Burnout, Arbeitsplatz

Burnout am Arbeitsplatz: Ausfalltage bei AOK-Versicherten steigen um 77 Prozent

Veröffentlicht am: 08.10.2026 um 22:10 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Burnout-Ausfalltage bei AOK-Versicherten stiegen binnen zehn Jahren um 77 Prozent; psychisch bedingte Krankheitsfälle dauern besonders lange.

WIdO-Report 2026: Psychische Erkrankungen treiben Fehltage nach oben
Ein unbesetzter, ruhig wirkender moderner Büroarbeitsplatz in der Dämmerung mit leeren Stühlen und ausgeschalteten Monitoren. Illustration mit AI erstellt.

Der WIdO-Fehlzeiten-Report 2026 verzeichnet eine deutliche Zunahme psychischer Erkrankungen am Arbeitsplatz. Bei den AOK-versicherten Beschäftigten stiegen die Ausfalltage aufgrund von Burnout-Diagnosen um 77 Prozent an: von 11,0 Tagen je 100 Mitglieder im Jahr 2016 auf 19,5 Tage im Jahr 2025. Der Bericht des Wissenschaftlichen Instituts der AOK basiert auf den Daten von 14,9 Millionen erwerbstätigen Versicherten und verdeutlicht eine langfristige Verschiebung des betrieblichen Krankheitsgeschehens.

Steigende Fehltage und lange Ausfallzeiten

Laut Angaben des AOK-Bundesverbands legten die Fehlzeiten wegen psychischer Erkrankungen innerhalb eines Zehnjahreszeitraums um 42 Prozent zu, von 284 AU-Tagen je 100 Mitglieder im Jahr 2016 auf 403 Tage im Jahr 2025. Obwohl psychische Leiden im Jahr 2025 rechnerisch 14,1 Arbeitsunfähigkeitsfälle je 100 Mitglieder verursachten – im Vergleich zu 80,3 Fällen durch Atemwegserkrankungen –, fallen die Ausfallzeiten überdurchschnittlich lang aus. Ein psychisch bedingter Fall dauerte im Schnitt 28,5 Tage, während Atemwegserkrankungen im Schnitt nach 5,7 Tagen endeten.

Die gesamten Fehlzeiten lagen 2025 bei 23,3 AU-Tagen je AOK-Mitglied, nach 24,5 Tagen im Jahr 2022 sowie jeweils 23,9 Tagen in den Jahren 2023 und 2024. Im ersten Halbjahr 2026 lagen die Gesamtausfälle unter dem Niveau des Vorjahreszeitraums.

Ohne den statistischen Effekt der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung bezifferte das WIdO den Wert für 2025 auf 20,8 Tage. Auch bei Versicherten anderer Kassen zeigt sich der Trend: Bei DAK-Versicherten stiegen die psychischen Leiden im ersten Halbjahr 2026 um 9 Prozent und stellten erstmals die meisten Fehltage dar.

Hohe Belastungen im Dienstleistungs- und Pflegebereich

Häufige Diagnosen im WIdO-Fehlzeiten-Report 2026 sind depressive Episoden, wiederkehrende depressive Störungen sowie Anpassungsstörungen. Bei den psychisch bedingten Arbeitsunfähigkeitsfällen je 100 Mitglieder traten 2025 die höchsten Werte im Dialogmarketing mit 39,0 Fällen auf.

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Dahinter folgten die Haus- und Familienpflege mit 25,6, die Altenpflege mit 24,9, die Heilerziehungspflege und Sonderpädagogik mit 24,6 sowie die Kinderbetreuung mit 23,0 Fällen.

WIdO-Geschäftsführer Helmut Schröder betonte, dass soziale Berufe wie Callcenter-Tätigkeiten, Pflege und Kinderbetreuung besonders betroffen seien. Während der Bundesdurchschnitt bei 17,4 Krankschreibungen je 100 Beschäftigte lag, erreichten die Fachkrankenpflege 31,2 und die Altenpflege 29,5 Krankschreibungen.

Regionale Auswertungen bestätigen diese Verteilung: Bei der AOK Hessen kletterten die Fehltage wegen psychischer Erkrankungen 2025 auf 411 je 100 Beschäftigte (2016: 304).

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Die AOK Bayern registrierte ein Plus von knapp 41 Prozent auf 349 Fehltage sowie einen Zuwachs bei den Burnout-Ausfalltagen um 83 Prozent auf 16,1 Tage. In Thüringen wies die AOK Plus für 2025 einen Anstieg der Burnout-Fehltage um rund 109 Prozent auf 21,4 Tage je 100 Mitglieder aus.

Wirtschaftliche Folgen und Debatte über Gegenmaßnahmen

Die Entwicklung schlägt sich in den Sozialkassen nieder. Im Jahr 2025 betrugen die Krankengeld-Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung 21,6 Milliarden Euro, was 6,1 Prozent der GKV-Gesamtausgaben entsprach (vor zehn Jahren: 11,2 Milliarden Euro bzw. 5,2 Prozent).

Zwischen 2021 und 2025 stiegen die Krankengeldfälle wegen psychischer Erkrankungen um 25 Prozent und die entsprechenden Ausgaben um 54 Prozent, während die Ausgaben für somatische Erkrankungen um 27 Prozent zulegten.

Als Ursachen identifiziert die AOK politische Krisen, Arbeitsverdichtung, ständige Erreichbarkeit sowie die häusliche Pflege von Angehörigen. AOK-Chefin Carola Reimann hob hervor, dass Arbeit zugleich auch ein Schutzfaktor sei.

In einer Befragung von rund 2500 Beschäftigten für den WIdO-Report gaben 74,8 Prozent an, sich in den vergangenen vier Wochen durch die Arbeit erschöpft gefühlt zu haben. 33,8 Prozent dachten in ihrer Freizeit an berufliche Probleme, und jeder Vierte ging krank zur Arbeit. Sorgen um die allgemeine Wirtschaftslage äußerten 51,9 Prozent der Befragten.

Pläne der Koalition aus Union und SPD, eine Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag einzuführen und die telefonische Krankschreibung abzuschaffen, bezeichnete die AOK als reine Symbolpolitik. Der Anteil telefonischer Krankschreibungen betrug laut WIdO zuletzt 1,7 Prozent.

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