BMW und Embotech: Eine Million fahrerlose Fahrten an vier Werksstandorten
Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 23:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie BMW AG und das Technologieunternehmen Embotech haben einen Meilenstein in der Fabriklogistik vermeldet: Über das System des werksinternen automatisierten Fahrens (Automated Driving In-Plant, AFW) wurden an vier Produktionsstandorten insgesamt eine Million Fahrzeugbewegungen fahrerlos absolviert.
Wie aus Berichten vom 27. Oktober 2026 hervorgeht, verzeichnet das weltweite Fertigungsnetzwerk des Konzerns inzwischen rund 3.500 dieser automatisierten Fahrten pro Tag.
Das System steuert Neufahrzeuge nach der Montage eigenständig über das Werksgelände. Zum Einsatz kommt die Technologie aktuell in den Werken Dingolfing, Leipzig und Regensburg sowie im britischen MINI-Werk Oxford. Oxford fungiert dabei als vierter AFW-Standort der Gruppe; dort wurden im vergangenen Jahr mehr als 53.000 fahrerlose Fahrzeugbewegungen registriert. Für das Jahr 2027 ist zudem der Rollout im US-Werk Spartanburg vorgesehen.
Externe Sensoren und beschleunigte Skalierung
Die technische Basis von AFW beruht nicht auf fahrzeugeigener Sensorik, sondern auf einer infrastrukturseitigen Steuerung. Externe LiDAR-Sensoren sind entlang der Fahrstrecken installiert und erfassen das Umfeld. Dingolfing, wo das Projekt im Jahr 2022 als Pilot startete, verfügt laut Unternehmensangaben über die größte LiDAR-Infrastruktur Europas.
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Ergänzt wird die CE-zertifizierte Lösung durch eine Cloud-Architektur und Software zur Bewegungsplanung. Da die Erfassung extern erfolgt, funktioniert das System unabhängig von der individuellen Ausstattung der gefertigten Fahrzeuge.
Embotech liefert hierfür die Algorithmen für KI-Perzeption, Prädiktion und Bewegungsplanung sowie eine vom TÜV SÜD zertifizierte Sicherheitsarchitektur. Das Schweizer Unternehmen meldete eine Systemverfügbarkeit von mehr als 99,5 Prozent.
Der Zuwachs an Einsätzen beschleunigte sich zuletzt deutlich: Während für die ersten 500.000 Bewegungen noch ein Zeitraum von 15 Monaten erforderlich war, wurde die zweite halbe Million innerhalb von sieben Monaten absolviert.
Breitere Bestrebungen in der Werksautomatisierung
Parallel zum AFW-System treibt der Automobilhersteller weitere Automatisierungsansätze im Fertigungsumfeld voran. Im Werk Landshut entsteht Entwicklungssoftware für KI-gestützte humanoide Roboter in der Komponentenfertigung. Der Fokus liegt dort auf offenen Softwareplattformen, synthetischen Trainingsdaten, Simulation und Bewegungsplanung.
Verhaltensmodelle werden dabei im Demonstrationsverfahren über Kameras, Motion-Capture-Anzüge und Datenhandschuhe trainiert. Diese Erprobungen außerhalb der laufenden Fertigung ergänzen Pilotprojekte in Leipzig und Spartanburg.
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Am US-Standort Spartanburg absolvierte ein humanoider Roboter vom Typ Figure 02 in einem zehnmonatigen Testlauf rund 1.250 Betriebsstunden sowie rund 1,2 Millionen Schritte bei der Handhabung von mehr als 90.000 Blechteilen für über 30.000 Einheiten des BMW X3.
Auch andere Hersteller und Zulieferer intensivieren die fahrerlose Werkslogistik und Robotik. So testet die Audi AG in Ingolstadt mobile humanoide Systeme des Herstellers Agile Robots zur Teile-Sequenzierung, während Bosch den Produktionsstart seines radgetriebenen Roboters HMND 01 im Werk Bühl für August 2027 vorbereitet.
Die Marke von einer Million absolvierter AFW-Fahrten bei BMW markiert jedoch einen der bisher am weitesten industrialisierten Einsätze im Serienbetrieb.
