Claude Fable 5: Anthropic startet stÀrkste KI mit Sicherheitsbremsen
10.06.2026 - 17:58:44 | boerse-global.de
Das KI-Unternehmen Anthropic verlangt eine koordinierte, ĂŒberprĂŒfbare weltweite Pause bei der Entwicklung fortschrittlicher âFrontier"-KI-Modelle. Die Forderung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem das Unternehmen selbst seine leistungsstĂ€rksten Systeme auf den Markt bringt.
Die Gefahr der sich selbst verbessernden KI
Anthropic warnt davor, dass KI-Systeme die Schwelle zur rekursiven Selbstverbesserung erreichen â also der FĂ€higkeit, ihre eigene Architektur eigenstĂ€ndig zu optimieren. Bereits heute schreibt das firmeneigene Modell Claude mehr als 80 Prozent des internen Codes. Die Entwickler integrieren tĂ€glich achtmal mehr Code als noch 2024, die AufgabenkomplexitĂ€t verdoppelt sich alle vier Monate.
WĂ€hrend Anthropic globale Pausen fordert, schafft der EU AI Act bereits heute verbindliche Tatsachen fĂŒr den Einsatz von KĂŒnstlicher Intelligenz in Europa. Dieser kostenlose Praxisleitfaden hilft Unternehmen dabei, die neuen Anforderungen an Risikoklassen und Dokumentationspflichten rechtssicher umzusetzen. EU AI Act in 5 Schritten verstehen: Fristen, Pflichten und Risikoklassen kompakt erklĂ€rt
Die internen Berechnungen des Unternehmens ergeben eine 60-prozentige Wahrscheinlichkeit, dass rekursive Selbstverbesserung bis Ende 2028 eintritt. OpenAI sieht das Ă€hnlich und prognostiziert, dass KI-Systeme bereits im MĂ€rz 2028 eigenstĂ€ndig forschen könnten. Anthropic hĂ€lt eine vollstĂ€ndig von KI geschriebene Codebasis innerhalb von zwei Jahren fĂŒr realistisch.
Bedingungen fĂŒr eine weltweite Pause
Ein unilateraler Stopp sei wirkungslos, betont Anthropic. Nur ein globaler, koordinierter und verifizierbarer Entwicklungsstopp könne die Risiken eindĂ€mmen. DafĂŒr mĂŒssten mehrere Labore in verschiedenen LĂ€ndern gleichzeitig zustimmen.
Sowohl Anthropic als auch OpenAI unterstĂŒtzen die Idee einer internationalen Aufsichtsbehörde, die befugt wĂ€re, Entwicklungsstopps anzuordnen. Ein solches Gremium mĂŒsste die groĂen MĂ€chte â darunter die USA und China â einbeziehen.
Neue Modelle mit strengen BeschrÀnkungen
Parallel zur Warnung veröffentlicht Anthropic seine bisher leistungsstĂ€rksten Modelle: Claude Fable 5 fĂŒr die Ăffentlichkeit und Mythos 5 fĂŒr rund 200 Partnerorganisationen. Fable 5 erreicht im SWE-Bench-Test 95 Prozent Erfolgsquote.
Doch die Sicherheitsvorkehrungen sind streng: Fable 5 blockiert Anfragen zu Cybersicherheit, Biologie und Chemie. Mythos 5, das fĂŒr autonome Operationen wie Genomprojekte geeignet ist, bleibt exklusiv den Partneren vorbehalten. Anthropic hat zudem die Leistung der Modelle in Bereichen der KI-Frontier-Entwicklung gedrosselt, um externe Forschung zu verlangsamen. Die Preise liegen bei zehn Dollar pro Million Input-Tokens und 50 Dollar pro Million Output-Tokens.
Kritik an den Motiven
Die zeitliche Koinzidenz der Warnung mit dem Börsengang des Unternehmens nĂ€hrt Zweifel. Anthropic hat vertrauliche Unterlagen fĂŒr einen IPO eingereicht, die Bewertung wird auf rund 965 Milliarden Dollar geschĂ€tzt.
Forscher wie Gary Marcus und Steven Murdoch stellen die Aufrichtigkeit der Sicherheitswarnungen infrage. Marcus bezeichnet die aktuellen technischen Blogs als Ablenkungsmanöver â sie konzentrierten sich auf Programmiergeschwindigkeit statt auf grundlegende SicherheitsdurchbrĂŒche. Andere Beobachter sprechen von âPre-IPO-Storytelling" oder dem Versuch, durch Regulierungen Wettbewerber auszubremsen.
Die Beziehungen zu Regierungsstellen bleiben angespannt: Anthropic landete auf einer schwarzen Liste des Pentagons, nachdem es sich weigerte, die Nutzung seiner Modelle fĂŒr autonome Waffen zu erlauben oder bestimmte ĂberwachungsmaĂnahmen zu akzeptieren. Andere KI-Labore haben dagegen kĂŒrzlich Deals mit US-Verteidigungsbehörden abgeschlossen.
