Burnout-Risiko: 73,6% der belasteten Auszubildenden denken an Abbruch
Veröffentlicht am: 11.09.2026 um 03:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die zunehmende Integration von Künstlicher Intelligenz (KI) in die Arbeitswelt führt bei Berufseinsteigern zu wachsendem psychischem Druck. Experten und Ratgeber thematisieren verstärkt die Anforderungen, die durch den technologischen Umbruch entstehen, und bieten Strategien zur Burnout-Prävention am Arbeitsplatz an.
Im Fokus steht dabei die Verunsicherung einer Generation, die sich mit veränderten Einstiegshürden und neuen Qualifikationsprofilen konfrontiert sieht.
Generation Z zwischen Umbruch und Perspektivlosigkeit
Ein Jugendforscher bezeichnet die sogenannte Generation Z in diesem Zusammenhang als „lost generation“. Die jungen Erwachsenen seien durch die KI-bedingten Umbrüche am Arbeitsmarkt zunehmend verunsichert und perspektivlos. Diese Entwicklung berge zudem die Gefahr eines politischen Aufwinds für Parteien wie die AfD.
Während sich Personen mit mittleren Bildungsabschlüssen und Handwerksausbildungen laut der Analyse am wenigsten Sorgen machen müssen, trifft die Transformation vor allem jene Bereiche, in denen Einstiegsaufgaben künftig automatisiert werden könnten.
Daten der PISA-Studie aus dem Jahr 2025 verdeutlichen die Problematik bei den Grundkompetenzen: 34 % der 15-Jährigen in Deutschland verfehlen das Grundniveau in Mathematik, 32 % im Lesen und 27 % in den Naturwissenschaften. Zum Vergleich lagen diese Werte im Jahr 2015 noch bei jeweils etwa 16 % bis 17 %.
Auch der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) stellt fest, dass grundlegende Kompetenzen zunehmend fehlen. Gleichzeitig ergab eine Randstad-ifo-Befragung aus dem Jahr 2025, dass 40 % der Unternehmen planen, KI innerhalb von drei Jahren gezielt für Einstiegsaufgaben einzusetzen.
Mentale Belastung in der Ausbildung und im Job
Die psychischen Folgen dieser Entwicklung sind bereits in der Ausbildung sichtbar. Laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung und des IW sind zwar 88 % der Auszubildenden grundsätzlich zufrieden, doch 22 % erwägen einen Abbruch. Unter den psychisch Belasteten steigt dieser Anteil auf 73,6 %.
Als Hauptgrund für einen Abbruch nennen 39,6 % der Betroffenen die mentale Belastung. Ein strukturelles Problem besteht darin, dass nur 18,5 % der Betriebe von den psychischen Problemen ihrer Nachwuchskräfte wissen, während 34,5 % der Betroffenen Nachteile befürchten, wenn sie das Thema offen ansprechen.
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Auch über die Ausbildung hinaus bleibt das Stressniveau hoch. Die Mavie Stress-Studie 2026 zeigt für Österreich, dass 83 % der Beschäftigten trotz mentaler Erschöpfung zur Arbeit gehen. 67 % gaben an, oft oder sehr oft gestresst zu sein, wobei 60 % den Job als größten Stressfaktor identifizierten.
Laut einer weiteren Umfrage in Österreich aus dem Jahr 2026 hat sich das Stressniveau bei 40 % der Befragten in den letzten ein bis zwei Jahren erhöht. Als Gründe für die Arbeit trotz Erschöpfung wurden finanzieller Druck (39 %), der Wunsch, keine Schwäche zu zeigen (33 %), sowie ein schlechtes Gewissen (32 %) angeführt.
Strategien und Forderungen der Arbeitsmarktforschung
In Deutschland wird die Situation für Berufseinsteiger laut Arbeitsmarkt-Forschern des IAB und des Ifo-Instituts primär durch die Rezession erschwert, wobei KI lediglich einen von vielen Faktoren darstellt.
In den USA lässt sich bereits eine Beschäftigungslücke in KI-exponierten Berufen beobachten: Dort ist die Beschäftigung der 22- bis 25-Jährigen seit Ende 2022 um knapp ein Fünftel schwächer gewachsen als in Bereichen mit geringerer KI-Betroffenheit.
Angesichts dieser Herausforderungen fordern Organisationen wie die Gewerkschaft Syndicom umfassende Mitwirkungsrechte, Entlastungsmaßnahmen sowie ein Recht auf Weiterbildung und Gewinnbeteiligung. Auch der Wunsch nach psychosozialen Angeboten am Arbeitsplatz ist groß: 54 % der Befragten in der Mavie-Studie sehen solche Angebote als wichtiges Kriterium bei der Jobsuche an.
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Technologische Risiken und unkontrollierte Nutzung
Ein weiteres Stressmoment resultiert aus der unsicheren Handhabung der Technologie. Laut der Konstanzer KI-Studie vom Mai 2026 nutzen zwar 38 % der Erwerbstätigen KI bei der Arbeit, jedoch verwenden nur 55 % ein offiziell vom Arbeitgeber eingeführtes Tool. Insbesondere in kleinen Organisationen fehlen oft Trainings (11 %) und verbindliche Regeln (10 %).
Diese „Schatten-KI“ birgt Risiken: Eine Studie von Veeam aus dem April 2026 belegt, dass in 81 % der deutschen Unternehmen KI-Workflows ohne vollständige Kontrolle mit sensiblen Daten interagieren.
Marktforscher von Gartner weisen darauf hin, dass Unternehmen, die KI-Produktivitätsgewinne lediglich zur Kosteneinsparung nutzen, Gefahr laufen, bis 2027 von Wettbewerbern überholt zu werden. Analysten raten daher zu einer sogenannten Talent-Remix-Strategie, um den neuen Anforderungen gerecht zu werden.
