Cannabis gegen RĂŒckenschmerz: Exilby kommt als erstes Fertigarzneimittel
Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 12:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deMit dem PrĂ€parat Exilby hat das GrĂ€felfinger Unternehmen Futrue Anfang September 2026 das weltweit erste Cannabis-Fertigarzneimittel gegen RĂŒckenschmerzen auf den Markt gebracht. Nach rund zwei Monaten im Markt berichtete Clemens Fischer von einer auĂergewöhnlich hohen Nachfrage nach dem Medikament.
Die MarkteinfĂŒhrung markiert einen wesentlichen Wendepunkt in der Versorgung von Schmerzpatienten, der von regulatorischen VerĂ€nderungen im deutschen Gesundheitssystem und klinischen Entwicklungen begleitet wird.
Regulatorischer Rahmen und klinische Datenlage
Das PrĂ€parat, das von Vertanical unter der Bezeichnung VER-01 entwickelt wurde, hatte im Juni 2026 die deutsche Zulassung fĂŒr die Behandlung von chronischem neuropathischem RĂŒckenschmerz erhalten. Seit September 2026 ist das Mittel in Apotheken verfĂŒgbar.
Bei VER-01 handelt es sich um einen standardisierten Vollspektrum-Extrakt der Sorte DKJ127, der 2,5 mg THC pro Dosis beziehungsweise 19 mg THC pro Milliliter enthÀlt.
Nach Angaben von Futrue dauerte das Zulassungsverfahren etwas mehr als dieser statt der sonst ĂŒblichen 13 Jahre. Die Investitionskosten beliefen sich auf mehrere hundert Millionen Euro. Die deutsche Zulassung stĂŒtzt sich laut Vertanical auf Studien mit mehr als 1.200 Teilnehmern.
Wichtige Grundlagen lieferten zwei im Jahr 2025 veröffentlichte Untersuchungen:
- Eine Studie im Fachjournal Nature Medicine mit 820 Patienten zeigte nach zwölf Wochen eine Schmerzreduktion von 1,9 Punkten auf einer Skala von 0 bis 10 gegenĂŒber 1,4 Punkten in der Placebogruppe. Dabei erreichten 54,1 Prozent unter dem Wirkstoff eine Schmerzreduktion von mindestens 30 Prozent im Vergleich zu 39,5 Prozent unter Placebo, was einer Number Needed to Treat (NNT) von rund 6,8 entspricht.
- Eine Untersuchung in Pain and Therapy mit 384 Patienten belegte eine Schmerzreduktion von 2,50 gegenĂŒber 2,16 Punkten (p=0,048). Zudem trat Verstopfung seltener auf (5,8 Prozent gegenĂŒber 17,2 Prozent; relatives Risiko 0,25).
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Gesetzliche Erstattung und Verordnungsstreit
Die EinfĂŒhrung fĂ€llt mit einschneidenden Ănderungen in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) zusammen. Seit dem 30. Juli 2026 sind getrocknete CannabisblĂŒten aus dem Leistungskatalog der GKV gestrichen. Eine Cannabis-Therapie wird seither nur noch in Form von Fertigarzneimitteln erstattet.
Bei einem erstmaligen Therapieversuch gilt ein sechsmonatiger Vorrang fĂŒr cannabishaltige Fertigarzneimittel. WĂ€hrend bestehende Behandlungen fortgefĂŒhrt werden können, erfordert die Umstellung von getrockneten BlĂŒten grundsĂ€tzlich eine erneute Genehmigung.
Um die Auslegung dieser Vorgaben gibt es Uneinigkeit. Die KassenĂ€rztliche Bundesvereinigung (KBV) vertrat nach einer erneuten PrĂŒfung in einer Praxisnachricht vom 20. August 2026 die Position, dass bei jeder Erstverordnung zunĂ€chst ein Fertigarzneimittel eingesetzt werden mĂŒsse â auch auĂerhalb des konkret zugelassenen Anwendungsgebiets. Der GKV-Spitzenverband hĂ€lt demgegenĂŒber an einer streng indikationsbezogenen Lesart fest.
Im Vorfeld der regulatorischen Weichenstellungen spendete Fischer vor der Bundestagswahl 2025 BetrÀge an mehrere Parteien: jeweils 200.000 Euro an die CSU und die FDP, 100.000 Euro an die SPD sowie 60.000 Euro an die CDU.
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Internationale Entwicklung und Ausblick
Vertanical treibt parallel die Zulassung auĂerhalb Europas voran. In den Vereinigten Staaten lĂ€uft seit dem 22. September 2026 die doppelblinde, placebokontrollierte Phase-3-Studie EXPAND mit 810 erwachsenen Patienten, die an chronischer lumbosakraler Radikulopathie leiden.
Der Abschluss dieser Studie ist fĂŒr September 2028 geplant. FĂŒr das Studienvorhaben erteilte das New Yorker Office of Cannabis Management (OCM) am 2. Oktober 2026 einer Klinik in Williamsville bei Buffalo eine Forschungslizenz.
VER-01 besitzt bei der US-Arzneimittelbehörde FDA bereits den Status einer Breakthrough Therapy. Die regulÀre US-Zulassung durch die FDA steht gegenwÀrtig noch aus.
