Landwirtschaft, Lebensmittel

Der Tomaten- und Paprika-Anbau weltweit gefÀhrdet

04.03.2026 - 10:00:24 | presseportal.de

Braunschweig - Forschende der Abteilung Pflanzenviren am Leibniz-Institut DSMZ-Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen, des italienischen Nationalen Forschungsrats (CNR) und von BASF-Nunhems Italy haben kĂŒrzlich die Ergebnisse ihrer Untersuchungen von resistenzbrechenden StĂ€mmen des Tomato spotted wilt virus (TSWV) in Tomaten- und Paprikafeldern veröffentlicht. Die Ergebnisse, die erstmals das Auftreten sogenannter doppelter resistenzbrechender StĂ€mme (D-RB) des TSWV unter landwirtschaftlichen Bedingungen nachweisen, wurden in der international renommierten Fachzeitschrift Virology publiziert.

Der Tomaten- und Paprika-Anbau weltweit gefÀhrdet - Foto: presseportal.de
Der Tomaten- und Paprika-Anbau weltweit gefÀhrdet - Foto: presseportal.de

Ein neues Szenario in der Landwirtschaft

Die Studie weist auf ein neues Risiko im Umgang mit dem Tomato spotted wilt virus hin. Es ist eines der gefĂ€hrlichsten Pflanzenviren ĂŒberhaupt, da es weltweit eine Vielzahl von Zier- und GemĂŒsepflanzen befĂ€llt, darunter Tomate und Paprika. Bei einer Infektion sinkt der Ertrag der Pflanzen. Infektionen ganzer Felder können zu erheblichen wirtschaftlichen Verlusten fĂŒhren. Traditionell gilt eine Kombination aus dem Anbau resistenter Sorten und der BekĂ€mpfung der Virus-ĂŒbertragenden Insekten als effektivste Strategie gegen TSWV. Die aktuelle Studie zeigt jedoch ein neues Szenario im Feld auf. "Da die Resistenz gegen TSWV bei Tomate und Paprika auf unterschiedlichen Genen beruht, galt eine wechselnde Fruchtfolge beider Kulturen lange als sichere und nachhaltige Methode, um das Risiko von ResistenzdurchbrĂŒchen zu minimieren. Unsere Forschung zeigt nun, dass TSWV-StĂ€mme existieren, die in der Lage sind, die Resistenz beider Pflanzenarten zu ĂŒberwinden", erlĂ€utert Dr. Paolo Margaria, Leiter der Arbeitsgruppe Discovery and Diversity in der Abteilung Pflanzenviren an der DSMZ.

Auswirkungen auf die Praxis und Strategien im Krankheitsmanagement

Die neuen Forschungsergebnisse zeigen, dass bestimmte agronomische Praktiken - wie der Wechselanbau resistenter Sorten oder der gleichzeitige Anbau resistenter Tomaten- und Paprikasorten in unmittelbarer NĂ€he - unbeabsichtigt die Selektion und Verbreitung aggressiverer Virusvarianten begĂŒnstigen könnten.

Dieses Szenario wurde bereits in Italien beobachtet und könnte auch auf andere Regionen weltweit zutreffen. "Unsere Ergebnisse eröffnen neue Erkenntnisse fĂŒr Produktionssysteme, in denen Tomaten und Paprika rĂ€umlich nah angebaut werden, und machen eine Neubewertung derzeitiger landwirtschaftlicher Praktiken und Strategien im Krankheitsmanagement notwendig. Besonders empfehlen wir ein systematisches Screening nach D-RB-StĂ€mmen des TSWV ĂŒberall dort, wo beide Kulturen in unmittelbarer NĂ€he wachsen. Überwachung und angepasste ManagementansĂ€tze sind entscheidend, um Risiko, Ausbreitung und Auswirkungen dieser neuen Virusvarianten zu reduzieren und die ErtrĂ€ge zu sichern", fasst Paolo Margaria zusammen. Von besonderem Interesse im Rahmen der Studie war die genaue molekulare Charakterisierung der Genomsequenzen der D-RB-StĂ€mme, die eine AminosĂ€urerest-Variation im Bewegungsprotein zeigt. Diese ermöglicht es dem Virus, die Resistenz zu durchbrechen, und wurde bislang in Italien nicht nachgewiesen. Insgesamt liefern die Forschungsergebnisse eine wertvolle Grundlage fĂŒr das weitere VerstĂ€ndnis von Resistenzmechanismen und pflanzlichen Abwehrreaktionen bei wichtigen Nutzpflanzenarten.

Originalpublikation

Forgia, M.a, Margaria, P.a, Mammella, M., & Ciuffo, M. (2026). Characterization of Italian resistance-breaking isolates of tomato spotted wilt virus reveals double resistance-breaking strains in tomato and pepper and new insights into the occurrence of the recently reported D122G substitution in the NSm protein. Virology, 110820. aequal contribution - https://doi.org/10.1016/j.virol.2026.110820

Über das Leibniz-Institut DSMZ

Das Leibniz-Institut DSMZ-Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen GmbH ist die weltweit vielfĂ€ltigste Sammlung fĂŒr biologische Ressourcen (Bakterien, Archaeen, Protisten, Hefen, Pilze, Bakteriophagen, Pflanzenviren, genomische bakterielle DNA sowie menschliche und tierische Zellkulturen). An der DSMZ werden Mikroorganismen sowie Zellkulturen gesammelt, erforscht und archiviert. Als Einrichtung der Leibniz-Gemeinschaft ist die DSMZ mit ihren umfangreichen wissenschaftlichen Services und biologischen Ressourcen seit 1969 globaler Partner fĂŒr Forschung, Wissenschaft und Industrie. Die DSMZ ist als gemeinnĂŒtzig anerkannt, die erste registrierte Sammlung Europas (Verordnung (EU) Nr. 511/2014) und nach QualitĂ€tsstandard ISO 9001:2015 zertifiziert. Als Patenthinterlegungsstelle bietet sie die bundesweit einzige Möglichkeit, biologisches Material nach den Anforderungen des Budapester Vertrags zu hinterlegen. Neben dem wissenschaftlichen Service bildet die Forschung das zweite Standbein der DSMZ. Das Institut mit Sitz auf dem Science Campus Braunschweig-SĂŒd beherbergt mehr als 93.600 Bioressourcen und hat rund 210 BeschĂ€ftigte. www.dsmz.de

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DSMZ-Pressekontakt:

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