Burnout-Risiko, CEOs

Burnout-Risiko: 60 Prozent der CEOs fürchten Zusammenbruch

Veröffentlicht am: 25.08.2026 um 11:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Wertschätzende Kommunikation, klare Regeln und gezielte Pausen beugen Überlastung vor. CEOs berichten von wachsendem Druck durch Cyber-Risiken und KI.

Psychische Gesundheit am Arbeitsplatz: Expertenrat zu Feedback, KI-Stress und Erholung
Ein leerer, aufgeräumter Büroarbeitsplatz in einer ruhigen, lichtdurchfluteten Umgebung, der eine Atmosphäre der Entspannung vermittelt. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

In der modernen Arbeitswelt gewinnt die psychische Gesundheit von Mitarbeitern und Führungskräften zunehmend an Bedeutung. Aktuelle Expertenempfehlungen und Studien verdeutlichen, dass insbesondere die Art der Kommunikation und strukturelle Rahmenbedingungen entscheidend sind, um Überlastungen und den damit verbundenen Leistungsabfall zu verhindern.

Wertschätzende Kommunikation als Präventionswerkzeug

Psychologen weisen verstärkt darauf hin, dass die Qualität von Rückmeldungen maßgeblich das Arbeitsklima beeinflusst. Der Psychologe Ramzi Fatfouta und der Psychotherapeut Pablo Hagemeyer raten in diesem Zusammenhang dazu, kritisches Feedback niemals vor versammelter Mannschaft zu geben.

Stattdessen solle ein Vieraugengespräch gewählt werden. In diesem Rahmen sei es wichtig, zunächst den erbrachten Beitrag des Gegenübers anzuerkennen, bevor die konkrete Wirkung des kritisierten Verhaltens benannt wird.

Sollten Teams bereits durch hohe Krankheitsquoten, die Abwanderung von Leistungsträgern oder unversöhnliche Lagerbildungen belastet sein, empfehlen Fatfouta und Hagemeyer ein konsequentes Vorgehen. In solchen Fällen seien klare Regeln und spürbare Konsequenzen sowie die Einbeziehung externer Unterstützung notwendig, um die Arbeitsfähigkeit wiederherzustellen.

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Wachsender Druck auf Führungsebene und durch neue Technologien

Nicht nur Angestellte, sondern auch die Führungsebene steht unter erheblichem Stress. Eine Umfrage unter 100 CEOs durch das Unternehmen Cohesity im August 2026 verdeutlicht das Ausmaß: 77 Prozent der Befragten fühlen sich durch ihre Verantwortung im Bereich Cybersecurity unter Druck gesetzt.

In der Folge fürchten 60 Prozent der CEOs ein Burnout, während sich lediglich 49 Prozent ausreichend auf die Herausforderungen vorbereitet fühlen. Zu zu den größten Sorgen zählen rechtliche Haftung (41 Prozent) und Rufschädigung (34 Prozent).

Deutsche CEOs schnitten im Vergleich zu Kollegen aus Frankreich und Großbritannien schlechter ab: Nur 13 Prozent gaben an, innerhalb von fünf Minuten über Vorfälle informiert zu sein, während dies in Frankreich 30 Prozent leisten können.

Zusätzlich trägt die Einführung Künstlicher Intelligenz (KI) zur Arbeitsverdichtung bei. Die Soziologin Sabine Pfeiffer von der FAU Erlangen-Nürnberg weist darauf hin, dass die in der Harvard-Studie „AI Brain Fry“ beschriebene Überlastung weniger auf der Technik selbst, sondern auf dem damit verbundenen Profitstreben basiere.

Unternehmen erwarteten oft Einsparungen, ließen den Beschäftigten jedoch nicht die notwendige Zeit, um die Ergebnisse der KI auf Fehler oder Halluzinationen zu überprüfen.

Strategien zur Erholung und Früherkennung

Um der Erschöpfung entgegenzuwirken, spielen Urlaub und gezielte Pausen eine zentrale Rolle. Die Gesundheitspsychologin Sonia Lippke erläutert, dass ein Urlaub bis zu einem Monat lang positiv auf die Psyche wirken kann, bevor dieser sogenannte Fade-out-Effekt nachlässt.

Gesetzlich seien zwei Wochen Urlaub am Stück ideal für die Regeneration. Um den Erholungseffekt im Berufsalltag zu verlängern, empfiehlt Lippke, die Abwesenheitsnotiz über die Rückkehr hinaus stehen zu lassen und Aufgaben bereits vor dem Urlaub konsequent abzuschließen.

Für die Früherkennung von Fehlzeiten-Risiken im Team bietet Dr. Anne Katrin Matyssek über „do care!“ seit August 2026 ein kurzes Online-Quiz an. Mit fünf Fragen in etwa zwei Minuten können Führungskräfte eine Einschätzung vornehmen und erhalten konkrete nächste Schritte.

Bei bereits bestehender Erschöpfung raten Fachportale wie artgerecht.com zu einer umfassenden Diagnostik, die unter anderem Blutbilder zur Prüfung von Eisen-, B12- oder Vitamin-D-Mängeln umfasst.

Rechtliche Rahmenbedingungen bei krankheitsbedingten Ausfällen

Auch der rechtliche Rahmen für den Umgang mit Langzeiterkrankungen hat sich konkretisiert. Das Bundesarbeitsgericht (BAG) prüft krankheitsbedingte Kündigungen in drei Stufen, wobei eine negative Gesundheitsprognose und erhebliche betriebliche Beeinträchtigungen vorliegen müssen.

Ein Urteil vom 7. Mai 2026 betont zudem die Bedeutung des Betrieblichen Eingliederungsmanagements (BEM). Gemäß § 167 Abs. 2 SGB IX ist ein BEM verpflichtend, wenn ein Mitarbeiter innerhalb eines Jahres länger als sechs Wochen arbeitsunfähig ist. Ein fehlendes BEM erschwert es Arbeitgebern erheblich, die Verhältnismäßigkeit einer Kündigung vor Gericht zu belegen.

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