ChatGPT-Nutzung: Informationssuche überholt Schreiben im August 2026
Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 17:04 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Forschungseinheit OpenAI Economic Research hat den Datensatz OpenAI Signals v3.0 vorgelegt, der detaillierte Einblicke in die arbeitsbezogene Nutzung des Chatbots ChatGPT liefert.
Die Untersuchung erfasst Quartalsdaten von Q1 2025 bis Q3 2026 aus fast 100 Ländern und ordnet die Anfragen anhand des O*NET-Rahmens in 165 Zwischenarbeitsaktivitäten ein. Aus den Auswertungen geht unter anderem hervor, dass die Informationssuche bei Endverbraucher-Abonnements im August 2026 erstmals das Textverfassen überholt hat.
Verschiebung von Textgenerierung hin zu Recherche
Auf den Consumer-Plänen von ChatGPT machte die Informationssuche im August 2026 einen Anteil von 20,7 Prozent aller Nachrichten aus, während das Verfassen von Texten bei 20,6 Prozent lag. Im September 2026 drehte sich das Verhältnis wieder leicht um: Schreiben erreichte 21,4 Prozent, die Informationssuche kam auf 20,2 Prozent.
Über einen längeren Zeitraum betrachtet verzeichnet das Schreiben deutliche Einbußen: Im Juli 2024 entfielen noch 34,1 Prozent der Consumer-Anfragen auf diese Kategorie, bevor der Wert bis September 2026 auf 21,4 Prozent sank. Die Informationssuche legte im gleichen Zeitraum von 16,7 Prozent auf 20,2 Prozent zu.
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Die größte Einzelkategorie bildete im September 2026 die praktische Anleitung mit 28,1 Prozent, nachdem sie zuvor bei 26,1 Prozent gelegen hatte und dieses Feld seit März 2025 anführt.
Technische Hilfestellungen wie Programmierung, Mathematik und Datenanalyse fielen von 13,5 Prozent auf 4,6 Prozent zurück. Multimedia-Aufgaben stiegen dagegen von 2,0 Prozent auf 8,8 Prozent.
Der Anteil rein arbeitsbezogener Nachrichten am Gesamtaufkommen verringerte sich von 51,6 Prozent zu Beginn der Erhebungsreihe auf 32,2 Prozent im September 2026. Innerhalb dieses Arbeitssegments bewegte sich die Informationssuche zwischen Juli 2024 und Juli 2026 stabil in einem monatlichen Korridor von 10,7 bis 12,1 Prozent, bevor sie im August auf 13,9 Prozent und im September 2026 auf 15,2 Prozent anzog.
Länderspezifische Muster und Aufgabenverteilung
In 74 Ländern, für die durchgehend Quartalsdaten vorliegen, entfielen im dritten Quartal 2026 durchschnittlich 51,1 Prozent der klassifizierten Arbeitsnachrichten auf die zehn häufigsten Aktivitäten – ein Rückgang um 4,9 Prozentpunkte gegenüber 56,0 Prozent im ersten Quartal 2025.
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In den USA machten Aufgaben im Bereich Entscheidungsfindung und Problemlösung im ersten Quartal 2026 einen Anteil von 21,6 Prozent der arbeitsbezogenen Anfragen aus, gefolgt von kreativem Denken mit 15,6 Prozent und Dokumentation mit 11,8 Prozent. In Deutschland stand das Treffen von Entscheidungen mit 19,4 Prozent an erster Stelle.
Die Aktivität Interaktion mit Computern sank in den USA von 11,7 Prozent in Q1 2025 auf 6,7 Prozent in Q1 2026 und in Deutschland von 12,7 Prozent auf 8,4 Prozent. Beratende Tätigkeiten stiegen im selben Zeitraum in den USA von 5,5 Prozent auf 9,0 Prozent und in Deutschland von 7,1 Prozent auf 11,7 Prozent.
Spezifisch für die USA sank das Bearbeiten schriftlicher Materialien von 22,2 Prozent im ersten Quartal 2025 auf 17,1 Prozent im dritten Quartal 2026. Die Erstellung visueller Designs stieg von 2,4 Prozent auf 7,6 Prozent, während das Programmieren von Computersystemen von 6,7 Prozent auf 2,4 Prozent zurückging.
Im Vereinigten Königreich sank das Schreiben von 25,5 Prozent auf 18,8 Prozent, Design legte von 2,3 Prozent auf 6,6 Prozent zu, und Programmierung fiel von 6,3 Prozent auf 2,9 Prozent.
In Japan entfielen im dritten Quartal 2026 auf Planung und Entscheidungen 35,8 Prozent (nach 31 Prozent in Q1 2025), auf die Erstellung von Arbeitsergebnissen 22,3 Prozent (zuvor 25,5 Prozent), auf Informationseingabe 13,7 Prozent, auf Entwicklung und Beratung 10 Prozent (nach 8,8 Prozent), auf Informationsverarbeitung 9 Prozent sowie auf Kommunikation und Interaktion 7 Prozent (nach 13,5 Prozent).
Datenbasis und demografische Veränderungen
Rund 43 Prozent des beschäftigungsgewichteten Aufgabenmixes erfasster US-Berufe entfallen auf sonstige Zwischenaktivitäten wie das Bedienen von Fahrzeugen, das Bewegen von Material oder das Führen medizinischer Akten. Diese Tätigkeiten erfüllten nicht die von OpenAI definierte Schwelle für eine konsistente Repräsentation in der Stichprobe.
Die Erhebung stützt sich auf eine monatliche Stichprobe von einer Million Nachrichten von Nutzern ab 18 Jahren über die Tarifstufen Free, Go, Plus und Pro, während Enterprise- und Codex-Konten ausgeschlossen blieben. Pro Land und Quartal galt eine Mindeststichprobe von 1.000 Nachrichten.
Die automatisierte Klassifizierung erfolgte unter Einsatz von Differential Privacy, und die Daten wurden unter der Lizenz CC BY 4.0 bereitgestellt. Eine frühere gemeinsame Studie von OpenAI und der Harvard University aus dem Jahr 2025 hatte bis Mitte 2025 einen Anteil von 24 Prozent arbeitsbezogener Nutzung ermittelt; der Signals-Datensatz weist für Juni 2025 einen Wert von 18,3 Prozent aus.
Gleichzeitig veränderte sich die Nutzerschaft: Der Anteil von Profilen mit typisch weiblichen Vornamen stieg von 42,2 Prozent auf 51,8 Prozent. Die Altersgruppe von 18 bis 24 Jahren verringerte sich von 39,3 Prozent auf 30,6 Prozent, während Personen ab 65 Jahren von 0,9 Prozent auf 2,7 Prozent zulegten. OpenAI wies darauf hin, dass die Daten keine Rückschlüsse auf Produktivität, Beschäftigungszahlen oder Arbeitsplatzverluste zulassen.
