Brasilien zwingt Krypto-Börsen zu 24-Stunden-Pausen bei Großüberweisungen
Veröffentlicht am: 09.08.2026 um 00:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die brasilianische Zentralbank zwingt Krypto-Börsen künftig zu einer Zwangspause bei großen internationalen Überweisungen. Das soll Betrug und Geldwäsche eindämmen – doch die Branche warnt vor höheren Kosten.
24 Stunden Wartezeit für Großüberweisungen
Ab Anfang 2027 müssen lizenzierte Krypto-Firmen in Brasilien ausgehende Transfers ab 10.000 Dollar (rund 9.100 Euro) für bis zu 24 Stunden anhalten. Das sieht die neue Resolution BCB Nr. 584/2026 vor, die die Zentralbank am 7. August veröffentlichte. Die Regel gilt sowohl für Einzeltransaktionen als auch für kumulierte Tagesbeträge pro Kunde. Betroffen sind Überweisungen an ausländische Krypto-Dienstleister und private Wallets.
Die Behörde betont: Es handelt sich um eine vorübergehende Prüfpause, nicht um ein Einfrieren der Gelder. Auch kleinere Beträge können verzögert werden, wenn interne Überwachungssysteme sie als risikoreich einstufen. Besonders im Fokus: Stablecoins, die zunehmend für grenzüberschreitende Zahlungen genutzt werden.
Branche kritisiert höhere Kosten
Die Maßnahme erweitert einen Regulierungsrahmen aus dem Jahr 2023. Während die Zentralbank den Schutz der Anleger betont, sehen Branchenbeobachter Probleme: Die Auflagen könnten die Compliance-Kosten für Börsen erhöhen und zeitkritische Handelsaktivitäten stören. Das dürfte vor allem kleinere Anbieter treffen, die um ihre Margen fürchten.
Parallel bereitet sich der Markt auf neue Regeln für Zahlungsdienstleister vor, die am 1. November 2026 in Kraft treten. Der Stablecoin-Emittent Tether investierte zuletzt umgerechnet rund 17 Millionen Euro in 2TM, die Muttergesellschaft der Börse Mercado Bitcoin. Das Geld soll in die Zahlungsinfrastruktur und die Expansion in Lateinamerika fließen.
Südafrika plant eigenes Regelwerk
Auch auf dem afrikanischen Kontinent tut sich etwas: Das Finanzministerium und die Zentralbank Südafrikas veröffentlichten am 6. August einen Entwurf für ein Crypto Asset Manual. Es sieht eine Sonderregelung für grenzüberschreitende Krypto-Aktivitäten vor – inklusive zusätzlicher Genehmigungen für Dienstleister.
Krypto-Anbieter sollen künftig entweder 5 Millionen Rand (rund 250.000 Euro) oder 15 Prozent ihres durchschnittlichen positiven Bruttoeinkommens der letzten drei Jahre als Kapital vorhalten. Der Entwurf definiert zudem Kategorien wie Überweisungs- und Verwahrungsdienste. Bei Überweisungen gilt eine Obergrenze von 5.000 Rand pro Transaktion und 25.000 Rand pro Monat.
Für Privatpersonen bleiben die bestehenden Freibeträge von 2 Millionen Rand jährlich (Single Discretionary Allowance) und 10 Millionen Rand für Auslandsinvestitionen (Foreign Capital Allowance) bestehen. Unternehmen sollen strengere Beschränkungen erhalten.
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Globale Regulierungswelle erfasst Asien und Europa
Der Trend ist international: Japanische Finanzaufsicht und Polizei veröffentlichten am 6. August elf Maßnahmen zur Betrugsbekämpfung. Dazu gehören Pflichtwartezeiten für Abhebungen von verdächtigen Konten und die Nutzung vorab registrierter Auszahlungsadressen. Die vollständige Umstellung soll bis März 2027 abgeschlossen sein.
In Thailand arbeitet die Börsenaufsicht an der Einführung der sogenannten Travel Rule noch in diesem Jahr. Die Börse Bitazza Thailand hat ihre Infrastruktur dafür bereits mit dem Anbieter Sumsub fertiggestellt – für den sicheren Datenaustausch mit mehr als 2.100 Dienstleistern.
In der EU steht die Überprüfung der Krypto-Verordnung MiCA an. Eine mögliche Lockerung für Stablecoin-Anbieter aus Drittstaaten wird diskutiert – beeinflusst durch die jüngste Gesetzgebung in den USA. Sollte es dazu kommen, könnten große Emittenten im EU-Markt freier agieren, während die regionale Aufsicht erhalten bleibt.
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Institutionen zeigen weiterhin Interesse
Trotz der strengeren Regeln bleibt die Nachfrage institutioneller Anleger stabil. Einer Studie zufolge erlauben 19 Prozent der im ersten Quartal 2026 aufgelegten offenen Fonds digitale Vermögenswerte. Auf den Kaimaninseln haben sich zwölf tokenisierte Fonds bei der lokalen Währungsbehörde registriert – nach Regeländerungen, die Ende März in Kraft traten.
In den USA erhielt der Stablecoin-Anbieter Circle im Juli die endgültige Banklizenz für seine National Trust. Das Institut verwaltet seit dem 24. Juli Digitalwährungs-Reserven und bietet Verwahrungsdienste an. Ein klares Signal: Trotz aller Regulierung setzen große Player weiterhin auf Krypto.
