Brustkrebs: Trastuzumab-Rezetecan verdoppelt Überlebenszeit auf 30 Monate
Veröffentlicht am: 08.09.2026 um 18:21 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Aktuelle Daten aus klinischen Studien und regulatorische Entscheidungen deuten auf signifikante Veränderungen in der onkologischen Behandlungslandschaft hin. Besonders im Bereich des metastasierten Mammakarzinoms sowie bei der Entwicklung neuer Wirkmechanismen und technologischer Infrastrukturen zeigen sich deutliche Fortschritte.
Durchbruch in der Behandlung des metastasierten Mammakarzinoms
In der klinischen Forschung wurden neue Daten zur Wirksamkeit von Trastuzumab-Rezetecan bei Patientinnen mit HER2-positivem (HER2+) metastasiertem Mammakarzinom bekannt. Wie Berichte vom 7. September 2026 zur HORIZON-Breast01-Studie darlegen, konnte unter dieser Therapie ein medianes progressionsfreies Überleben (PFS) von 30,6 Monaten erreicht werden.
Im Vergleich dazu lag das PFS in der Kontrollgruppe, die mit Pyrotinib und Capecitabin behandelt wurde, bei 8,3 Monaten. Das Risiko für ein Fortschreiten der Erkrankung oder den Tod wurde laut den Studienergebnissen um 78 Prozent reduziert (HR 0,22; p<0,0001).
An der in China durchgeführten Untersuchung nahmen 287 Patientinnen teil. Nach zwölf Monaten lag die Rate des progressionsfreien Überlebens unter Trastuzumab-Rezetecan bei 84,7 Prozent, während sie im Vergleichsarm 35,5 Prozent betrug. Hinsichtlich des Sicherheitsprofils wurde eine Neutropenie des Grades 3 oder höher bei 54 Prozent der mit Trastuzumab-Rezetecan behandelten Patientinnen beobachtet, gegenüber 9 Prozent in der Kontrollgruppe.
Regulatorische Entscheidungen und internationaler Marktzugang
Parallel zu den neuen Studiendaten traf der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) am 3. September 2026 eine Entscheidung zur Nutzenbewertung von Imlunestrant. Das Medikament wird bei ER-positivem und HER2-negativem metastasiertem Brustkrebs mit einer ESR1-Mutation eingesetzt.
Ein nicht quantifizierbarer Zusatznutzen wurde ausschließlich für Frauen nach einer vorangegangenen endokrinen Therapie im fortgeschrittenen Stadium festgestellt, gestützt auf Daten der EMBER-3-Studie, die einen Vorteil beim Gesamtüberleben (OS) zeigten. Für Männer oder den Einsatz in früheren Therapielinien sah das Gremium hingegen keinen Beleg für einen Zusatznutzen.
Auf internationaler Ebene befinden sich in China derzeit rund 20 Pharmaunternehmen in Verhandlungen über die Aufnahme von Arzneimitteln in die nationale Krankenversicherung (NRDL). Unter den beteiligten Unternehmen befinden sich unter anderem InnoCare, Beigene sowie Kelun-Biotech.
Beigene verhandelt Berichten zufolge über die Aufnahme von Zanidatamab und Sotorasib-Tabletten. Kelun-Biotech strebt Indikationszusätze für Lukansatuzumab sowie die Neuaufnahme von Bodutrustuzumab an. Die aktualisierte Liste soll im November veröffentlicht werden und ab dem 1. Januar 2027 in Kraft treten.
Innovative Forschungsansätze und technologische Vernetzung
Die onkologische Forschung wird zunehmend durch technologische Initiativen unterstützt. In Nordrhein-Westfalen wurde am 4. September 2026 das KI-Netzwerk AI4CancerCure.NRW mit einem Budget von 200 Millionen Euro gestartet. Beteiligt sind sieben Universitätskliniken sowie die TU Dortmund.
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Ziel ist der Einsatz künstlicher Intelligenz entlang der gesamten onkologischen Versorgungskette. Die Standorte Essen, Bonn und Münster erhalten dabei Förderungen zwischen 25 Millionen und 32,5 Millionen Euro für spezialisierte KI-Zentren.
In der frühen klinischen Forschung identifizierten Forscher der Ohio State University das SET-Protein als potenziellen Angriffspunkt gegen das Glioblastom. In präklinischen Modellen verhinderte das Ausschalten dieses Proteins die Tumorbildung und erhöhte die Strahlenempfindlichkeit.
An der Universität Basel wurde zudem eine Sammlung von 35 Organoidlinien des hepatozellulären Karzinoms für Wirkstoffscreenings genutzt. Dabei zeigte eine Kombination aus Regorafenib, Selinexor und Ixazomib im Mausmodell eine stärkere Hemmung des Tumorwachstums als die jeweiligen Monotherapien.
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Entwicklungspipelines und zukünftige Therapieoptionen
Weitere Entwicklungen betreffen mRNA-basierte Ansätze und spezialisierte Wirkstoffe. Moderna und Merck meldeten positive Ergebnisse für einen mRNA-Impfstoff gegen das Melanom aus einer zulassungsrelevanten Studie. Analysten rechnen bei einer möglichen Marktzulassung im Jahr 2027 mit Umsätzen in Milliardenhöhe.
Heidelberg Pharma plant für den Zeitraum vom 23. bis 26. September 2026 die Präsentation von Daten zu Pamlectabart tismanitin (HDP-101) beim multiplen Myelom auf der IMS 2026 in Glasgow. Das Unternehmen schloss die Phase-I-Studie ab und ermittelte die empfohlene Dosis für die Phase-II (RP2D).
Zudem plant das Unternehmen Veru eine Phase-2b-Studie mit Sabizabulin beim metastasierten Pankreaskarzinom, nachdem präklinische Daten eine Überwindung von Resistenzen andeuteten. Ein entsprechendes Treffen mit der US-Gesundheitsbehörde FDA ist für das vierte Quartal 2026 vorgesehen.
