Burnout, Arbeitsplatz

Burnout am Arbeitsplatz: 51% der Unternehmen melden gestiegene Belastung

Veröffentlicht am: 18.08.2026 um 08:10 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studien belegen: KI-Integration und Arbeitsverdichtung erhöhen den Druck auf Beschäftigte. Viele Arbeitnehmer fühlen sich überfordert und erschöpft.

KI-Überlastung und Dauerstress: Neue Studie zeigt wachsende psychische Belastung in Unternehmen
Eine Frau sitzt nachdenklich an einem ruhigen Schreibtisch in einem modernen Büro und blickt aus dem Fenster. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die zunehmende Integration neuer Technologien in den Berufsalltag führt zu neuen gesundheitlichen Herausforderungen. Ein deutliches Beispiel für diese Entwicklung ist der Fall der B2B-Marketerin Shalirrah Wisney, die im Sommer 2025 einen Burnout infolge eines KI-Überengagements erlitt.

Die Betroffene berichtete von Symptomen wie Angstzuständen und Gewichtsverlust sowie einer Verschlechterung ihrer Morbus-Crohn-Erkrankung. Als Reaktion darauf leitete sie im Herbst 2025 umfassende Maßnahmen ein, darunter eine medizinische Therapie und eine Reduktion ihrer Software-Nutzung auf ein Claude-Abonnement.

Hohe psychische Belastung in Unternehmen

Der Fall steht stellvertretend für einen breiteren Trend in der Wirtschaft. Laut der Randstad-ifo-HR-Befragung aus dem zweiten Quartal 2026 beobachten 51 Prozent der Unternehmen eine gestiegene mentale Belastung ihrer Beschäftigten. Besonders betroffen sind Unternehmen mit einer Größe zwischen 250 und 499 Mitarbeitern, von denen 73 Prozent eine Zunahme der Belastung meldeten.

Als wesentliche Treiber für diesen Zustand wurden in der Befragung Unsicherheit (49 Prozent), Veränderungsprozesse (45 Prozent), eine hohe Arbeitsmenge (37 Prozent) sowie Personalengpässe (35 Prozent) identifiziert. Die psychische Belastung wird dabei maßgeblich durch die Transformation der Arbeitswelt beeinflusst.

Skepsis gegenüber generativer KI im Arbeitsprozess

Der Einsatz von generativer Künstlicher Intelligenz wird von vielen Wissensarbeitern kritisch bewertet. Eine Umfrage von Adaptavist unter 2.500 Beschäftigten, darunter 500 in Deutschland, zeigt ein hohes Maß an Frustration: 41 Prozent der Befragten gaben an, generative KI am liebsten komplett abschaffen zu wollen.

Die Untersuchung nennt hierfür konkrete Gründe: 45 Prozent der Teilnehmer stellten fest, dass minderwertige KI-Ergebnisse ihre Arbeit weniger sinnvoll machten, während 37 Prozent einen Motivationsrückgang verzeichneten. Zudem fühlen sich 25 Prozent in ihrer Kreativität eingeschränkt.

Wirtschaftlich problematisch erscheint die Effizienz der Tools: 39 Prozent der Wissensarbeiter investieren mehr Zeit in die Korrektur von KI-Ergebnissen, als sie einsparen, und 42 Prozent gaben an, dass die Technologie Projekte insgesamt verlangsame.

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Physische Folgen und Bewegungsmangel

Zusätzlich zur mentalen Anspannung wirkt sich der moderne Arbeitsstil auf die physische Gesundheit aus. Der DKV-Gesundheitsreport für das Jahr 2026 belegt, dass die durchschnittliche Sitzdauer in Deutschland auf 613 Minuten pro Tag gestiegen ist, verglichen mit 598 Minuten im Jahr 2023. Besonders junge Erwachsene zwischen 18 und 29 Jahren sitzen täglich bis zu 11 Stunden. Lediglich 30 Prozent dieser Altersgruppe gleichen die Sitzzeit durch Bewegung aus.

Insgesamt erreichen nur 32 Prozent der Deutschen die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für Kraft- und Ausdauertraining. Lediglich 2 Prozent der Bevölkerung erfüllen laut dem Report alle Kriterien für eine gesunde Lebensweise.

Strategien zur Stressbewältigung und Resilienz

Fachleute raten zu gezielten Strategien, um den negativen Folgen von Dauerstress entgegenzuwirken. Der Mediziner Prof. Dr. Hartmut Göbel erläuterte, dass chronischer Stress den Cortisolspiegel erhöhe und dadurch Stoffwechselstörungen sowie Bauchfett begünstige. Er empfahl unter anderem feste Essenszeiten, eine ausreichende Zufuhr von Eiweiß und gesunden Fetten sowie die Supplementierung von Magnesium, Vitamin C und Omega-3-Faztsäuren. Zudem sei eine nächtliche Schlafdauer von mindestens sieben Stunden und eine reduzierte Bildschirmzeit am Abend essenziell.

Die Psychologin Dr. Cortney Warren betonte die Bedeutung der Resilienz in schwierigen Zeiten. Sie schlug konkrete Denkmuster vor, wie die Konzentration auf die eigene Belastbarkeit und die Dankbarkeit für bestehende Ressourcen.

Der Neurowissenschaftler Marcus Raichle wies zudem auf die Funktion des sogenannten Default Mode Network hin. Dieses werde in Ruhephasen aktiviert und sei notwendig, damit sich Gehirn und Körper regenerieren können. Fehlende Erholung erhöhe langfristig das Risiko für Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

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Kritik an modernen Führungsformen und Achtsamkeitskonzepten

Experten warnen jedoch auch vor strukturellen Fallen. Nektaria Tagalidou vom Fraunhofer IAO merkte an, dass Konzepte wie New Work oder Activity-Based Working durch ständige Erreichbarkeit und die Aufhebung der Grenze zwischen Privat- und Berufsleben zu Dauerstress führen können.

Eine kritische Einordnung lieferte zudem Kathrin Fischer in ihrem Werk „Achtsam geht die Welt zugrunde“. Sie kritisierte, dass der aktuelle Achtsamkeits-Boom Stress zunehmend individualisiere und politisch entkerne. Fischer warnte davor, Glück zur moralischen Pflicht zu erheben und negative Emotionen als persönliches Versagen umzudeuten.

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