Cannabis, Demenz

Cannabis bei Demenz: 87,2% zeigen Verbesserungen in Studie

Veröffentlicht am: 17.07.2026 um 20:40 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine klinische Studie zeigt signifikante Erfolge einer Cannabis-Kombination gegen Agitation bei Demenz. Experten warnen jedoch vor Eigenversuchen.

Demenz-Studie: THC-CBD-Kombination lindert Unruhe deutlich
Ein Nahaufnahme einer Cannabis-Blüte mit wissenschaftlichen Instrumenten im verschwommenen Hintergrund, die medizinische Forschung andeutet. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Das zeigt die aktuelle LiBBY-Phase-2-Studie, deren Daten auf der Alzheimer-Konferenz AAIC vorgestellt wurden.

THC/CBD-Kombination überzeugt in klinischer Studie

120 Patienten mit fortgeschrittener Demenz nahmen an der Untersuchung teil. Sie erhielten zweimal täglich 4 mg THC und 200 mg CBD oder ein Placebo. Das Durchschnittsalter der Probanden lag bei rund 80 Jahren.

Die Ergebnisse sind deutlich: Bereits nach zwei Wochen sank die Agitation in der Behandlungsgruppe um 6,27 Punkte mehr als im Placebo-Arm. Nach zwölf Wochen zeigten 87,2 Prozent der Patienten klinische Verbesserungen – in der Placebogruppe waren es nur 23,6 Prozent.

Doch es gibt einen Haken: Schwere unerwünschte Ereignisse traten in der Cannabis-Gruppe mit 23,3 Prozent häufiger auf als im Vergleichsarm (11,9 Prozent). Die Studienautoren sehen keinen direkten Zusammenhang zur Medikation. Experten wie Elizabeth Edgerly und Ryan Vandrey warnen dennoch vor Eigenmedikation mit unregulierten Produkten.

Neuroprotektive Effekte im Tiermodell bestätigt

Eine präklinische Studie der Universiti Putra Malaysia liefert zusätzliche Hinweise auf die Wirkmechanismen. Im Rattenmodell verbesserte Delta-9-THC über 28 Tage die kognitive Leistung. Die Forscher beobachteten eine Zunahme von Neurogenese-Markern und eine Reduktion Alzheimer-typischer Veränderungen wie Amyloid-Vorläuferprotein und phosphoryliertem Tau-Protein.

Direkt auf den Menschen übertragbar sind diese Ergebnisse nicht. Sie stützen jedoch die Hypothese einer neuroprotektiven Komponente von Cannabinoiden.

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WHO aktualisiert Präventionsleitlinien

Parallel zur Wirkstoff-Forschung hat die WHO Mitte Juli ihre Leitlinien zur Demenzrisikominderung aktualisiert. Demnach sind bis zu 45 Prozent der Risiken durch veränderbare Lebensstilfaktoren beeinflussbar.

Die zentralen Empfehlungen: regelmäßige Bewegung und kognitives Training, Verzicht auf Tabak und übermäßigen Alkohol, Behandlung von Bluthochdruck, Diabetes und Hörverlust sowie soziale Kontakte. Von Vitaminpräparaten oder Omega-3-Supplementen rät die WHO ohne nachgewiesenen Mangel ab.

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Problemfall Pflege: Antipsychotika als Alltagslösung

Die Dringlichkeit neuer Behandlungswege zeigt der deutsche Pflegealltag. Laut Qualitätsatlas Pflege erhalten 41 Prozent der Demenzkranken in Heimen mindestens einmal pro Quartal Antipsychotika zur Ruhigstellung – obwohl diese das Sturzrisiko erhöhen. Ein erheblicher Teil der Pflegekräfte drängt auf die Verordnung von Beruhigungsmitteln, um den Alltag zu bewältigen.

Weltweit sind rund 57 Millionen Menschen betroffen, jährlich kommen etwa 10 Millionen Neudiagnosen hinzu. Die Suche nach sicheren medikamentösen Alternativen bleibt ein Schwerpunkt der neurologischen Forschung.

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