standardisierten Kombinationen aus Diuretika, Kalziumantagonisten und Renin-Angiotensin-Aldosteron-System-Blockern (RAAS-Blockern) bis hin zu spezialisierten interventionellen Verfahren bei therapieresistenter Hypertonie reichen.

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts, über die Anfang November 2026 berichtet wurde, weisen in Deutschland etwa 20 bis 30 Millionen Menschen erhöhte Blutdruckwerte auf. Viele Betroffene wissen nichts von der Erkrankung, die zu den zentralen Risikofaktoren für Herzinfarkt und Schlaganfall gehört.

Bereits eine Absenkung des Blutdrucks um 5 mm Hg wirkt laut wissenschaftlichen Untersuchungen kardioprotektiv und senkt das Risiko für ischämische Herzkrankheiten sowie Mortalität auch bei Normotonen.

Zudem verdoppeln das Vorliegen einer Albuminurie sowie eine linksventrikuläre Hypertrophie das kardiovaskuläre Todesrisiko unabhängig vom SCORE; als normaler linksventrikulärer Masseindex (LVMI) gelten Werte unter 115 g/m² bei Männern und unter 95 g/m² bei Frauen.

Zielwerte und Evidenz zur Intensivierung

Als therapeutischer Zielwert gilt in Fachübersichten ein Bereich von 120–130/70–80 mm Hg, wobei für ältere und fragile Personen Ausnahmen vorgesehen sind. Bei hochbetagten und gebrechlichen Patienten kann laut Fachberichten eine Reduktion der verabreichten Antihypertensiva sinnvoll sein, um Wirksamkeit und Nebenwirkungen gegeneinander abzuwägen.

Angestrebt wird das Erreichen der Zielwerte binnen drei Monaten. Wird die Vorgabe nach einem Monat verfehlt, ist eine Intensivierung auf eine fixe Dreifachkombination vorgesehen.

Die SPRINT-Studie aus dem Jahr 2016 untermauert das Potenzial strenger Blutdrucksenkungen: Bei Hochrisiko-Hypertonikern ab einem Alter von 50 Jahren führte die Absenkung auf systolische Zielwerte von unter 120 mm Hg im Vergleich zum Standardziel von unter 140 mm Hg zu einer Reduktion der Gesamtmortalität um 27 Prozent sowie der kardiovaskulären Todesfälle um 43 Prozent (HR 0,73; p=0,003).

Gleichzeitig stiegen in der intensiv behandelten Gruppe die Nebenwirkungsraten, darunter Hypotonie (2,4 Prozent gegenüber 1,4 Prozent), Synkopen (2,3 Prozent gegenüber 1,7 Prozent) und akute Nierenschädigungen (4,1 Prozent gegenüber 2,5 Prozent).

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Stellenwert von Fixkombinationen

Zur Verbesserung der Therapieadhärenz greifen Behandlungsrichtlinien vermehrt auf fixe Zweifach- und Dreifachkombinationen zurück, insbesondere ab Blutdruckwerten über 160/100 mm Hg oder bei bestehenden Komorbiditäten.

In Übersichten genannte Zweifachkombinationen umfassen unter anderem Candesartan/Amlodipin (8/5 mg, 16/10 mg), Bisoprolol/Amlodipin sowie Bisoprolol/Perindopril. Der generelle Stellenwert von Betablockern in der kardiovaskulären Versorgung nimmt laut Fachberichten zwar ab, da andere Wirkstoffe ihnen den Rang ablaufen, spezifische Indikationen bleiben jedoch bestehen.

So zielt etwa die Kombination aus Ramipril und Bisoprolol auf das RAAS und den Sympathikus ab. Sie eignet sich für Hypertoniker mit erhöhter sympathischer Aktivität, wie Tachykardie oder hyperkinetischer Zirkulation.

Untersuchungen wie die HARVEST-Studie zeigten, dass 15 Prozent der Hypertoniker einen Ruhepuls von über 85 Schlägen pro Minute aufweisen (27 Prozent über 80 Schläge pro Minute); laut der VALUE-Studie ist ein Puls ab 80 Schlägen pro Minute bei Prähypertonikern mit einem 50-prozentigen Anstieg der Gesamtmortalität assoziiert.

Als Dreifachkombinationen kommen Regime wie Perindopril/Amlodipin/Indapamid sowie Atorvastatin/Perindopril/Amlodipin zum Einsatz. Eine Post-hoc-Analyse der ADVANCE-Studie belegt, dass eine Dreifachkombination die Gesamtmortalität um 28 Prozent und die kardiovaskuläre Mortalität um 24 Prozent im Vergleich zu Therapien ohne ACE-Hemmer und Diuretikum senkte.

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In Italien vertriebene Präparate spiegeln dieses Stufenschema wider:
- Neo Lotan Plus (Losartan und Hydrochlorothiazid), vertrieben von Neopharmed Gentili S.p.A., ist indiziert bei essenzieller Hypertonie, sofern Losartan oder Hydrochlorothiazid als Monotherapie unzureichend greifen. Das Präparat ist als 50 mg/12,5 mg und 100 mg/25 mg verfügbar. Die übliche Erhaltungsdosis liegt bei 50/12,5 mg einmal täglich (maximal 100/25 mg), wobei der blutdrucksenkende Effekt meist binnen drei bis vier Wochen einsetzt.

Kontraindikationen umfassen schwere Niereninsuffizienz (Kreatinin-Clearance unter 30 ml/min), schwere Leberinsuffizienz sowie das zweite und dritte Schwangerschaftstrimester.
- Irbesartan/Hydrochlorothiazid Pensa, vertrieben von Towa Pharmaceutical S.p.A., steht in Dosierungen von 150/12,5 mg, 300/12,5 mg und 300/25 mg zur Verfügung. Dosen über 300 mg Irbesartan und 25 mg Hydrochlorothiazid täglich werden nicht empfohlen. Bei einer Kreatinin-Clearance unter 30 ml/min wird das Mittel nicht empfohlen; bei schwerer Leberinsuffizienz ist es nicht indiziert.
- Perindopril/Indapamid/Amlodipin EG, vertrieben von EG S.p.A. (STADA-Gruppe), fungiert als Substitutionstherapie für Patienten, deren Blutdruck bereits mit Perindopril/Indapamid plus Amlodipin in gleicher Dosis stabil eingestellt ist.

Die Dosierungen reichen von 5/1,25/5 mg bis 10/2,5/10 mg (jeweils 30 Filmtabletten). Für die 10/2,5-mg-Dosierungen besteht eine Kontraindikation bei mittlerer Niereninsuffizienz (30–60 ml/min); generell kontraindiziert ist das Mittel unter anderem bei schwerer Nieren- und Leberinsuffizienz, Dialyse sowie im zweiten und dritten Trimester einer Schwangerschaft.

Vorgehen bei resistenter Hypertonie

Eine resistente Hypertonie erfordert diagnostisch eine Verifizierung mittels Heimmessungen und eines 24-Stunden-Monitorings. Zu den Ursachen zählen ein Salzüberschuss, Medikamente wie nichtsteroidale Antirheumatika, Nasentropfen oder Kortikosteroide sowie sekundäre Hypertonieformen, etwa Schlafapnoe, Nierenerkrankungen oder Hyperaldosteronismus.

Therapeutisch wird zunächst eine fixe Dreifachkombination aus RAAS-Blocker, Kalziumantagonist und Diuretikum eingesetzt; bleibt der Erfolg aus, wird die Gabe von Spironolacton unter Kontrolle der Nierenwerte und des Kaliumspiegels erwogen. Bei hypertensiven Notfällen mit Werten über 180/120 mm Hg und akuten Symptomen ist unverzüglich der Notruf über die 112 abzusetzen.

Neue Forschungsdaten aus dem Jahr 2026, die bei der 18. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie vorgestellt und im Fachjournal eClinicalMedicine publiziert wurden, deuten darauf hin, dass GLP-1-basierte Therapien bei Adipositas und resistenter Hypertonie künftig eine Alternative zur Viertlinientherapie mit Mineralokortikoidrezeptor-Antagonisten darstellen könnten.

Hingegen ist der Stellenwert interventioneller Verfahren wie der renalen Denervierung (RDN) differenziert zu betrachten. Die Sham-kontrollierte Studie Symplicity HTN-3 wies 2014 keine statistische Überlegenheit des Verfahrens nach: Die systolische Blutdrucksenkung nach sechs Monaten lag bei 14,1 ± 24,0 mm Hg in der RDN-Gruppe gegenüber 11,7 ± 26,0 mm Hg in der Sham-Gruppe (p=0,26).

Zudem wurden 2014 die Studie PRAGUE-15 aufgrund einer vergleichbaren Wirkung intensiver Medikation sowie eine norwegische Untersuchung wegen besserer Ergebnisse konservativer Therapien vorzeitig beendet.

Zwar zeigte das Multielektroden-System EnligHTN 2014 nach zwölf Monaten eine systolische Senkung um 27 mm Hg in der Praxis und um 11 mm Hg in der Langzeitmessung, dies geschah jedoch ohne Kontrollgruppe.

Entsprechend stuften Fachgesellschaften wie die Tschechische Gesellschaft für Hypertonie und die Tschechische Kardiologische Gesellschaft die renale Denervierung bereits 2014 als rein experimentelle Forschungsmethode ein.

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