Cannabis-Studie, Regulierte

Cannabis-Studie: Regulierte Apotheken-Abgabe senkt Konsum nicht

Veröffentlicht am: 08.09.2026 um 01:11 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die SCRIPT-Studie meldet stabile bis rückläufige Nutzung, mehr risikoärmere Konsumformen und anhaltenden Schwarzmarkt trotz Apothekenzugang.

Schweizer Cannabis-Pilotprojekt: Konsum sinkt trotz Apothekenabgabe
Innenansicht einer modernen, hellen Apotheke mit minimalistischen Regalen und Glasvitrinen bei Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Die wissenschaftliche Begleitung der kontrollierten Cannabis-Abgabe in der Schweiz liefert erste fundierte Erkenntnisse über die Auswirkungen auf das Konsumverhalten und die öffentliche Gesundheit. Im Fokus steht dabei die SCRIPT-Studie (Safer Cannabis - Research In Pharmacies and Toke), die gemeinsam von den Universitäten Bern und Luzern sowie den Städten Bern, Biel und Luzern durchgeführt wird.

Die im September 2026 vorgestellten Zwischenergebnisse deuten darauf hin, dass ein regulierter Verkauf über Apotheken nicht zu einem Anstieg des Konsums führt; vielmehr zeichne sich eine leichte Abwärtstendenz ab.

Partizipation und gesundheitliche Prävention im Pilotprojekt

An dem Pilotprojekt, das bereits seit dem Jahr 2024 läuft, nehmen aktuell 1177 Personen teil. Ein wesentliches Ziel der Studie ist die Untersuchung von Schadensminderung und Prävention durch fachkundige Beratung in Apotheken.

Den Daten zufolge zeigen die Beratungsgespräche eine signifikante Multiplikatorwirkung: Rund 71 % der Teilnehmer gaben an, die in den Apotheken erhaltenen Informationen zur Risikominimierung an ihr soziales Umfeld weiterzugeben.

Darüber hinaus begünstigt die regulierte Abgabe offenbar den Umstieg auf weniger risikoreiche Konsumformen. Die Forscher beobachteten eine verstärkte Nutzung von Vaporisatoren (Vapen) sowie von Mundsprays und anderen Formen der oralen Aufnahme gegenüber dem klassischen Rauchen.

Diese Entwicklung wird als positiver Schritt zur Reduzierung von Atemwegserkrankungen und anderen Begleitrisiken des Cannabis-Konsums gewertet. Zur Sicherheit der Abgabe und des Betriebs liegen ebenfalls positive Daten vor, da im Rahmen des bisherigen Projektverlaufs keine Sicherheitsvorfälle verzeichnet wurden.

Konsumpräferenzen und wirtschaftliche Dynamik

Anzeige

Die SCRIPT-Studie liefert erste belastbare Daten zur regulierten Cannabis-Abgabe in Apotheken – mit überraschenden Ergebnissen: Der Konsum steigt nicht, aber 40 % der Teilnehmer nutzen weiterhin den Schwarzmarkt. Unser Report analysiert die Studienergebnisse und ordnet sie für die Drogenpolitik ein. Jetzt kostenlosen Analyse-Report anfordern

Hinsichtlich der Produktwahl zeigt sich eine klare Präferenz der Studienteilnehmer. Mit einem Anteil von 65 % bilden Cannabisblüten die am häufigsten nachgefragte Produktgruppe. E-Liquids folgen mit einem Anteil von 21 % an den abgegebenen Produkten. Die Preisgestaltung in den beteiligten Apotheken orientiert sich eng am Marktgeschehen, liegt jedoch leicht über dem Niveau des Schwarzmarktes.

Diese Preisdifferenz hat direkte Auswirkungen auf die Markttreue der Konsumenten. Die Auswertungen zeigen, dass insbesondere Teilnehmer unter 25 Jahren sensibel auf die Preisgestaltung reagieren.

Trotz des legalen Zugangs nutzen weiterhin etwa 40 % der Probanden zusätzlich den Schwarzmarkt. Dies unterstreicht die Herausforderung für regulierte Modelle, preislich mit illegalen Strukturen zu konkurrieren, während gleichzeitig hohe Qualitäts- und Beratungsstandards gewahrt werden müssen.

Langfristige Perspektive und nationaler Kontext

Aufgrund der bisherigen Erfahrungen und der wissenschaftlichen Relevanz wurde das Pilotprojekt SCRIPT vorzeitig verlängert. Die Laufzeit ist nun bis Oktober 2028 angesetzt, um eine breitere Datenbasis für künftige politische Entscheidungen zu schaffen.

Anzeige

Wer die Debatte um eine nationale Cannabis-Regulierung fundiert führen will, braucht einen klaren Überblick über die Schweizer Pilotprojekte – von Bern bis Basel. Unser Leitfaden vergleicht die Modelle und zeigt, welche Rahmenbedingungen Schadensminderung tatsächlich fördern. Vergleich der Pilotprojekte jetzt sichern

Das SCRIPT-Projekt steht dabei nicht isoliert da. In der Schweiz finden derzeit mehrere vergleichbare Pilotversuche statt, unter anderem in Zürich und Basel sowie in weiteren Städten.

Diese Studien sollen im Zusammenspiel klären, unter welchen Rahmenbedingungen eine regulierte Abgabe von Cannabis die öffentliche Gesundheit stärken und den illegalen Handel wirksam eindämmen kann. Die Ergebnisse aus Bern, Biel und Luzern liefern hierfür nun eine erste empirische Grundlage, die den Fachdiskurs über die nationale Drogenpolitik maßgeblich beeinflussen dürfte.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 70066132 |