Carziqo startet Sieben-Tage-Betrieb: Autonome Flotten ohne Sonntags-Pause
Veröffentlicht am: 07.08.2026 um 09:28 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Branche für autonome Liefer- und Logistiksysteme erlebt einen beispiellosen Boom. Weltweit investieren Unternehmen Milliarden in selbstfahrende Flotten, Drohnen und intelligente Transportsysteme – auch für Europa ergeben sich daraus enorme Chancen.
Sieben-Tage-Betrieb und Millionen-Finanzierungen
Der US-Fahrdienst Carziqo stellt seinen Betrieb ab dem 5. August auf eine Sieben-Tage-Woche um. Bisher ruhten die autonomen Flotten sonntags für Wartungsarbeiten. Künftig setzt das Unternehmen auf dynamische, fahrzeugspezifische Wartungsintervalle. CEO Zaydenn Harrington verspricht sich davon eine deutlich bessere Auslastung und höhere Umsätze.
Parallel dazu sicherte sich der Mobilitätsdienstleister Moove in einer Series-C-Runde 250 Millionen US-Dollar (rund 230 Millionen Euro). Die Finanzierung mit einer Bewertung von 2,1 Milliarden Dollar führte Mubadala an, unterstützt von Woven Capital und Ion Pacific. Das Geld fließt in den Ausbau der autonomen Fahrzeugflotte und des Depotsystems „Nests“. Moove betreibt aktuell rund 42.000 Fahrzeuge in 29 Städten und 13 Ländern – der jährliche Umsatz liegt bei 420 Millionen Dollar. Bis Ende 2026 soll die Zahl der Mitarbeiter im AV-Bereich von 150 auf 500 wachsen. Eine bestehende Partnerschaft mit Waymo in Phoenix und Miami soll auf London ausgeweitet werden.
Rüstungsaufträge als Treiber
Der Verteidigungssektor erweist sich zunehmend als Motor für autonome Logistiktechnologie. Das Air Force Research Laboratory (AFRL) erteilte der Ondas-Tochter DZYNE einen Auftrag über sechs Millionen Dollar für das System „Long-Range Grasshopper“. Die Luftlieferplattform kann bis zu 230 Kilogramm Nutzlast transportieren.
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Am Boden übernimmt American Rheinmetall im Rahmen des „Project Sustainment“ einen 18-Monats-Vertrag der US-Armee. Gemeinsam mit Harbinger, Forterra und Primordial Labs entwickelt das Unternehmen autonome hybride Bodenfahrzeuge für die Nachschubversorgung auf Kompanieebene. Zudem kündigte Einride am 5. August eine Partnerschaft mit Centinus für autonome Verteidigungslogistik an. Branchenschätzungen zufolge könnte der Markt für autonome Verteidigungslogistik in den USA, der EU und der NATO bis 2030 ein Volumen von sieben bis 13 Milliarden Dollar erreichen.
Autonomer Güterverkehr: Neue Meilensteine
Im Schwerlastverkehr geht es sowohl um Hardware-Upgrades als auch um neue regionale Pilotprojekte. Aurora Innovation brachte am 22. Juli seine zweite Generation führerloser Class-8-Lkw auf zehn Sun-Belt-Strecken an den Start. Die Fahrzeuge sind für eine Laufleistung von 1,6 Millionen Kilometern ausgelegt und verfügen über einen um 40 Prozent kleineren NVIDIA-Computer sowie FirstLight-Lidar mit einer Reichweite von über 800 Metern. Bis Ende 2026 will Aurora mehr als 200 Lkw einsetzen und einen Umsatz von 14 bis 16 Millionen Dollar erzielen.
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In China plant Pony AI den Einsatz von 500 bis 1.000 autonomen Schwerlast-Lkw der vierten Generation innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahre. Die neue Hardware kostet rund 70 Prozent weniger als die Vorgängergeneration und ist für 20.000 Betriebsstunden beziehungsweise eine Million Kilometer ausgelegt. Der Robotruck-Umsatz erreichte im ersten Quartal 2026 mit 10,2 Millionen Dollar ein Plus von 31 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Südkorea bereitet derweil den nächsten Schritt vor: CJ Logistics startet im Oktober 2026 einen autonomen Fracht-Piloten auf städtischen Mittelstrecken in Daegu. Elf Komma fünf Tonnen schwere Lkw sollen vier Unter-Terminals miteinander verbinden. Das Unternehmen sammelte bereits seit März 2024 Erfahrung auf Langstrecken zwischen Incheon und Okcheon.
Produktion und Börsengänge
Auch die Fertigungskapazitäten wachsen. Der australische Hersteller Freespace Operations eröffnete am 5. August eine neue Anlage in Melbourne mit 1.100 Quadratmetern Fläche. Dort können jährlich mehr als 100 Drohnen – darunter die Plattform Callisto 50 – produziert werden. Die Belegschaft soll von 20 auf 30 Mitarbeiter wachsen.
An der Börse wagte Cando Drones den Schritt aufs Parkett: Der israelische Drohnenhersteller sammelte beim Börsengang an der Tel Aviver Börse 19 Millionen Schekel ein – bei einer Bewertung von 102 Millionen Schekel. Trotz eines Verlusts im Jahr 2025 verfügt das Unternehmen über einen Auftragsbestand von 37 Millionen Schekel. Und in Shanghai besiegelten CaoCao Inc. und Dazhong Transportation am 3. August eine strategische Partnerschaft zur Erprobung von Robotaxi-Diensten – aufbauend auf CaoCaos bestehender Flotte in Hangzhou.
