Chrome: KI-Agenten beheben 1.072 Sicherheitslücken in zwei Releases
Veröffentlicht am: 06.08.2026 um 10:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Mit KI-Agenten hat Google so viele Schwachstellen in Chrome behoben wie nie zuvor – über 1.000 Sicherheitslücken in nur zwei Releases. Das soll erst der Anfang sein.
Der Suchmaschinenriese hat seine Sicherheitsstrategie für den Browser grundlegend umgestellt. Wie das Chrome-Sicherheitsteam am 4. August mitteilte, kamen bei der Behebung von Schwachstellen in den Versionen 149 und 150 erstmals KI-Agenten auf Basis des Sprachmodells Gemini zum Einsatz. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Insgesamt 1.072 Sicherheitsfehler wurden identifiziert und behoben – mehr als in den 23 vorherigen Browser-Versionen zusammen.
KI findet jahrzehntealten Fehler
Die neuen Systeme entlasten die Entwickler erheblich. Durch automatisierte Analyse in isolierten Umgebungen sparen sie monatlich hunderte Stunden manueller Arbeit. Besonders beeindruckend ist ein konkreter Erfolg: Die KI entdeckte eine Sandbox-Schwachstelle in der V8-Engine, die sage und schreibe 13 Jahre alt war. Dieser Fehler hatte sich über ein Jahrzehnt lang allen manuellen Prüfungen und herkömmlichen Testwerkzeugen entzogen.
Doch wie sicher ist Chrome damit wirklich? Die Antwort fällt zwiespältig aus. Zwar hat Google Anfang dieser Woche ein umfangreiches Update veröffentlicht, das 151 Sicherheitslücken schließt – 22 davon als kritisch eingestuft. Für die Entdeckung von vier dieser kritischen Fehler zahlte das Unternehmen 102.000 US-Dollar an Prämien. Darunter waren ein Out-of-Bounds-Schreibfehler in der GPU und ein Use-after-Free-Problem in der Netzwerkkomponente.
Das Update-Problem bleibt
Angesichts der rasanten Entwicklung von Cyberbedrohungen reicht ein sicherer Browser allein oft nicht aus, um private Konten vor Zugriffen zu schützen. Dieser kostenlose Report zeigt, wie Sie die neue Passkey-Technologie bei Diensten wie WhatsApp oder Amazon nutzen, um Passwörter sicher zu ersetzen. Kostenlosen Report zu Passkeys jetzt anfordern
Trotz der raschen Patches bleibt ein wunder Punkt: Viele Nutzer installieren Updates nur zögerlich. Marktdaten zufolge warten einige Anwender bis zu zwölf Tage, bevor sie die neue Version einspielen. Bei einem Marktanteil von 65 bis 68 Prozent ist das ein erhebliches Sicherheitsrisiko. Google reagiert mit einem neuen Ansatz: Dynamisches Patching soll Updates künftig ohne Browser-Neustart einspielen. Zudem plant das Unternehmen, die Update-Frequenz auf zweimal pro Woche zu erhöhen.
Passkeys im Visier von Angreifern
Während Google die Browser-Sicherheit verstärkt, melden Forscher von Unit 42 neue Angriffsmethoden auf Passkeys des Google Password Managers unter Windows. Die als „Pass-ta-key" bezeichneten Attacken erfordern zwar eine bestehende Malware-Infektion, ermöglichen dann aber das Auslesen von Geräte-Identitätsschlüsseln. Betroffen ist auch das sogenannte Secure Desktop Secret (SDS), mit dem synchronisierte Passkeys entschlüsselt werden können. Google hat als Reaktion darauf SDS-Daten aus den Chrome-Logs entfernt.
Für Unternehmen hat der Konzern am 5. August neue Sicherheitskontrollen für KI-Agenten angekündigt. Die Funktionen für Chrome Enterprise umfassen Data-Loss-Prevention, kontextabhängigen Zugriff und einen „User Alignment Critic". Kritische Aktionen erfordern künftig die Freigabe durch Menschen. Wer Sicherheitslücken in den KI-Agenten-Systemen findet, kann bis zu 20.000 US-Dollar Belohnung kassieren.
Auch Android profitiert
Wer sich mit der Sicherheit seines mobilen Betriebssystems befasst, sollte neben aktuellen Updates auch grundlegende Einstellungen prüfen, um Hackern keine Chance zu geben. Ein gratis PDF-Ratgeber zeigt fünf einfache Schritte, die jeder Android-Nutzer sofort zur Absicherung seines Geräts umsetzen kann. 5 Schutzmaßnahmen für Android-Smartphones entdecken
Die Sicherheitsoffensive betrifft das gesamte Ökosystem. Seit dem 4. August rollt Google das August-Sicherheitsupdate für Android 17 aus. Es betrifft Pixel-Geräte vom Pixel 8 bis zum Pixel 10a und schließt eine Schwachstelle mit hohem Schweregrad in der Video Processing Unit (CVE-2026-0163). Zusätzlich behebt das Update Abstürze bei Gaming-Apps und verbessert die GPU-Leistung der Pixel-10-Serie.
Parallel dazu hat Samsung sein August-Update für Galaxy-Geräte vorgestellt. Es enthält 56 Fixes, darunter die Behebung von acht kritischen Schwachstellen, die von Google identifiziert wurden.
