Brain-Computer, Interface

Brain-Computer Interface: 92% Genauigkeit im Alltag nach 19 Monaten

18.06.2026 - 13:03:34 | boerse-global.de

Neue BCI-Implantate erreichen 92% Alltagsgenauigkeit. NeuroPace erhĂ€lt 49 Mio. USD fĂŒr Hirnstimulation.

Paradromics und NeuroPace: Meilensteine in der BCI-Forschung
Brain-Computer - Nahaufnahme eines Hirnchips auf der OberflĂ€che eines Gehirns mit leuchtenden neuronalen Pfaden, symbolisiert Fortschritt in der BCI-Technologie. 18.06.2026 - Bild: ĂŒber boerse-global.de

Gleich mehrere Studien und klinische Tests zeigen, wie Brain-Computer Interfaces (BCI) Menschen mit schweren Sprachstörungen helfen können – und das immer zuverlĂ€ssiger.

Erstes Connexus-Implantat bei Patientin eingesetzt

Anfang Juni erreichte die klinische Forschung einen wichtigen Punkt. An der University of Michigan Health erhielt eine Patientin mit Motoneuronerkrankung als erste Person das Connexus-System des Unternehmens Paradromics. Der Eingriff lief im Rahmen der FDA-zugelassenen „Connect-One“-Studie.

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Das System nutzt ein mĂŒnzgroßes Modul mit 421 Platin-Iridium-MikrodrĂ€hten. Diese liegen direkt auf der GehirnoberflĂ€che und zeichnen Signale aus dem Sprachzentrum auf. Ein unter dem SchlĂŒsselbein implantierter Transceiver sendet die Daten drahtlos an externe GerĂ€te. Algorithmen ĂŒbersetzen sie dann in Text oder synthetische Sprache.

Ziel der sechsjĂ€hrigen Beobachtungsstudie: eine dauerhafte, hochperformante Kommunikationslösung fĂŒr Patienten mit komplettem Sprachverlust.

19 Monate BCI im Alltag: 92 Prozent Genauigkeit

Neben neuen Implantationen liefern Langzeitdaten wichtige Erkenntnisse. Eine Studie der University of California, Davis, veröffentlicht am 16. Juni in Nature Medicine, dokumentiert die Erfahrungen eines ALS-Patienten. Er nutzte ein BCI mit 256 Elektroden ĂŒber 19 Monate – und das im hĂ€uslichen Umfeld.

Das im Sommer 2023 implantierte System erreichte eine Sprechgeschwindigkeit von durchschnittlich 56 Wörtern pro Minute. Unter Testbedingungen lag die Wortgenauigkeit bei 99 Prozent, im freien Alltag bei 92 Prozent.

Entscheidend: Nach der anfĂ€nglichen Kalibrierung konnte das Pflegeteam die Technologie ohne stĂ€ndige Forscher vor Ort bedienen. Auch nach ĂŒber 650 Tagen funktionierten noch mehr als 90 Prozent der implantierten Elektroden.

NeuroPace sichert sich 49 Millionen Dollar

Der Neurotechnologie-Sektor konsolidiert sich auch wirtschaftlich. Laut Regulierungsdokumenten vom 17. Juni sicherte sich NeuroPace, spezialisiert auf Hirnstimulation, eine Finanzierungsrunde ĂŒber 49 Millionen US-Dollar. Das Geld fließt in die Weiterentwicklung implantierbarer GerĂ€te gegen neurologische Störungen.

Gleichzeitig zeigt sich eine interessante Synergie: DeepL gab am selben Tag die Übernahme des Technologieteams von Mixhalo bekannt. Ziel ist die Integration von Audio-Technologien mit extrem niedriger Latenz in Übersetzungssysteme – perspektivisch auch relevant fĂŒr die Echtzeit-Sprachausgabe von BCI-Systemen.

In Deutschland baut ein Konsortium unter FĂŒhrung von Infineon Dresden die Chip-Basis aus. Mitte Juni erhielt das Projekt „Supercomp“ eine EU-Förderzusage ĂŒber 12,7 Millionen Euro. Bis Mitte 2028 sollen neue AnsĂ€tze fĂŒr Chipdesign und Fertigung mit KI entstehen. Das könnte langfristig die Rechenleistung fĂŒr komplexe neuronale Implantate erhöhen.

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Wie Nervenzellen die Signalverarbeitung verbessern

Auch die Grundlagenforschung liefert wichtige Erkenntnisse. Ein internationales Team unter Beteiligung der UniversitÀtsmedizin Göttingen veröffentlichte am 18. Juni in Nature Communications eine Studie zur Spezialisierung von Nervenzellen.

Die Forscher untersuchten 483 Neuronen. Ergebnis: Nervenzellen im prĂ€frontalen Kortex haben eine deutlich komplexere Struktur mit mehr Dendriten als Zellen in primĂ€ren Sinnesarealen. Diese aufgabenspezifische Architektur ist fĂŒr die Platzierung und Programmierung kĂŒnftiger Sprach-Implantate hochrelevant. Sie ermöglicht prĂ€zisere Vorhersagemodelle fĂŒr die Signalverarbeitung.

de | wissenschaft | 69572103 |