Breitband-Kluft, Gemeinden

Breitband-Kluft: 96% der Gemeinden ohne schnelles Internet

14.06.2026 - 08:12:57 | boerse-global.de

Eine Verivox-Auswertung zeigt: Nur vier Prozent der Gemeinden haben flächendeckend 50 Mbit/s. Thüringen ist Schlusslicht beim Glasfaserausbau.

Deutschlands digitaler Flickenteppich: 96% der Gemeinden ohne schnelles Internet
Breitband-Kluft - Ein Netzwerk aus leuchtenden Glasfaserkabeln, die sich über eine Deutschlandkarte erstrecken, mit hellen und schattigen Bereichen. 14.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Eine aktuelle Auswertung des Breitbandatlas der Bundesnetzagentur durch Verivox zeigt: Von den 10.520 Gemeinden haben 96 Prozent keinen flächendeckenden Zugang zu Anschlüssen mit mindestens 50 Megabit pro Sekunde (Mbit/s).

Zwar können bundesweit 97,3 Prozent der Haushalte technisch einen 50-Mbit/s-Vertrag buchen – die lokale Realität sieht jedoch anders aus. Rund 2,2 Millionen Menschen sind weiterhin auf langsamere Verbindungen angewiesen. Besonders prekär: 61 Gemeinden haben überhaupt keinen Zugang zu dieser Geschwindigkeit. Der Ausbaufortschritt für diesen Standard betrug im Vergleich zum Vorjahr lediglich 0,72 Prozentpunkte.

Nord-Süd-Gefälle beim Glasfaserausbau

Anzeige: 96% der Gemeinden haben keinen flächendeckenden 50-Mbit/s-Zugang – und der Ausbaufortschritt beträgt nur 0,72 Prozentpunkte pro Jahr. Wer jetzt nicht handelt, verliert den Anschluss. Dieser kostenlose Leitfaden zeigt, wie Sie Fördermittel sichern, Genehmigungsverfahren beschleunigen und Satelliten-Internet als Brückentechnologie nutzen. Jetzt Leitfaden anfordern

Die Verteilung der modernen Glasfaser-Infrastruktur offenbart eine tiefe Kluft zwischen Nord- und Süddeutschland. Bremen führt das Ranking mit einer Verfügbarkeit von 86 Prozent aller Haushalte an. Auch Hamburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen melden Werte zwischen 72 und 80 Prozent.

Ganz anders sieht es im Osten und Süden aus: Mecklenburg-Vorpommern liegt mit 49 Prozent exakt im Bundesdurchschnitt. Schlusslicht Thüringen kommt auf magere 26 Prozent. Um diese Missstände zu beheben, hat das Bundeskabinett im Juni 2026 eine Reform des Telekommunikationsgesetzes auf den Weg gebracht. Ziel: Die Ausbauverfahren beschleunigen.

Die Kommunen testen derweil neue Strategien. In Thüringen startete die Stadt Gotha gemeinsam mit der Deutschen Telekom am 12. Juni ein Pilotprojekt. Es soll den Glasfaserausbau für 24.000 Haushalte und Unternehmen beschleunigen – durch vereinfachte Genehmigungsverfahren, ein eigenes Projektbüro und alternative Bauweisen wie Pflügen und oberirdische Kabelverlegung.

Lokale Erfolge und Rückschläge

In Sachsen-Anhalt kommt der Ausbau nach einer Pleite wieder in Fahrt. In Haldensleben wurde der Glasfaserausbau nach der Insolvenz eines früheren Auftragnehmers wieder aufgenommen. Die Firma „Unsere Grüne Glasfaser" (UGG) meldet: Ein Drittel der Tiefbauarbeiten ist abgeschlossen. Die Fertigstellung ist für 2027 geplant. Anwohner haben noch bis zum 30. September 2026 Zeit, einen kostenlosen Anschluss zu sichern.

In Nordrhein-Westfalen läuft eine doppelte Modernisierung: In Dormagen sind bereits knapp 50 Prozent der Stromzähler digitalisiert (Umstellungsfrist: 2032). Parallel wächst das Glasfasernetz. Der sechste Bauabschnitt im Stadtteil Delrath startete im Frühjahr 2026. Am Ende sollen 13.500 Haushalte und Unternehmen angeschlossen sein.

In Baden-Württemberg gibt es Fortschritte beim Mobilfunk: Der Technische Ausschuss in Dagersheim genehmigte am 12. Juni den Bau eines neuen Sendemasts. Die Anlage soll zunächst 4G bieten, ein 5G-Upgrade ist geplant. Die endgültige Entscheidung fällt der Gemeinderat am 24. Juni.

Satelliten-Internet im Aufwind

Weil der klassische Ausbau an seine Grenzen stößt, gewinnen Satellitenlösungen an Bedeutung. Eine Deloitte-Umfrage vom März und April 2026 zeigt: 39 Prozent der Deutschen interessieren sich für Satelliten-Internet – ein Plus von vier Prozentpunkten gegenüber 2025.

Die großen Anbieter rüsten auf: Die Deutsche Telekom kooperiert mit Starlink, Vodafone mit AST SpaceMobile, O2 Telefónica mit OQ Technology. Doch die Skepsis bleibt: 48 Prozent der Befragten äußerten Bedenken wegen der technologischen Abhängigkeit von ausländischen Anbietern.

Anzeige: 2,2 Millionen Menschen sind noch ohne schnelles Internet – und das Nord-Süd-Gefälle wächst. Besonders betroffen: Thüringen mit nur 26% Glasfaserabdeckung. Doch es gibt Lösungen: Das Gotha-Pilotprojekt zeigt, wie vereinfachte Verfahren den Ausbau für 24.000 Haushalte beschleunigen. Erfahren Sie in diesem Report, wie auch Ihre Kommune profitieren kann. Report jetzt sichern

Wenn der Strom ausfällt, geht auch das Internet

Die Stabilität digitaler Netze hängt maßgeblich von der Zuverlässigkeit der Stromversorgung ab. Ein Vorfall im Stuttgarter Stromnetz am 5. Februar 2026 machte dies schmerzhaft deutlich: Ein Spannungseinbruch von nur 0,06 Sekunden legte weite Teile des Internets und der Mobilfunknetze lahm. Vodafone meldete über 5.000 betroffene Kunden.

Doch nicht nur die Netze selbst sind verwundbar – auch die Zukunftsfähigkeit des Standorts steht infrage. Der Chef von Siemens Energy warnte am 12. Juni: Deutschland drohe im Bereich Künstliche Intelligenz den Anschluss zu verlieren, wenn die Rechenzentrumskapazitäten nicht massiv ausgebaut werden. Aktuell stehen knapp drei Gigawatt (GW) zur Verfügung, geplant sind sechs GW. Doch nicht alle Projekte laufen rund: Der Bau eines Rechenzentrums in Maintal wurde Anfang des Jahres gestoppt.

de | wissenschaft | 69537383 |