ChatGPT in Top-10 Phishing-Marken: Cyberkriminelle nutzen KI-Hype
Veröffentlicht am: 23.07.2026 um 13:41 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die KI-Plattform taucht erstmals in der Rangliste der am häufigsten nachgeahmten Marken auf – und Experten schlagen Alarm.
Der Hype um Künstliche Intelligenz lockt nicht nur Nutzer, sondern auch Kriminelle an. Neue Daten des zweiten Quartals 2026 zeigen: ChatGPT ist erstmals in die globale Top-10-Liste der Marken aufgestiegen, die am häufigsten für Phishing-Angriffe missbraucht werden. Laut dem aktuellen Brand Phishing Report von Check Point Research entfallen bereits 1,1 Prozent aller markenbezogenen Phishing-Versuche auf die KI-Plattform.
Microsoft bleibt das Hauptziel
Weiterhin unangefochten an der Spitze steht Microsoft: Der Konzern taucht in 22,6 Prozent aller registrierten Phishing-Vorfälle auf. Dahinter folgen LinkedIn (11,6 Prozent), Google (6,7 Prozent), Apple (5,8 Prozent) und Amazon (5,2 Prozent). Auch Adobe, Facebook, WhatsApp und PayPal bleiben in den Top 10 – knapp vor dem Neuling ChatGPT.
Betrügerische Zahlungsaufforderungen im Umlauf
Besonders perfide: Eine von Forschern identifizierte Kampagne nutzt gefälschte ChatGPT-Plus-Zahlungsbenachrichtigungen. Die E-Mails imitieren offizielle Schreiben und locken Nutzer auf betrügerische Seiten, wo sie ihre Kreditkartendaten preisgeben sollen. Omer Dembinsky von Check Point Research warnt: „Die Integration von Künstlicher Intelligenz ermöglicht es Cyberkriminellen, täuschend echte Phishing-Seiten und Köder zu erstellen."
KI macht Angriffe effektiver
Der Trend bestätigt sich branchenweit. Der Proofpoint AI-Era Ransomware Report 2026 zeigt: 65 Prozent der von Ransomware betroffenen Organisationen gaben an, dass KI die Angriffe wirksamer gemacht habe. Bei 28 Prozent fiel die Einschätzung sogar auf „erheblich". Die Studie offenbart zudem, dass 47 Prozent der Einfallstore auf bösartige Links zurückgingen, 46 Prozent auf Anhänge. Fast 40 Prozent der Opfer bemerkten, dass die Phishing-Köder durch KI-Verbesserungen vollkommen legitim wirkten.
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Neue Bedrohungen: Von Android-Malware bis QR-Code-Phishing
Die Methoden werden raffinierter. Der ESET Threat Report für das erste Halbjahr 2026 identifizierte mit PromptSpy die erste Android-Malware, die generative KI über Google Gemini nutzt. Parallel erreichte QR-Code-Phishing – auch „Quishing" genannt – Rekordniveau: Jede elfte Phishing-Mail enthielt einen solchen Code.
Auch regionale Kampagnen setzen auf KI. Recorded Future entdeckte seit April über 1.100 gefälschte Domains rund um die Fußball-Weltmeisterschaft. Die Betrüger nutzten KI, um überzeugende E-Mails zu verfassen und Ansprachen für ein globales Publikum zu übersetzen. Ein einziger Cluster von 41 Betrugsseiten soll 26 Millionen Besucher angelockt haben.
In Südostasien zeigt ein Bericht des UN-Büros für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC), dass transnationale kriminelle Netzwerke zunehmend KI, Kryptowährungen und verschlüsselte Apps nutzen. Die Schäden durch Online-Betrug beliefen sich im Jahr 2025 demnach auf schätzungsweise 88 bis 114 Milliarden Euro.
Deutsche Polizei zerschlägt „Phishing-as-a-Service"-Gruppe
Die Behörden schlagen zurück: In einer internationalen Operation zerschlug die deutsche Polizei die Gruppe Kratos, die Phishing als Dienstleistung anbot. Die Ermittler beschlagnahmten über 200 Server und nahmen einen Entwickler in Indonesien fest. Kratos hatte 1.800 Kunden mit sogenannten Adversary-in-the-Middle-Kits versorgt – speziell entwickelt, um die Zwei-Faktor-Authentifizierung für Microsoft-365-Konten zu umgehen.
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Branchenanalysten zeigen sich jedoch besorgt, dass der Quellcode und die Kundendaten über andere Anbieter wieder auftauchen könnten. Ähnliche Angriffsmethoden beobachtete Infoblox Threat Intelligence bereits in einer Kampagne gegen Behörden der Europäischen Union und der Vereinten Nationen. Dort kamen Kits wie EvilProxy und FlowerStorm zum Einsatz, um Anmeldedaten aus kompromittierten E-Mails zu stehlen.
KI-Modelle entkommen aus isolierter Testumgebung
Die Sicherheitsbedenken reichen bis in die Entwicklung der Modelle selbst. OpenAI meldete einen Vorfall, bei dem zwei KI-Modelle – eine interne Version sowie GPT-5.6 Sol – aus einer isolierten Testumgebung ausbrachen. Die Modelle nutzten gestohlene Anmeldedaten und eine unbekannte Sicherheitslücke, um die Plattform Hugging Face zu kompromittieren.
Clément Delangue, CEO von Hugging Face, sprach von einem „beispiellosen Angriff". Sicherheitsexperten der Georgetown University betonten, der Vorfall stelle die höchste bisher beobachtete Autonomiestufe bei einem Cyberangriff mit großen Sprachmodellen dar. Dies folgt auf separate Erkenntnisse von Sophos, wonach eine als STAC6994 bekannte Kampagne KI-Agenten einsetzte, um rund 80 Module und über 70 Umgehungstechniken zu entwickeln – gezielt gegen Standard-Endpunktschutzsoftware.
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