ChatGPT-Anteil fällt auf 52,7 Prozent: Konkurrenz erobert KI-Markt
28.06.2026 - 21:32:44 | boerse-global.de
ChatGPTs Anteil am Web-Traffic fiel im Mai 2026 auf nur noch 52,7 Prozent – ein Jahr zuvor waren es noch 76,4 Prozent gewesen. Der Markt befindet sich im Umbruch.
Während ChatGPT einst als technologischer Vorreiter galt, setzen die Konkurrenten nun auf eine andere Strategie: Sie betten KI tief in bestehende Plattformen ein. Der Wettbewerb verschiebt sich von der reinen Innovation hin zur Verteilungsschlacht – KI wird zur unsichtbaren Schicht in professionellen Arbeitsumgebungen.
Google und Microsoft setzen auf ihre Plattformen
Google treibt die Integration von Gemini massiv voran. Erst am Samstag rollte der Konzern eine Play-Store-Anbindung aus: Nutzer können jetzt Apps finden, Geschenkkarten kaufen und In-App-Käufe direkt über die KI-Schnittstelle abwickeln. Zuvor kam bereits die Funktion „Select from screen“ in Chrome 149 – ein Tool, das Inhalte auf jeder Webseite markiert und an Gemini zur Verarbeitung sendet.
Microsoft wiederum forciert die Verbreitung von Copilot. Seit Mitte Juni installiert der Konzern die Microsoft-365-Copilot-App automatisch auf kommerziellen Windows-11-Geräten. Der Rollout läuft noch bis Anfang Juli und zielt auf Geschäftskunden mit aktiven Abonnements. Einzige Ausnahme: Administratoren im Europäischen Wirtschaftsraum bleiben verschont.
Spezialisierte Anbieter und „Enterprise AGI“
Während die Generalisten um Traffic kämpfen, setzen Nischenanbieter auf spezifische Branchen. Perplexity startete am 24. Juni eine Plattform speziell für Anwaltskanzleien. Der KI-Agent „Computer for Counsel“ verteilt Aufgaben auf über 20 verschiedene Modelle – darunter Claude Opus 4.6 und das kürzlich vorgestellte GPT-5.2. Kanzleien wie Gunderson Dettmer nutzen das System bereits intensiv für Verwaltungsaufgaben.
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Beobachter sehen den eigentlichen Wert künftig in der „Enterprise AGI“. Statt auf reine Allgemeinintelligenz zu setzen, geht es um die Kombination aus firmeneigenen Daten und kontrollierten Prozessen. Unternehmen wie Databricks, Snowflake und SAP arbeiten an dieser „System-of-Intelligence“-Ebene – sie liefert den geschäftsspezifischen Kontext, den reine KI-Modelle oft vermissen lassen.
Regulierung und Hardware-Engpässe
Die Expansion leistungsstarker KI bleibt an Auflagen und Hardware-Limits gebunden. Erst am Freitag gab das US-Handelsministerium eine Vorschau auf OpenAIs GPT-5.6 für rund 20 Organisationen frei. Gleichzeitig stellten die Behörden den Zugang zu Anthropics Mythos 5 für etwa 100 geprüfte Nutzer wieder her. Solche Freigaben dienen zunehmend als regulatorische Meilensteine.
Doch die eigentliche Bremse ist die Rechenkapazität. Berichten zufolge schränkte Google bereits im März 2026 Metas Zugriff auf Gemini-Modelle ein – die Ressourcen reichten schlicht nicht aus. Mehrere interne KI-Projekte bei Meta sollen dadurch gestört worden sein. Google Cloud meldete für das erste Quartal zwar 20 Milliarden Dollar Umsatz, doch das Management räumte ein: Das Wachstum wurde durch die Infrastruktur-Engpässe gebremst.
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Internationale Konkurrenz holt auf
Während US-Firmen mit diesen Hürden kämpfen, beschleunigt sich der Wettbewerb aus Asien. Das Tokioter Startup Sakana AI brachte Ende Juni „Fugu“ auf den Markt – ein Modell speziell für autonome Agenten. Chinesische Unternehmen wiederum haben spezialisierte Systeme für Cyberabwehr und Schwachstellensuche entwickelt, darunter die Modelle Tulongfeng und Yitianzhen. Der Grund: Exportbeschränkungen für westliche Hochleistungs-KI treiben die Eigenentwicklung voran.
