China setzt auf 10.000 humanoide Roboter: Leasing soll den Einsatz beschleunigen
Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 02:48 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie chinesische Industriepolitik forciert die Einführung humanoider Roboter und verkörperter künstlicher Intelligenz in Schlüsselbranchen. Eine gemeinsame Direktive des Ministeriums für Industrie und Informationstechnik (MIIT) und der staatlichen Vermögensaufsicht SASAC verpflichtet lokale Verwaltungen sowie staatliche Unternehmen, zweibeinige und mehrgliedrige Robotersysteme zügig in Fertigungsprozesse, die Logistik, das Gesundheitswesen und den Einzelhandel einzugliedern.
Im Zentrum der Initiative steht das Ziel, bis Ende 2026 rund 10.000 kommerzielle Einheiten über ein Modell für roboterbasierte Dienstleistungen im Leasing bereitzustellen. Das staatliche Programm zielt darauf ab, bis Ende 2026 einen Ausbildungsbetrieb mit einer entsprechenden Kapazität aufzubauen und über 100 hochwertige Anwendungsszenarien zu etablieren.
Wachsende Stückzahlen und ökonomische Hürden
Die staatlichen Vorgaben treffen auf eine schnell wachsende Produktionsbasis. Nach Angaben von MIIT-Direktor Wei Wei vom 19. Oktober 2026 soll Chinas Jahresproduktion humanoider Roboter in diesem Jahr die Marke von 100.000 Einheiten überschreiten.
Das Ministerium verzeichnete für das erste Halbjahr 2026 bereits mehr als 40.000 hergestellte Einheiten bei über 400 verschiedenen Modellen und mehr als 300 getesteten Prioritätsszenarien.
Um das veränderte Berufsbild abzubilden, veröffentlichte das Ministerium für Humanressourcen und soziale Sicherheit (MOHRSS) gemeinsam mit weiteren Behörden im September 2026 elf neue Berufsbilder, darunter eine Spezialisierung für die Anwendung verkörperter KI-Robotik.
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Gleichzeitig mehren sich mahnende Stimmen aus Forschung und Finanzaufsicht. Das dem MIIT unterstellte Forschungsinstitut CAICT wies in einem Bericht auf ein drohendes Blasenrisiko in der Branche hin. Die tatsächliche Implementierung im industriellen Alltag hinke den Auslieferungsmengen hinterher.
Zudem bezifferte das CAICT die jährlichen Betriebskosten auf 500.000 bis 700.000 Renminbi je humanoidem Roboter. Ein Bericht von Capital FM Africa kam zu dem Schluss, dass Chinas Systeme auf Leistungsschauen zwar überzeugten, der dauerhaft wirtschaftliche Massenbetrieb in Werkshallen und Krankenhäusern jedoch noch nicht abschließend belegt sei.
Während das staatliche Programm Zehntausende Einheiten bis Ende 2026 anstrebt, dämpfen Marktaufseher Börsengänge von Robotikunternehmen mit Blick auf überhöhte Bewertungen.
Industrielle Pilotprojekte in der Fertigung
In der Automobil- und Elektronikindustrie laufen derzeit konkrete Praxistests. In der 5G-Fabrik von Geely Zeekr im ostchinesischen Ningbo arbeiten Dutzende Walker-S1-Roboter von UBTECH kollaborativ an der Sortierung von Bauteilen, dem Transport von Kisten und der Montage empfindlicher Fahrzeugkomponenten.
Die Einheiten nutzen eine vernetzte Architektur aus einem übergeordneten System mit KI-Modellen wie DeepSeek und dezentralen Steuerungseinheiten. Jiao Jichao, Vizepräsident von UBTECH, verwies auf Hunderte Millionen gesammelter Datenpunkte aus realen Abläufen. Das Unternehmen unterhält zudem Kooperationen mit BYD, BAIC und SF Express.
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Auch FAW-Volkswagen baut Versuche am Standort Changchun aus. Nachdem der Walker S Lite von Ubtech zunächst für Fahrzeuginspektionen genutzt wurde, untersuchen beide Partner nun Logistikanwendungen in Montagewerken, basierend auf einer Anfang Oktober 2026 geschlossenen Kooperation.
Weitere Betriebe melden Fortschritte bei Nischenanwendungen: Junpai Intelligent erprobte sechs G2-Roboter in der Batterie-Präzisionsmontage mit 99,9 Prozent Linienstabilität und Taktzeiten unter 70 Sekunden.
Beim Textilspezialisten Aitu erreichte das Modell Aini laut General Manager Lou Lingtong eine Quote von 97 Prozent beim Vereinzeln von Stoffen und über 98 Prozent Nähqualität. Lou prognostizierte für die Jahre 2026 bis 2028 eine reine Validierungsphase für Einzelprozesse, gefolgt von einer Skalierung ab 2028.
Regionale Ausbauziele und Zulieferstrukturen
Parallel zur Zentralregierung formulieren Provinzen und Metropolen eigene Ausbaupfade. Die Stadt Shanghai verabschiedete am 12. Oktober 2026 einen Aktionsplan für intelligente Fertigung: Bis 2028 sollen 8.000 humanoide Einheiten in Fabriken wirken, bei einem Zielvolumen intelligenter Ausrüstung von über 200 Milliarden Yuan.
Internationale Zulieferer positionieren sich ebenfalls am chinesischen Standort. Schaeffler richtete in Taicang eine 7.500 Quadratmeter große Fertigungsstätte ein, in der humanoide Systeme Schlüsselkomponenten wie Aktuatoren montieren.
Der weltweite Auftragseingang von Schaeffler im Bereich der Humanoiden-Robotik kletterte nach zwei Neukundenaufträgen im dritten Quartal 2026 auf rund 400 Millionen Euro.
Der Robotikhersteller ROKAE Robotics meldete im September 2026 die Auslieferung seines 10.000. kraftgesteuerten Roboterarms aus seinem Werk in Shandong; fünf dieser Einheiten verrichten unter anderem im Schaeffler-Werk Taicang ihren Dienst.
Während AgiBot am 24. Oktober 2026 mit 110 synchron gesteuerten humanoiden Robotern in Jinan publikumswirksam auftrat, entscheidet sich der wirtschaftliche Erfolg des chinesischen Vorhabens vor allem daran, ob die Einheiten den Schritt von standardisierten Demonstrationen in den rentablen Schichtbetrieb meistern.
