ChatGPT Computer History: KI überwacht digitale Aktivitäten auf Mac
Veröffentlicht am: 20.08.2026 um 10:53 Uhr | Redaktion boerse-global.de
OpenAI hat am 13. August 2026 mit der Einführung der Funktion "Computer History" eine tiefgreifende Erweiterung für die ChatGPT-Desktop-App unter macOS vorgenommen. Das neue Werkzeug ermöglicht es der Künstlichen Intelligenz, digitale Aktivitäten des Nutzers systematisch zu erfassen und in einer durchsuchbaren Zeitleiste aufzubereiten.
Die Funktion ersetzt die bisherige Lösung namens "Chronicle" und zielt darauf ab, die Produktivität durch eine engere Verzahnung zwischen Betriebssystem und KI-Modell zu steigern.
Funktionsweise und technische Integration
Die neue Funktion nutzt die Barrierefreiheitsfunktionen von macOS, um eine Vielzahl von Interaktionen aufzuzeichnen. Dazu gehören Klicks, Tastatureingaben, Tastenkürzel sowie Wechsel zwischen verschiedenen Anwendungen.
Ziel dieser Datenerfassung ist es, eine lückenlose Historie der digitalen Arbeitsschritte zu erstellen. Laut Unternehmensangaben soll dies Anwendern dabei helfen, begonnene Aufgaben effizienter fortzusetzen, Dokumente schneller wiederzufinden und wiederkehrende Routinen zu automatisieren.
Die erfassten Aktivitäten werden in Erinnerungen für ChatGPT und das Programmiermodell Codex umgewandelt. Während die Zusammenfassungen dieser Ereignisse dauerhaft gespeichert werden können, verbleiben die lokalen Rohdateien der aufgezeichneten Ereignisse lediglich für einen begrenzten Zeitraum auf dem Mac. OpenAI gibt an, dass diese Rohdaten nach 48 Stunden automatisch gelöscht werden.
Verfügbarkeit und regionale Einschränkungen
Seit dem 20. August 2026 ist "Computer History" für Nutzer der Tarife Pro, Business und Enterprise zugänglich. Für Anwender in Unternehmen ist jedoch die ausdrückliche Genehmigung durch einen Administrator erforderlich. Bereits am 18. August 2026 wurde die Funktion für Pro-Nutzer freigeschaltet, sofern diese den lokalen Desktop-Speicher aktiviert haben.
Trotz der breiten Verfügbarkeit in vielen Märkten bleibt der Zugang in bestimmten Regionen vorerst verwehrt. In der Europäischen Wirtschaftsraum (EEA), der Schweiz sowie im Vereinigten Königreich steht die Funktion derzeit nicht zur Verfügung. Gründe für diese regionale Einschränkung wurden nicht explizit genannt, allerdings folgen solche Verzögerungen oft regulatorischen Prüfprozessen.
Die Verzögerungen bei neuen KI-Funktionen in Europa zeigen, wie komplex die rechtlichen Rahmenbedingungen für Unternehmen geworden sind. Dieser kostenlose Umsetzungsleitfaden bietet einen kompakten Überblick über alle Anforderungen, Pflichten und Fristen der EU-KI-Verordnung. EU AI Act in 5 Schritten verstehen
Datenschutz und Sicherheitsbedenken
OpenAI betont, dass die Überwachung nicht automatisch erfolgt. "Computer History" ist standardmäßig deaktiviert und erfordert eine ausdrückliche Zustimmung (Opt-in) durch den Nutzer. Für Pro-Nutzer ist zudem die Aktivierung der Funktion "Memories" eine zwingende Voraussetzung.
Das Unternehmen stellt klar, dass weder Audioaufnahmen angefertigt noch Screenshots des Bildschirms erstellt werden. Zudem werden Aktivitäten im privaten Browsermodus ignoriert, und Nutzer haben die Möglichkeit, spezifische Anwendungen von der Aufzeichnung auszuschließen.
Dennoch äußern Sicherheitsexperten Bedenken hinsichtlich der technischen Umsetzung. Ein kritischer Punkt ist die Speicherung der Memory-Dateien, die nach aktuellem Stand unverschlüsselt auf dem lokalen System verbleiben.
Experten warnen, dass diese Dateien ein attraktives Ziel für Infostealer-Malware darstellen könnten. Darüber hinaus bestehe ein potenzielles Risiko durch Prompt-Injection-Angriffe, bei denen manipulierte Eingaben die erfassten Historien kompromittieren könnten.
Wer sich mit der Einführung solch tiefgreifender Technologien befasst, muss auch die neuen regulatorischen Risikoklassen genau bewerten. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Report, welche KI-Systeme als Hochrisiko eingestuft werden und was Verantwortliche jetzt konkret tun müssen. Kostenlosen Leitfaden zum EU AI Act sichern
Strategische Vision der KI-Assistenz
Die Einführung von "Computer History" ist offenbar nur ein Zwischenschritt in einer umfassenderen Strategie. In einem Interview am 19. August 2026 skizzierte OpenAI-CEO Sam Altman die Zukunft des Sprachassistenten. Er prognostiziert, dass ChatGPT innerhalb der nächsten sechs Monate in der Lage sein könnte, nicht nur Klicks und Tastenanschläge, sondern auch Bildschirminhalte, Meetings, Telefonate, E-Mails sowie Plattformen wie Slack und Dokumente direkt zu überwachen.
Altman beschreibt eine Entwicklung, bei der die KI parallel zum Menschen arbeitet, proaktiv Ideen vorschlägt, Fehler in Echtzeit kennzeichnet und nach entsprechender Autorisierung eigenständig Aufgaben ausführt. Dabei betonte der CEO, dass die Nutzer stets die Kontrolle über die Zugriffsberechtigungen behalten sollen.
Die aktuelle Einführung unter macOS markiert somit den Beginn einer Entwicklung hin zu einem KI-Assistenten, der tief in den täglichen digitalen Workflow integriert ist.
