Cannabis-Legalisierung, Vergiftungen

Cannabis-Legalisierung: Vergiftungen +37%, Psychosen +16% seit 2024

Veröffentlicht am: 25.07.2026 um 13:40 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studien belegen komplexe Placebo-Mechanismen, während Homöopathie bei Blasenentzündung nicht über Placebo-Effekt hinaus wirkt.

Alternative Medizin: Neue Studien zu Placebo, Homöopathie und Cannabis
Moderne medizinische Forschungsumgebung mit einem unscharfen Bild einer neurologischen Gehirnaufnahme auf einem Monitor. Illustration mit AI erstellt ĂĽbermittelt durch boerse-global.de

Globuli gegen Blasenentzündung, Chiropraktik bei Rückenschmerzen, Cannabis als Wundermittel – alternative Medizin boomt. Doch neue Studien und spektakuläre Einzelfälle werfen Fragen auf: Was hilft wirklich, was ist gefährlich?

Placebo ist nicht gleich Placebo

Der Placebo-Effekt ist real – aber komplexer als gedacht. Ein internationales Forschungskonsortium unter Leitung der Universitätsmedizin Essen und des Dartmouth College wertete Hirnbildgebungsdaten von 409 Teilnehmenden aus 16 Studien aus. Die Ergebnisse, veröffentlicht in Nature Communications, zeigen: Unterschiedliche Placebo-Interventionen aktivieren verschiedene neuronale Signalwege.

Während verbale Suggestionen bestimmte Hirnareale ansprechen, schaltet eine zusätzliche Konditionierung weitere Systeme für Kontextverarbeitung und Schmerzmodulation frei. Klar ist: Der Placebo-Effekt ist kein einheitliches Phänomen, sondern basiert auf komplexen, teils unabhängigen Mechanismen im Gehirn.

Globuli-Studie: Ernüchterung für Homöopathie-Fans

Die iHOM-Studie der TU München untersuchte von 2021 bis 2024, ob homöopathische Mittel den Antibiotikaeinsatz bei wiederkehrenden Blasenentzündungen senken können. Das Ergebnis: kein signifikanter Unterschied zwischen Globuli und Placebo. Kostenpunkt der Studie: über 630.000 Euro Steuergelder.

Gesundheitsministerin Judith Gerlach räumte ein, dass die Untersuchung keine Belege für eine über den Placebo-Effekt hinausgehende Wirkung erbracht habe. Die Praxis zeigt, woran das liegen kann: Im Frühjahr 2025 verurteilte ein Gericht in Soest eine Tierhalterin wegen Tierquälerei. Sie hatte ein schwer verletztes Tier monatelang ausschließlich mit Globuli und Blutegeln behandelt – statt die medizinisch gebotene Operation einzuleiten.

Gefährliche Manipulation: Wenn die Behandlung krank macht

Mediziner warnen vor erheblichen physischen Risiken bei alternativmedizinischen Eingriffen. Dr. Nguyen Thi Minh Duc vom Tam Anh Krankenhaus in Ho-Chi-Minh-Stadt berichtet von Schlaganfällen durch ruckartige Manipulationen der Wirbelsäule. Patienten erlitten nach chiropraktischen Behandlungen oder Nackenmassagen Dissektionen der Vertebralarterie oder Halsschlagader – mit Hirninfarkten als Folge. Besonders gefährdet: Menschen mit Bluthochdruck oder Osteoporose.

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Auch Akupunktur birgt Risiken. In Sibirien wurde im Sommer 2026 der Fall einer Patientin bekannt, in deren Fuß nach einer Behandlung mindestens zehn abgebrochene Nadelspitzen verblieben waren. Nötig wurden operative Eingriffe und eine antibiotische Therapie.

In den USA sorgt die Bienengift-Therapie gegen Lyme-Borreliose für Schlagzeilen. Patienten lassen sich wöchentlich mehrfach stechen – mit schweren allergischen Reaktionen als möglicher Folge. Wissenschaftlich belegt ist die Methode nicht.

Cannabis-Legalisierung: Die Nebenwirkungen der Freiheit

Seit der Teil-Legalisierung im April 2024 steigen die Klinikeinweisungen im Zusammenhang mit Cannabiskonsum. Eine Studie des UKE Hamburg-Eppendorf, veröffentlicht im Deutschen Ärzteblatt, wertete rund 77.000 Krankenhauseinweisungen von Januar 2022 bis September 2025 aus.

Die Zahlen: Bei Erwachsenen stiegen die Einweisungen um 5,6 Prozent, bei Jugendlichen um 14,9 Prozent. Besonders auffällig: Cannabisvergiftungen nahmen um 37,1 Prozent zu, cannabisinduzierte Psychosen um 16,4 Prozent. Der Psychiater Alkomiet Hasan warnt vor langfristigen Folgen wie Schizophrenie.

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Ein wesentlicher Faktor: hochpotentes Medizinalcannabis mit durchschnittlich 24 Prozent THC – während Straßen-Cannabis oft nur 15 Prozent erreicht. Gesundheitsministerin Nina Warken kündigte strengere Zugangsregeln für Medizinalcannabis an.

Gentherapie-Tragödie und der Longevity-Hype

Im März 2025 verstarb ein sechsjähriges Mädchen in Shanghai nach einer Gentherapie gegen das Snijders-Blok-Campeau-Syndrom – an einer schweren Immunreaktion. Der Todesfall wurde in einer später veröffentlichten wissenschaftlichen Publikation zu präklinischen Versuchen zunächst nicht erwähnt. Ethische Bedenken hinsichtlich der Informationspflicht von Forschungsteams werden laut.

Parallel dazu wächst der Markt für Longevity-Produkte auf über 60 Milliarden US-Dollar. Experten kritisieren: Viele der beworbenen Verfahren und Substanzen besitzen keine klinische Evidenz. Hinzu kommen Fehlinformationen durch Medizin-Influencer. Ein aktuelles Beispiel zeigt, wie eine Influencerin auf eine von einem YouTuber erfundene Krankheit hereinfiel und dafür Marketing betrieb – ein Paradebeispiel für die Anfälligkeit digitaler Gesundheitskommunikation für wissenschaftlich unbegründete Behauptungen.

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