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Boston Dynamics und ICE: Fast 300 Beschäftigte protestieren gegen Roboterdeal

Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 17:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Fast 300 Beschäftigte wandten sich gegen den Verkauf von vier Robotern an ICE; die Unternehmensführung hielt dennoch daran fest.
Ein dunkler, verlassener Tunnelzugang aus Beton, der tief in die Erde führt und von einer schwachen Lichtquelle beleuchtet wird. Illustration mit AI erstellt.

Ein Regierungsauftrag zur Lieferung von vier vierbeinigen Spot-Robotern an die US-Einwanderungs- und Zollbehörde ICE sorgt beim Roboterhersteller Boston Dynamics für erheblichen internen Widerstand. Fast 300 Mitarbeiter des Unternehmens unterzeichneten im September 2026 eine interne Petition gegen das Geschäft mit einem Gesamtvolumen von 1,3 Millionen US-Dollar.

Bei einer Belegschaft von 1.400 bis über 1.500 Beschäftigten reichte fast die Hälfte der Unterzeichner ihren Protest anonym ein. Die Beschäftigten äußerten Bedenken hinsichtlich eines drohenden Imageschadens sowie möglicher Nachteile bei der künftigen Talentgewinnung.

Technische Ausstattung und Hintergründe des Regierungsauftrags

Der Vertrag über die Beschaffung wurde von ICE im September 2026 geschlossen. Wie aus Vergabeunterlagen auf der Plattform USAspending hervorgeht, zahlte die Behörde am 25. September 2026 exakt 1.304.296 US-Dollar an den Partner Radeco, Inc. aus Connecticut.

Die Beschaffung erfolgte unter Ausschluss von Wettbewerb über ein einziges Angebot für das Büro für Schusswaffen und taktische Programme. Der Stückpreis für die vier vierbeinigen Roboter liegt inklusive Zubehör bei rund 326.000 US-Dollar, wobei das vereinbarte Lieferfenster vom 25. September bis zum 24. November 2026 reicht.

Radeco liefert die modifizierten Einheiten unter der Bezeichnung „Cerberus“ aus. Die vierbeinigen Laufroboter, die Treppen steigen, unebenes Gelände bewältigen und Türen öffnen können, sind mit einem Roboterarm, einer Wärmebildkamera sowie Sensoren zur Sprengstofferkennung ausgestattet.

Nach Behördenangaben ist der Einsatz primär durch die Ermittlungseinheit Homeland Security Investigations für Fälle transnationaler Kriminalität vorgesehen, nicht durch die Abschiebeabteilung Enforcement and Removal Operations. Die Einheit plant, die Roboter zur Durchsuchung von Tunneln und engen Passagen einzusetzen.

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Boston Dynamics argumentiert, dass die Technologie in solchen Szenarien dem Schutz von Menschen diene. Dasselbe Büro der ICE hatte zudem am 26. August 2026 einen weiteren Einzelauftrag ohne Wettbewerb über 16.700.640 US-Dollar an Compliant Technologies LLC für elektrische Deeskalationsgeräte vergeben.

Ethische Richtlinien und Proteste der Zivilgesellschaft

Die Unternehmensführung hielt trotz der Mitarbeiterpetition an dem Verkauf fest. Die damalige Interims-CEO Amanda McMaster, die inzwischen abgelöst wurde, verwies auf strikte vertragliche Klauseln, die eine Bewaffnung der Roboter sowie deren Nutzung zur Schädigung oder Einschüchterung von Personen ausdrücklich untersagen.

Bereits im Jahr 2022 hatte Boston Dynamics gemeinsam mit anderen Robotikunternehmen einen offenen Brief gegen die Bewaffnung von Allzweckrobotern unterzeichnet. Allerdings nahm dieses Dokument bestehende Technologien für Strafverfolgung, Überwachung, Inspektion und Aufklärung aus.

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Kritiker verweisen dennoch auf ethische Risiken, da die Ermittlungs- und Abschiebeeinheiten der ICE organisatorisch miteinander verknüpft sind. In der Vergangenheit hatte Boston Dynamics bereits Verträge für Polizeianwendungen nach internem Widerstand modifiziert oder gestoppt, darunter ein Konzept mit Irritationskörpern.

Neben dem internen Protest formierte sich auch öffentlicher Widerstand. Vor dem Hauptsitz des Unternehmens in Waltham demonstrierten Aktivisten. In Massachusetts forderten Bürgerorganisationen zudem, staatliche Steuervergünstigungen in Höhe von 25 Millionen US-Dollar für Boston Dynamics zu überprüfen und zu entziehen. Letztlich liegt die Entscheidung über den Verkauf beim Vorstand des Unternehmens und nicht bei den Entwicklern.

Strategische Einbindung in den Mutterkonzern

Boston Dynamics gehört zur Hyundai Motor Group und verfügt über eine lange Historie bei staatlichen Aufträgen: Seit 2001 erhielt das Unternehmen 63 direkte Bundesaufträge im Gesamtwert von 153,4 Millionen US-Dollar, wovon 98,8 Prozent auf das US-Verteidigungsministerium entfielen.

Anfang Oktober 2026 berief das Unternehmen Rohit Prasad, der zuvor bei Amazons Alexa- und KI-Abteilungen tätig war, zum permanenten CEO. Seitens des Mutterkonzerns betonte Jin Eun-sook, Präsidentin für Informations- und Kommunikationstechnologie bei Hyundai und Kia, am 21. Oktober 2026 auf einer Fachveranstaltung, dass man keine Kriegsroboter bauen werde. Hyundai verfügt in diesem Zusammenhang über einen eigenen Ausschuss für KI-Ethik.

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