Briefwahl-Desaster, USPS

Briefwahl-Desaster: USPS baute Portal in 3 statt 12 Monaten

Veröffentlicht am: 01.09.2026 um 17:04 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Ein Whistleblower kritisiert das neue USPS-Portal als ungetestet. Gericht stoppt die Teilnahmepflicht, während mehrere Bundesstaaten klagen.

USPS-Whistleblower warnt vor fehlerhaftem Briefwahl-Portal
Ein Stapel leerer Briefumschläge auf einem Sortiertisch in einem Postverteilzentrum. Illustration mit AI erstellt.

Ein am 1. September 2026 veröffentlichter Whistleblower-Bericht wirft dem United States Postal Service (USPS) vor, ein ungetestetes und fehlerhaftes Online-Portal für die Abwicklung von Briefwahlen implementiert zu haben.

Die Entwicklung des Systems, die auf eine Anordnung der Trump-Administration zurückgeht, begann im Juni und wurde in weniger als drei Monaten abgeschlossen. Branchenexperten beziffern die übliche Zeitspanne für ein Projekt dieser Größenordnung auf neun bis zwölf Monate.

Systemische Risiken und technische Defizite

Nach Angaben des Whistleblowers weist das System potenziell katastrophale Probleme sowie eine fehleranfällige technische Struktur auf. Ein zentraler Kritikpunkt betrifft die sogenannte Null-Fehler-Toleranz bei der Verarbeitung: Bereits ein einziger Scanfehler bei 10.000 Briefen führe zur Ablehnung einer gesamten Charge.

Der Informant beschrieb die interne Planung als hochgradig problematisch und warnt davor, dass das überstürzte Vorgehen die kommenden Midterm-Wahlen gefährden könnte. Die IT-Bedenken seien der Öffentlichkeit gegenüber bislang verborgen gehalten worden.

Senator Blumenthal, der den Bericht am 1. September öffentlich machte, bezeichnete das Portal als ein Instrument, das potenziell Millionen von Bürgern von der Wahl ausschließen könnte. Fachleute bewerten die Umsetzung in einem Zeitraum von weniger als zehn Wochen als drohende Katastrophe für die Wahllogistik. Zum Vergleich: Im Jahr 2024 wurden Briefwahlunterlagen in den USA in durchschnittlich 1,4 Tagen zugestellt.

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Juristische Auseinandersetzungen und vorläufiger Stopp

Die Umsetzung der administrativen Vorgaben stieß bereits auf rechtlichen Widerstand. Ein Bundesrichter verhängte eine 14-tägige Aussetzung des Plans. Während das Gericht den weiteren technischen Aufbau des Portals vorerst gestattet, wurde eine Teilnahmepflicht untersagt. Die Administration hat gegen diese Entscheidung bereits Berufung eingelegt; Juristen rechnen damit, dass der Fall letztlich vor dem Supreme Court verhandelt wird.

Der zugrunde liegende 95-seitige Plan für die Beschränkung der Briefwahl betrifft über 10.000 Wahlbezirke und bindet die Kapazitäten von 40 Analysten. Die vorgesehenen Änderungen sehen unter anderem vor, dass der USPS Sendungen nur noch an geprüfte Bürger zustellt. Eine ebenfalls diskutierte Neugestaltung der Briefumschläge gilt zum jetzigen Zeitpunkt als logistisch unmöglich.

Regionale Auswirkungen und administrative Hürden

Mehrere Bundesstaaten leisten Widerstand gegen die am 21. August erlassene USPS-Regel, die eine bundesstaatliche Genehmigung von Wahlumschlägen und Wählerlisten fordert. Der Bundesstaat Washington trat Ende August einer entsprechenden Klage bei.

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Nach Einschätzung von Behördenvertretern würde die Einhaltung dieser Vorgaben die Vernichtung von über 5 Millionen bereits vorhandener Umschläge erfordern und eine Validierungszeit von etwa 9,5 Jahren beanspruchen.

In einigen Bundesstaaten zeigen sich bereits Auswirkungen bei der Briefwahlbearbeitung. In Michigan wurden über 10.000 Stimmzettel abgelehnt, was einer Verdopplung gegenüber dem Jahr 2024 entspricht. Auch in Washington und Wisconsin stieg die Zahl verspäteter oder abgelehnter Sendungen deutlich an. Der USPS betont hingegen, dass über 95 % der Sendungen pünktlich zugestellt würden.

Postmaster Steiner verwies angesichts der Kritik auf die Rollenverteilung und erklärte, der Postdienst liefere die Post aus, während andere Stellen die Regeln festlegten. Gleichzeitig warnte er vor einem erneuten Bargeldmangel beim USPS und bat den Kongress um finanzielle Unterstützung. Im Jahr 2024 hatten rund 47 Millionen Wähler – etwa 30 % der Wahlbeteiligten – die Briefwahl genutzt.

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