Botanicals: Über 30.000 Nahrungsergänzungsmittel ohne Vorabprüfung registriert
Veröffentlicht am: 26.09.2026 um 18:13 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Aktuelle Berichte beleuchten zwei gegenläufige Entwicklungen im Gesundheitssektor: Während Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln ihre Kapazitäten ausbauen und weltweite Marktforscher kräftige Zuwächse prognostizieren, verschärft sich auf politischer Ebene die Diskussion über die Kostenübernahme moderner medikamentöser Abnehmhilfen durch die gesetzlichen Krankenkassen.
Wachstumsraten im Segment für Langlebigkeit und Gehirngesundheit
Laut einem Bericht des Marktforschungsunternehmens IndexBox vom 25. September 2026 wird der weltweite Markt für Langlebigkeits-, Anti-Aging- und Gehirngesundheits-Nahrungsergänzungsmittel im Zeitraum von 2026 bis 2035 mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 8,2 Prozent zulegen. Für das Jahr 2035 wird ein Marktindex von 220 erwartet, ausgehend von einem Basiswert von 100 im Jahr 2025.
Den größten Anteil stellt mit geschätzten 28 Prozent das Segment zur Unterstützung kognitiver Funktionen, gefolgt von Produkten zur Gedächtnisverbesserung mit 22 Prozent. Als wesentliche Treiber gelten die alternde Weltbevölkerung, eine präventive Einnahme bei Menschen im Alter von 30 bis 50 Jahren sowie Innovationen bei Inhaltsstoffen wie NAD+-Vorläufern, Senolytika, Omega-3-DHA und Citicolin.
Hemmnisse bilden hohe Forschungs- und Entwicklungskosten, stark konzentrierte Lieferketten sowie uneinheitliche Regulierungen zwischen dem US-amerikanischen DSHEA und den EU-Neuartige-Lebensmittel-Vorgaben. Zu den führenden Anbietern zählen Abbott, Thorne HealthTech, NOW Foods, Life Extension und Haleon.
Auch auf Herstellerebene setzt sich der Ausbau fort. Die Natural Products & Drugs GmbH eröffnete am 25. September 2026 anlässlich ihres 20-jährigen Bestehens einen neuen Standort im österreichischen Spittal mit einem Ladengeschäft, das spätestens Ende Oktober 2026 eröffnet werden soll.
Das Unternehmen, das vor zwei Jahrzehnten aus einem Überschuss von knapp 180 Litern Öl entstand, beschäftigt 15 Mitarbeitende vor Ort sowie zwei im Außendienst und führt 1100 Produkte. Die Jahresproduktion umfasst 30 Millionen Kapseln, 100.000 Flaschen und 60 Tonnen Öle für Eigenmarken wie Primabene, Arthrobene, Biobene, Vertebene sowie die Bio-Matcha-Marken Shinto und Kaizen.
Forderungen nach schärferer Regulierung von Pflanzenstoffen
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Parallel zum Marktwachstum warnen Fachleute vor mangelnden Kontrollen. Wie Berichte vom 26. September 2026 darlegen, wies Prof. Andreas Hensel von der Universität Münster darauf hin, dass im Jahr 2025 in Deutschland über 30.000 Nahrungsergänzungsmittel beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit registriert wurden – ohne behördliche Prüfung vor dem Verkaufsstart.
In einem Schreiben an die Bundesministerien für Landwirtschaft, Ernährung und Wirtschaft fordern Wissenschaftler, Ärzte und Verbraucherschützer verbindlichere Auflagen für sogenannte Botanicals. Da bislang lediglich ein Registereintrag ohne inhaltliche Prüfung nötig sei, bestünden toxikologische Risiken für Verbraucher.
Gefordert werden korrekte Angaben bei der Registrierung, fortlaufende Rohstoffkontrollen sowie eine Überprüfung von Werbeaussagen, angelehnt an strengere Dokumentationspflichten in Frankreich, Belgien und der Schweiz.
Ausgaben für Abnehmpräparate belasten die Kassen
Gleichzeitig wächst der Kostendruck bei verschreibungspflichtigen Therapien gegen Übergewicht. In der Schweiz verursachten Arzneimittel zur Gewichtsreduktion bei Adipositas im Jahr 2024 laut Bundesratsangaben Kosten von rund 50 Millionen Schweizer Franken, wobei von einem weiteren Anstieg ausgegangen wird.
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Der SVP-Nationalrat Mike Egger kündigte am 25. September 2026 einen parlamentarischen Vorstoß an, um die Kostenübernahme durch die obligatorische Krankenpflegeversicherung einzuschränken: Diese solle nur noch bei Personen mit einem Body-Mass-Index von über 30 kg/m² greifen, während Betroffene darunter die Kosten selbst tragen müssten.
In Deutschland ist das GLP-1-Präparat Wegovy seit dem 1. September 2026 auch in Tablettenform erhältlich. Laut Erhebungen von YouGov nutzen schätzungsweise 1,7 Millionen deutsche Haushalte GLP-1-Wirkstoffe; Marktforscher rechnen im kommenden Jahr mit einem Zuwachs von fast 50 Prozent infolge der oralen Darreichungsform.
Wie stark die Nachfrage steigen kann, zeigen Daten aus den USA: Dort kletterte die GLP-1-Nutzung unter Erwachsenen von 1 Prozent im Jahr 2022 über 8 Prozent im Jahr 2025 auf 11 Prozent nach der dortigen Tabletteneinführung im Januar 2026. Während Probanden bis zu 21 Prozent ihres Gewichts verloren, nahmen sie nach dem Absetzen rund zwei Drittel der verlorenen Masse wieder zu.
