Calcium und Vitamin D: 16 Prozent weniger Hüftfrakturen
Veröffentlicht am: 23.07.2026 um 08:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine aktuelle Metaanalyse aus Kanada bestätigt: Die gemeinsame Einnahme von Calcium und Vitamin D beugt schweren Knochenbrüchen vor. Besonders Hüftfrakturen treten seltener auf.
Die im Juli veröffentlichte Studie zeigt eine Risikoreduktion von 16 Prozent bei Hüftfrakturen im Vergleich zu Placebo. Andere Knochenbrüche gingen um 9 Prozent zurück. „Die absolute Risikoreduktion liegt bei 0,3 Prozent“, erklärt Dr. Friederike Thomasius. Auf Bevölkerungsebene bedeutet das aber Tausende vermiedene Verletzungen.
In Deutschland registrieren Ärzte jährlich 130.000 bis 160.000 Hüftfrakturen. Die Kosten pro Fall: mindestens 20.000 Euro. Eine gezielte Supplementierung bei Risikopatienten könnte das Gesundheitssystem demnach um 7,8 bis 9,6 Millionen Euro jährlich entlasten. Die aktuelle Osteoporose-Leitlinie empfiehlt die Kombination für gefährdete Gruppen.
Vorsicht bei der Präparate-Wahl
Doch nicht jedes Mittel aus der Apotheke taugt. Die Stiftung Warentest untersuchte im Januar 25 Vitamin-D-Präparate – nur zwei schnitten empfehlenswert ab, fünf waren ungeeignet.
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Hauptkritikpunkt: Viele Produkte überschreiten die vom Bundesinstitut für Risikobewertung empfohlene Tagesdosis von 20 Mikrogramm (800 IE). Eine chronische Überdosierung droht – mit Folgen wie Hyperkalzämie und Nierenschäden. Das Robert Koch-Institut schätzt, dass derzeit nur 44 Prozent der Erwachsenen ausreichend versorgt sind. Vor hochdosierter Einnahme raten Experten zu einer Blutanalyse.
Sonne reicht nicht – besonders für Ältere
Der verbreitete Tipp „Sonne tanken“ greift zu kurz. Eine Studie der Newcastle University mit 299 Teilnehmern in Nordengland zeigt: Vor allem Menschen über 65 und Personen mit dunkler Haut bleiben unterversorgt.
Selbst in den sonnenreichen Monaten Juni bis August wiesen 56 Prozent der Über-65-Jährigen zu niedrige Werte auf (unter 50 nmol/l). Bei Erwachsenen mit dunkler Haut lag der Anteil bei über 72 Prozent. Die natürliche Synthese reicht bei diesen Gruppen oft nicht aus, um die Speicher fürs ganze Jahr zu füllen.
Vitamin D hilft auch bei Krebstherapie
Die Forschung entdeckt zunehmend neue Einsatzgebiete. Eine Studie im Fachblatt JAMA Dermatology untersuchte hochdosiertes Vitamin D (100.000 IE) bei Hautschäden durch Strahlen- oder Chemotherapie. Bei 87 Prozent der 33 Probanden besserten sich die Beschwerden innerhalb von fünf Tagen – oft ermöglichte das eine Fortsetzung der Krebsbehandlung.
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Das Deutsche Krebsforschungszentrum liefert zudem Hinweise: Eine optimale Vitamin-D-Versorgung könnte die Krebssterblichkeit um etwa 12 Prozent senken.
Parallel dazu forscht die Universität Graz an Vitamin-E-Metaboliten. Im Mausmodell bremsten bestimmte Langketten-Metaboliten chronische Entzündungen und förderten Heilungsprozesse – ohne die Immunabwehr zu beeinträchtigen.
Neue Wege für die Knochengesundheit
In der Grundlagenforschung zeichnen sich weitere Ansätze ab. Wissenschaftler der University Missouri veröffentlichten Untersuchungen zur Reduktion der Myostatin-Aktivität. Im Mausmodell verbesserte das die Knochendichte – vielversprechend für die Behandlung der Glasknochenkrankheit (Osteogenesis imperfecta).
Eine neue transkriptomische Karte entschlüsselt zudem die Kommunikation zwischen Knochen- und Muskelzellen. Sie identifizierte 13 zentrale Signalwege, darunter Kollagen- und VEGF-Signale. Das vertieft das Verständnis für die Regeneration des Bewegungsapparates und könnte künftige Therapien über die reine Supplementierung hinaus ermöglichen.
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