CISO-Burnout: 90% der IT-Sicherheitschefs unter hohem Stress
Veröffentlicht am: 05.08.2026 um 03:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der europäischen IT-Sicherheitsbranche zeichnet sich eine deutliche Tendenz zur Arbeitsüberlastung bei Führungskräften ab. Aktuellen Analysen aus dem Sommer 2026 zufolge ist die durchschnittliche Verweildauer von Chief Information Security Officers (CISOs) in ihren Positionen auf eine Zeitspanne zwischen 18 und 26 Monaten gesunken. Ein zentraler Faktor für diese Entwicklung ist die psychische Belastung: Rund 90 Prozent der betroffenen Sicherheitsverantwortlichen berichten von moderatem bis hohem Stress.
Strukturelle Probleme und mangelnde Mitsprache in Unternehmen
Die Ursachen für die kurze Amtszeit und die hohe Belastung sind vielfach struktureller Natur. Oftmals sehen sich CISOs einer Doppelbelastung aus operativer Krisensteuerung und dem komplexen Tagesgeschäft gegenüber. Ein wesentliches Problem stellt dabei das Missverhältnis zwischen Verantwortung und tatsächlicher Autorität dar. In Fachkreisen wird dieses Phänomen als Kernursache für die sogenannte „CISO-Fatigue“ beschrieben.
Untersuchungen, wie die ISSA/Omdia-Studie, belegen, dass die Einbindung der Sicherheitsteams in strategische Entscheidungen häufig lückenhaft ist. Demnach geben zwischen 71 und 72 Prozent der Befragten an, dass Technologieentscheidungen im Unternehmen ohne Rücksprache mit der Sicherheitsabteilung getroffen werden. In der Folge gaben 69 Prozent an, dass Sicherheitsvorgaben umgangen werden. Da der Erfolg der Sicherheitsverantwortlichen meist ausschließlich an der Abwesenheit von Vorfällen gemessen wird, entsteht ein permanenter Druck unter schwierigen Rahmenbedingungen.
Der Einfluss von Künstlicher Intelligenz auf das Stresslevel
Der technologische Wandel verschärft die Situation zusätzlich. Laut der ISSA/Omdia-Studie nutzen bereits 83 Prozent der Unternehmen Künstliche Intelligenz (KI) im Bereich der Cybersicherheit. Während die Technologie Effizienzgewinne verspricht, empfinden 68 Prozent der Fachkräfte die Arbeit dadurch als anspruchsvoller. Experten beobachten in diesem Zusammenhang einen spezifischen „KI-Burnout“, der durch ständige Erreichbarkeit und die Zersplitterung der Aufmerksamkeit infolge paralleler Projekte gekennzeichnet ist.
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Die statistischen Auswirkungen auf die Belegschaft sind erheblich. Nur 2 Prozent der Cybersicherheitsprofis geben an, überhaupt keinen Stress zu empfinden, während 53 Prozent Stress als Hauptgrund für ihre Unzufriedenheit nennen. Diese Belastung führt zu einer hohen Fluktuation: 47 Prozent der Fachkräfte haben bereits über eine Kündigung nachgedacht. Von dieser Gruppe erwägen 57 Prozent sogar den vollständigen Ausstieg aus der Branche.
Strategien zur Bewältigung und neue Beschäftigungsmodelle
Angesichts der prekären Lage fordern Branchenvertreter, unter anderem von Palo Alto Networks, eine stärkere strukturelle Anerkennung des Burnout-Problems sowie eine geteilte Verantwortung innerhalb der Unternehmensführung. Es müsse ein Bewusstsein dafür geschaffen werden, dass IT-Sicherheit eine Gemeinschaftsaufgabe sei.
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Gleichzeitig verändern sich die Beschäftigungsmodelle. Der Anteil fester CISO-Stellen sank laut Marktbeobachtungen von 76 Prozent auf 63 Prozent. Im Gegenzug stieg die Nachfrage nach virtuellen CISOs von 5 Prozent auf 16 Prozent. Dieser Trend deutet darauf hin, dass Unternehmen vermehrt auf externe Expertise setzen, um die interne Belastung zu steuern.
Fachleute raten betroffenen Führungskräften zudem zu individuellen Bewältigungsstrategien. Ein Therapeut aus dem Silicon Valley empfiehlt beispielsweise kleine, realistische Veränderungen im Arbeitsalltag sowie spezifische Ansätze wie die Expositionstherapie statt radikaler Pausen. Der CISO von Ping Identity betont zudem, dass eine proaktive Herangehensweise und echte Leidenschaft für das Thema als Schutzfaktoren gegen Burnout dienen können, wobei Cybersicherheit zwar in der Absicht proaktiv, in der Dringlichkeit jedoch oft reaktiv bleibe.
