Calprotectin-Test, Sensitivität

Calprotectin-Test: 93 Prozent Sensitivität können Darmspiegelungen vermeiden

Veröffentlicht am: 10.10.2026 um 10:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Ballaststoffreiche Kost und Fasten beeinflussen Darmpassage und Entzündungsmarker; Calprotectin hilft, chronische Darmentzündungen abzuklären.

Hülsenfrüchte, Darmflora und Entzündungen: Was Studien zeigen
Verschiedene getrocknete Hülsenfrüchte wie Linsen, Kichererbsen und Bohnen auf einem dunklen Holztisch Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle Ratgeber und Gesundheitsberichte widmen sich verstärkt den Auswirkungen von Hülsenfrüchten auf das Verdauungssystem sowie der Bedeutung von Magen-Darm-Entzündungen für das körperliche Wohlbefinden.

Wissenschaftliche Erhebungen und ernährungsmedizinische Analysen zeigen dabei, wie pflanzliche Ballaststoffe das Mikrobiom steuern, Entzündungsmarker verändern und welche Kriterien bei der Abklärung gastrointestinaler Beschwerden maßgeblich sind.

Fermentation von Ballaststoffen und Wirkungen im Stoffwechsel

Hülsenfrüchte stellen eine zentrale Ballaststoffquelle dar und liefern unterschiedliche Pflanzenfasern für verschiedene Darmbakterien. Bestimmte Mikroorganismen im Dickdarm fermentieren diese unverdaulichen Ballaststoffe zu kurzkettigen Fettsäuren. Diese Stoffwechselprodukte dienen den Darmepithelzellen als primäre Energiequelle und beeinflussen darüber hinaus Steuerungs- und Signalprozesse des Organismus, die bis zur Gehirnfunktion reichen.

Ernährungsexperten betonen, dass ein stabiles Mikrobiom nicht auf einzelne Präparate reduziert werden kann. Eine breite Zusammensetzung der täglichen Nahrung mit Gemüse, Hülsenfrüchten, Hafer, Nüssen, Samen, Beeren sowie fermentierten Lebensmitteln unterstützt die bakterielle Vielfalt.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt Erwachsenen eine Zufuhr von mindestens 30 Gramm Ballaststoffen pro Tag, während der tatsächliche Durchschnittswert in der Bevölkerung bei 18 bis 20 Gramm liegt.

Zu den pflanzlichen Ballaststoffen zählt unter anderem Lignozellulose aus Getreide, Hülsenfrüchten und Holz, die Wasser bindet, aufquillt, die Darmbewegung stimuliert und als Nahrung für Bakterien dient. In zu hohen Mengen kann sie jedoch Blähungen oder Durchfall auslösen und die Nährstoffaufnahme mindern.

Wissenschaftliche Befunde zu Entzündungsmarkern und Transitzeiten

Einflüsse der Ernährung auf Darmentzündungen wurden unter anderem an der Universität Hohenheim untersucht. In einer Vergleichsstudie zeigten eine ballaststoffreiche Kost sowie zeitweises Fasten trotz unterschiedlicher Zusammensetzungen der Bakteriengemeinschaften nahezu identische quantitative Effekte: Beide Ernährungsformen verkürzten die Darmpassage, reduzierten die mikrobielle Dichte im Stuhl, senkten die Zahl ausgeschiedener Mikroorganismen und führten zu einer messbaren Reduktion von Entzündungsmarkern im Darm. Eine fettreiche Ernährung bewirkte hingegen längere Transitzeiten und eine höhere mikrobielle Dichte.

Anzeige

Was haben Gelenkschmerzen, Verdauungsprobleme und ständige Müdigkeit gemeinsam? Die überraschende Antwort sowie die 12 stärksten natürlichen Entzündungs-Killer finden Sie in diesem kostenlosen Ratgeber. Kostenlosen PDF-Ratgeber zur antientzündlichen Ernährung sichern

Neben klassischen Bohnen oder Linsen zählen botanisch auch Erdnüsse zu den Hülsenfrüchten. Pro 100 Gramm enthalten sie etwa 567 Kilokalorien, 48 Gramm Fett, 30 Gramm Eiweiß und 12 Gramm Ballaststoffe.

Forschende des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke und der Universität Barcelona identifizierten im Rahmen der Interventionsstudie ARISTOTLE und von Daten der EPIC-Potsdam-Kohorte eine spezifische Signatur im Lipidprofil, die sogenannte Peanut Lipidomic Signature.

Diese Signatur war mit einem verringerten Risiko für Typ-2-Diabetes assoziiert, was weitgehend durch den Body-Mass-Index vermittelt wurde, nicht jedoch mit einer Risikoreduktion für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Reizdarmsyndrom und differenzierte Diagnostik bei Entzündungen

Beschwerden im Magen-Darm-Trakt sind weit verbreitet. Laut einer Meta-Analyse von Lovell und Ford aus dem Jahr 2012 betrifft das Reizdarmsyndrom weltweit rund 11 Prozent der erwachsenen Bevölkerung. Eine Auswertung von 24 Studien durch Pittayanon und Kollegen aus dem Jahr 2019 wies darauf hin, dass bei Betroffenen die Bakteriengattungen Faecalibacterium und Bifidobacterium vermindert sind, während Enterobacteriaceae vermehrt auftreten.

Anzeige

Wer sich mit der Entstehung von Entzündungen im Körper befasst, sollte auch die eigenen Blutwerte richtig interpretieren können. Dieser kostenlose Report erklärt verständlich, welche Werte wirklich wichtig sind und wie Sie Fehldiagnosen vermeiden. Gratis-Report: Laborwerte-Selbstcheck jetzt herunterladen

Treten gastrointestinale Probleme auf, unterscheiden Mediziner zwischen funktionellen Störungen und entzündlichen Erkrankungen. Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen lassen sich unter anderem über Stuhltests differenzieren: Ein Calprotectin-Wert unter 50 Mikrogramm pro Gramm macht eine chronische Entzündung sehr unwahrscheinlich, während Werte über 200 Mikrogramm pro Gramm auf eine aktive Darmentzündung hindeuten.

Eine Meta-Analyse von van Rheenen und Kollegen aus dem Jahr 2010 belegte für den Calprotectin-Test eine Sensitivität von 93 Prozent und eine Spezifität von 96 Prozent, wodurch die Notwendigkeit von Darmspiegelungen bei Erwachsenen um 67 Prozent sank.

Zu den ärztlich abzuklärenden Warnzeichen zählen Blutbeimengungen im Stuhl, Fieber, Nachtschweiß und ein unbeabsichtigter Gewichtsverlust von über fünf Prozent innerhalb eines halben Jahres.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 70287283 |