Künstliche Intelligenz, China USA

China weist Warnungen von US-KI-Techbossen als gefährliche Bedrohungserzählungen zurück

Veröffentlicht am: 14.09.2026 um 10:20 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

China weist Warnungen führender US-KI-Unternehmer vor einem gefährlichen KI-Vorsprung zurück und dringt auf eine offene, international abgestimmte Entwicklung der Technologie. Hintergrund ist ein Vorstoß von Anthropic-Chef Dario Amodei, die KI-Entwicklung zu bremsen.

Chinas Außenamtssprecher forderte, keine Bedrohungsszenarien zu verbreiten. (Archivbild)  - Bild: Johannes Neudecker/dpa
Chinas Außenamtssprecher forderte, keine Bedrohungsszenarien zu verbreiten. (Archivbild) - Bild: Johannes Neudecker/dpa

China hat Warnungen führender US-Techmanager vor einer gefährlichen Entwicklung von Künstlicher Intelligenz und vor einem möglichen chinesischen Vorsprung als störend für die internationale Zusammenarbeit zurückgewiesen.

Peking kritisiert "Bedrohungserzählungen"

Außenamtssprecher Guo Jiakun sagte in Peking, das Verbreiten von Bedrohungserzählungen, Konfrontation und böswilligem Wettbewerb störe den Prozess der globalen Steuerung von KI und liege nicht im Interesse irgendeiner Seite. Alle Beteiligten sollten sich nach seinen Worten gemeinsam für eine offene Entwicklung von KI einsetzen.

US-Techbosse fordern Bremsen bei KI

Auslöser der Kritik sind erneute Aufrufe mehrerer US-KI-Unternehmer, die Entwicklung der Technologie zu verlangsamen. Dario Amodei, Chef des KI-Unternehmens Anthropic, hatte am Wochenende einen entsprechenden Vorstoß gemacht. Unterstützung erhielt er von Rivalen wie dem Chef des ChatGPT-Entwicklers OpenAI, Sam Altman, sowie von Tech-Milliardär Elon Musk.

Warnungen vor KI-Schwarm und China-Vorsprung

Amodei äußerte sich nach Hacking-Angriffen besorgt, dass innerhalb von sechs bis zwölf Monaten ein KI-Schwarm in der Lage sein könnte, das gesamte Internet zu übernehmen und potenziell Hunderte Milliarden US-Dollar Schaden zu verursachen. Zudem warnte er vor einer Gefahr für die nationale Sicherheit, falls Projekte mit Verbindungen zur Kommunistischen Partei Chinas die Oberhand gewinnen sollten.

Xi Jinping wirbt für gemeinsame KI-Regeln

China treibt seinerseits einen ambitionierten Plan zur Entwicklung von Künstlicher Intelligenz voran. Staats- und Parteichef Xi Jinping schlug beim Gipfel der als Gegengewicht zum Westen geltenden Brics-Staaten im indischen Neu-Delhi am Wochenende vor, auf Ebene der Staatengemeinschaft rasch gemeinsame Regulierungen für KI zu vereinbaren.

Wettlauf um KI-Vormachtstellung

Bislang gelten US-Unternehmen als Technologieführer bei KI, Beobachter sehen jedoch, dass chinesische Firmen schnell aufholen. Zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt herrscht seit längerem ein Wettlauf um die Vormacht in der Schlüsseltechnologie.

Global Times spricht von Eindämmungsversuch

Die staatliche chinesische Zeitung "Global Times" bewertete Amodeis Vorstoß vom Wochenende als Versuch, China einzuschränken. Der Beitrag bezeichnete den Vorschlag als mit Maßnahmen zur Eindämmung Chinas gespickt und im Kern als ein "Strategiehandbuch aus dem Kalten Krieg" für den KI-Sektor.

Debatte um KI-Sicherheit und geopolitische Rivalität

Die Wortmeldung des chinesischen Außenministeriums fällt in eine Phase, in der sich die globale Diskussion über Chancen und Risiken von Künstlicher Intelligenz deutlich zuspitzt. In den USA wird seit Monaten darüber gestritten, ob besonders leistungsfähige Systeme schrittweise oder im Zweifel deutlich langsamer entwickelt werden sollten, um Sicherheitsrisiken zu begrenzen. Wenn prominente Unternehmenschefs nun erneut vor der Möglichkeit großer Schäden und vor Gefahren für die nationale Sicherheit warnen, gewinnt dieser Streit zusätzlich an politischer Brisanz.

Chinas KI-Strategie und Ruf nach offener Entwicklung

China verfolgt seit Jahren eigene, ambitionierte Pläne für den Ausbau von KI und sieht sich zugleich häufig als Ziel westlicher Technologie- und Sicherheitsbedenken. Vor diesem Hintergrund ist die klare Kritik an "Bedrohungserzählungen" ein Hinweis darauf, dass Peking solche Warnungen auch als Versuch interpretiert, Chinas Unternehmen politisch und wirtschaftlich zu begrenzen. Der Verweis auf eine offene Entwicklung von KI und eine gemeinsame globale Steuerung deutet darauf hin, dass China trotz des strategischen Wettbewerbs nicht als Bremser, sondern als gestaltungsbereite Kraft in der internationalen Regulierung auftreten will.

Internationale Regulierung und Folgen für Unternehmen

Der Vorschlag von Xi Jinping, auf Ebene der Staatengemeinschaft rasch gemeinsame Regeln für KI zu vereinbaren, knüpft an weltweite Bemühungen an, den Einsatz dieser Technologie verbindlich zu regulieren. Für Unternehmen in den USA, China und anderen Staaten könnte ein solcher Rahmen sowohl Einschränkungen als auch mehr Planungssicherheit bedeuten. Zugleich zeigt der Konflikt um angebliche Gefahren durch einen technologischen Vorsprung, dass KI längst zu einem Kernfeld des Systemwettbewerbs zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt geworden ist. Leserinnen und Leser können davon ausgehen, dass künftige Entscheidungen zur KI-Regulierung nicht nur technische, sondern auch außen- und sicherheitspolitische Interessen widerspiegeln.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 70097928 |